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Kornmarktcenter: Vier Läden im Insolvenzverfahren

Die Corona-Pandemie setzt auch den Händlern in Bautzens größtem Einkaufszentrum zu. Mindestens ein Geschäft wird schließen.

Das insolvente Wäsche-Unternehmen Herzog und Bräuer arbeitet an seiner Sanierung. Die Filiale im Bautzener Kornmarkt-Center soll erhalten bleiben.
Das insolvente Wäsche-Unternehmen Herzog und Bräuer arbeitet an seiner Sanierung. Die Filiale im Bautzener Kornmarkt-Center soll erhalten bleiben. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Licht aus, Tür zu – und das tagsüber, mitten in der Woche. So präsentieren sich gerade zum zweiten Mal binnen weniger Monate die meisten Geschäfte im Bautzener Kornmarktcenter angesichts des Lockdowns. Wie es den Händlern in dieser Situation geht, darauf haben sie immer wieder aufmerksam gemacht. Nun ist bekannt geworden: Allein im Bautzener Kornmarktcenter befinden sich schon vier Geschäfte im Insolvenzverfahren.

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Wie Center-Manager Christian Polkow mitteilt, geht es dabei zum einen um die Friseurkette Klier, deren Insolvenzverfahren Ende vergangenen Jahres bekannt geworden war. Zum anderen geht es um drei Modeläden. So hatte die Modekette Bonita ebenfalls schon 2020 angekündigt, sich von etlichen Filialen trennen zu wollen. Außerdem wurden Insolvenzverfahren für den Unterwäsche-Händler Herzog und Bräuer und den Strumpf-Anbieter Sympatico eröffnet.

Schuld an der Schieflage ist Corona - aber nicht nur

Alles Folgen von Corona? Im September 2020 hat die Klier Hair Group eine Sanierung im Schutzschirmverfahren beantragt, teilt Elke Schmitz von der für Klier zuständigen Presseagentur Dictum Media mit. Dabei handelt es sich um ein Verfahren zur Sanierung des Unternehmens in Eigenverwaltung. Und ja, Corona ist der Grund: „Der Schritt war nötig geworden, nachdem der erste Lockdown im Frühjahr 2020 und die anschließende Zurückhaltung der Kunden zu erheblichen Umsatzeinbußen geführt haben“, erklärt Schmitz.

Aus ihrer Antwort lässt sich herauslesen, dass es auch mit dem auf Laufkundschaft angewiesenen Salon-Konzept nicht ganz einfach war: Wegen des „enormen Wettbewerbsdrucks in der Friseurbranche“, erklärt Schmitz, „lassen sich nur geringe Margen erwirtschaften“. Immer leerer würden die Innenstädte, immer weniger Kunden kämen vorbei. Der Druck wachse. „So können betroffene Salons und Shops auf Dauer nicht kostendeckend wirtschaften“, sagt Schmitz. Verödende Innenstädte – ein Problem, das nicht neu, aber durch die Corona-Pandemie verschärft worden ist.

Auch zwei sächsische Unternehmen betroffen

Und auch das Unternehmen Herzog und Bräuer aus Rötha bei Leipzig begründet die finanziellen Schwierigkeiten mit der Pandemie. „Im Frühjahr mussten wir nach behördlicher Anordnung alle 115 Filialen für mehrere Wochen schließen, konnten damals kaum Umsätze erwirtschaften. Die Kosten für Miete, Löhne, Versicherungen liefen jedoch weiter“, begründet Geschäftsführer Frank Herzog. „Außerdem hatten wir durch laufende Lieferverträge mit den Herstellern Verpflichtungen zur Warenabnahme, konnten diese aber nicht abverkaufen.“ Auch die Zeit nach dem Lockdown habe nicht viel geholfen: Durch die Begrenzung der Kundenzahl konnte das Umsatzniveau der Vorjahre bei weitem nicht erreicht werden.

Ebenfalls aus Sachsen, nämlich aus Lichtenau, stammt das Strumpfgeschäft Sympatico. Und auch dieses Unternehmen macht die Pandemie für die Schieflage verantwortlich. Allerdings nicht nur: Ein Wasserschaden habe unter anderem zu Server-Schäden geführt und den Betrieb über Wochen hinweg nur eingeschränkt möglich gemacht.

Mindestens ein Geschäft bleibt nach Lockdown zu

Bleiben die Türen dieser Geschäfte also geschlossen, wenn es für die anderen nach dem Lockdown wieder losgeht? „Wir sind aktuell guter Dinge, dass uns drei dieser Shops erhalten bleiben“, berichtet Kornmarkt-Centermanager Christian Polkow.

Klier kann und will diese Frage noch nicht für die einzelnen Geschäfte beantworten; wie es in Bautzen weitergeht, ist daher ungewiss. Wie viele der deutschlandweit 1.350 Salons erhalten bleiben, sei noch offen. Für die jeweiligen Geschäfte hänge das auch davon ab, inwieweit Vermieter in diesem Lockdown der Kette entgegenkommen. Fest steht: Noch im Januar will Klier den Sanierungsplan bei Gericht einreichen – mit dem Ziel, noch in diesem Frühjahr aus der Insolvenz herauszukommen.

Auch eine Neueröffnung scheiterte wegen Corona

Frohe Botschaften verkünden Bonita und auch Herzog und Bräuer: Beide Filialen bleiben erhalten – und werden nach dem Lockdown wieder öffnen.

Weniger positiv klingt es bei Sympatico. „Bei Sympatico wurde generell der Geschäftsbetrieb eingestellt“, weiß Ilka Stiegler von der zuständigen Agentur ABG Marketing. „Die Sympatico-Filiale in Bautzen wird demnach geschlossen.“ Bis Ende März sei ein Sonderverkauf von Strümpfen geplant. Ob dieser nun stattfinden kann, hänge vom Ende des Lockdowns ab.

Es wird dann nicht das einzige Geschäft im Center sein, was erst einmal leer steht. Bereits jetzt gibt es vier freie Flächen, berichtet Christian Polkow. Für den Modeladen Garcia, den Schmuck-Anbieter Imago und die Filiale der Dresdner Bäckerei Reimann (alle im Obergeschoss) seien die Mietverträge regulär ausgelaufen.

Im vorigen Jahr hat aber auch der Käseladen De Goey das Einkaufszentrum verlassen. Im Herbst hatte es zunächst so ausgesehen, als wäre ein Gastronom bereit, sich in das Geschäft einzumieten, berichtet Polkow. „Aber die Entwicklung der Corona-Pandemie und die behördlich angeordneten Schließungen der Gastronomie im November“, so Polkow, „haben dann letztendlich den Vertragsabschluss verhindert.“ Er gehe davon aus, dass nach dem Lockdown erst einmal einige Monate normaler Geschäftsbetrieb nötig seien, bevor die Ansiedlung eines neuen Gastronomen realistisch sei.

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