merken
PLUS Bautzen

Kreis Bautzen: Mehr als 170 Läden wieder offen

Seit Montag dürfen Kunden mit Anmeldung wieder im Geschäft stöbern. Viele Händler freuen sich – aber es gibt auch Skepsis.

Ivo Scholze bietet in seinem Juwelier-Geschäft in der Reichenstraße in Bautzen Click and Meet an. Kunden können sich anmelden - und vor Ort stöbern oder sich beraten lassen.
Ivo Scholze bietet in seinem Juwelier-Geschäft in der Reichenstraße in Bautzen Click and Meet an. Kunden können sich anmelden - und vor Ort stöbern oder sich beraten lassen. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Ein wenig Zeit zur Vorbereitung ist schon nötig, sagt der Bautzener Juwelier Ivo Scholze. Aber dann ist es so weit: Ab Mittwoch will er sein Geschäft in der Bautzener Reichenstraße wieder öffnen. „Wir freuen uns schon sehr auf die Kunden“, sagt er. Denn seit diesem Montag ist in Sachsen wieder das Shoppen vor Ort, im Geschäft möglich. Mit Voranmeldung zumindest. Und vorausgesetzt, die Sieben-Tage-Inzidenz liegt seit fünf Tagen unter 100 Neuinfektionen pro 100.0000 Einwohner. Click and Meet nennt sich das neue Angebot. Es gilt, ein Kunde oder eine Kundin pro 40 Quadratmeter. Und: Ab dem 15. März müssen sich Verkäufer dafür wöchentlich testen lassen.

Anzeige
Ab jetzt kauft man Hyundai bei Winter!
Ab jetzt kauft man Hyundai bei Winter!

Winter Automobilpartner hat vier Standorte in Ostsachsen – und ab sofort eine dritte Top-Automarke im Angebot.

Neben Ivo Scholze nutzen auch viele andere in der Region die Möglichkeit. Auf einer Karte des Landratsamtes haben sich schon mehr als 170 Geschäfte im Kreis Bautzen eingetragen. Darunter solche, die wieder normal öffnen dürfen, wie Buchhändler, Baumärkte und Floristen. Und solche, die Click and Collect, also Abholen nach Bestellung, anbieten. Und eben jene, die nun Click and Meet anbieten. Auf der Karte des Landratsamtes sind das 66. Darunter Juweliere, Modegeschäfte, Elektronikfachhändler, Parfümerien und Geschäfte für Dekoartikel.

Nun möglich: Pullover wieder im Geschäft anprobieren

So öffnet zum Beispiel Jacqueline Zinke in Kamenz ihr Geschäft RoomOutfit. Wohnaccessoires, Geschenke und Dekoartikel gibt es bei ihr zu kaufen. Schon am Montag kamen die ersten Kunden vorbei – mit guter Laune. „Viele freuen sich, endlich mal wieder rauszukommen und etwas anderes zu sehen“, sagt Jacqueline Zinke. Einige Kunden haben sich via WhatsApp-Chat bei ihr angemeldet, andere per E-Mail oder über Facebook. „Einige haben auch einfach geklopft und gefragt, ob gerade ein Termin frei ist“, sagt sie. Bis zu zwei Leute dürfen zeitgleich in ihr Geschäft kommen. Eine Zeitvorgabe macht sie dabei erst einmal nicht. „Sollte der Andrang so groß werden, dass es Überschneidungen gibt, müssen wir das natürlich einführen“, sagt sie.

„Endlich dürfen wir die Leute wieder persönlich bedienen“, freut sich auch Manuela Jäger vom gleichnamigen Modehaus in Bischofswerda. Für sie ist die Möglichkeit, dass die Leute wieder ins Geschäft kommen dürfen, eine besondere Bereicherung – erzählt sie. „Bei Click and Collect haben uns die Leute angerufen und gesagt, was sie etwa haben wollen“, sagt sie. „Zum Glück kenne ich ja meine Stammkunden ganz gut. Ich habe dann zusammengesucht, was ich denke, was ihnen gefallen könnte. Was die Kunden dann nicht haben wollten, konnten sie zurückbringen.“

Im Kornmarkt-Center sind 39 Geschäfte geöffnet

Mit dem neuen System Click and Meet können die Kundinnen und Kunden nun wieder im Geschäft die Farbe der Hose auswählen oder den Stoff des Pullovers fühlen. „Für die Jugend mag Click and Collect gut funktionieren“, sagt Manuela Jäger, „die können mit dem Internet gut umgehen. Meine Kunden wollen anprobieren, eine Beratung hören.“

„Die Möglichkeit des Terminshoppings ist ein erster Öffnungsschritt für den Einzelhandel“, sagt auch Christian Polkow, Manager des Kornmarkt-Centers in Bautzen. „Die Mitarbeiter in den Shops waren heute guter Stimmung und freuen sich sehr, endlich – mit Abstand – wieder in Kontakt zu ihren Kunden treten zu können.“ 25 Shops in dem Einkaufszentrum bieten Click and Meet an, weiß er zu berichten. Mit dabei sind zum Beispiel New Yorker und Esprit, Emilio Adani, Deichmann und Medimax. Weitere 14 Läden, wie die Buchhandlung, das Nagelstudio und das Blumenfachgeschäft, haben geöffnet.

Jacqueline Zinke vom Kamenzer Geschäft RoomOutfit freut sich, dass sie wieder öffnen darf. Die Oster-Deko-Artikel liegen schon bereit.
Jacqueline Zinke vom Kamenzer Geschäft RoomOutfit freut sich, dass sie wieder öffnen darf. Die Oster-Deko-Artikel liegen schon bereit. © René Plaul

Neben all der Freude gibt es aber auch Skepsis. Das macht Christian Polkow deutlich. Er nennt Click and Meet ein „Trostpflaster, das im Zweifel mehr Kosten verursacht als dass es Umsatz bringt.“

Eine Sorge, die auch Ivo Scholze umtreibt. Sein Geschäft im Kornmarkt-Center bleibt deshalb erst einmal zu. Er öffnet nur das in der Bautzener Reichenstraße. „Weil wir dort in der Werkstatt ohnehin Reparaturen anbieten, ist dort immer jemand da“, sagt er. Das Stichwort ist: Personalkosten. Wenn kaum jemand komme, seien die Ausgaben höher als die Einnahmen. Und dann sei da auch noch das Problem der Tests. „Wenn wir das alles zahlen müssen, summiert sich das auf“, sagt Ivo Scholze. Und die Liste der Schwierigkeiten geht weiter. Viele Fragen seien offen. „Unser Geschäft in der Reichenstraße hat etwa 42 Quadratmeter Verkaufsfläche. Sollen wir also für eine Trauringberatung beide Leute einzeln beraten?“, fragt er.

Probleme: zu wenig Tests, teures Personal

Viel Verunsicherung unter den Händlern empfindet auch der Bautzener Innenstadtverein. Das betrifft zum Beispiel die Frage, wie die Corona-Tests für die Verkäuferinnen und Verkäufer finanziert werden sollen. Wo die Tests alle herkommen sollen. Und: Was passiert, wenn die Inzidenz doch wieder über 100 steigt. „Das klingt ja alles gut. Es wird suggeriert: Wer die Regeln einhält, darf öffnen“, sagt René Meißner vom Innenstadtverein, „aber Theorie und Praxis kollidieren“.

Vor allem spürten viele Händler Ungerechtigkeit, erzählt Meißner. „Große Baumärkte dürfen uneingeschränkt öffnen. Dabei ist es doch in einem kleinen Geschäft viel einfacher, zu prüfen, ob alle Kunden eine Maske tragen und sich die Hände desinfizieren“, sagt er. Nicht nur der Verein hofft deshalb, dass der Einzelhandel bald ganz öffnen darf – unter bestimmten Bedingungen eben. Auch Ivo Scholze spricht sich dafür aus. „Wir werden uns in Richtung der Politik“, sagt auch Christian Polkow vom Kornmarkt-Center, „für eine komplette Öffnung des Einzelhandels mit entsprechenden Hygienekonzepten einsetzen.“

Was ist heute im Landkreis Bautzen wichtig? Das erfahren sie täglich mit unserem kostenlosen Newsletter. Jetzt anmelden.

Mehr Nachrichten aus Bautzen lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Bischofswerda lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Kamenz lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Bautzen