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Ärger um Laster in Kleinwelka

Zu laut, zu schnell, zu viele: Anwohner einer Straße in Bautzens Ortsteil sind genervt über den zunehmenden Verkehr. Sie haben eine Forderung.

Ärger im Bautzener Ortsteil Kleinwelka: Auf der Kleinseidauer Straße herrscht viel Verkehr, das nervt die Anwohner.
Ärger im Bautzener Ortsteil Kleinwelka: Auf der Kleinseidauer Straße herrscht viel Verkehr, das nervt die Anwohner. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Günter Zaunick hält eine Hand hinter sein Ohr, um zu lauschen. „Hören Sie?“, fragt er und gibt mit der anderen Hand ein Zeichen. In dem Moment ertönt ein Krawumm. Der Lastwagen, der zuvor mit einem lauten Brummen vorbei rollte, ist über einen Gullydeckel gefahren. Wenige Sekunden später noch einmal: Krawumm. „Und das war jetzt meiner“, sagt Günter Zaunick, „also der Gully vor meiner Haustür“, erläutert er. 

Gemeinsam mit vier anderen Anwohnern steht er an der Kleinseidauer Straße im Bautzener Ortsteil Kleinwelka. Seit Langem, sagen die fünf Männer, gehe das schon so. Seit Wochen würden nun noch mehr Lastwagen auf ihrer kleinen Straße fahren.

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Tatsächlich: Auch an diesem Tag bahnen sich einige Laster ihren Weg durch die Kurven, die dicht an den Hauswänden vorbeiführen. Es holpert und poltert und rumpelt. Laut sei es geworden, ärgern sich die Anwohner – und gefährlich. Lastwagen und Autos fahren viel zu schnell, sind sie überzeugt. „Es ist nur eine Frage der Zeit, dass etwas passiert“, vermutet Enrico Förster – und deutet in Richtung der Straße Am Wasserturm, in der sich eine Kita befindet.

Baustelle auf der B 96 verursacht mehr Verkehr

Dass momentan besonders viele Lastwagen und auch Autos durch den Ortsteil fahren, liegt an einer Baustelle, erklärt Laura Ziegler, Pressesprecherin der Stadt Bautzen. „Da auf einem Teilstück der B 96 derzeit die Fahrbahn erneuert wird“, sagt sie, „wird der Verkehr aus Bautzen in Richtung Kleinwelka umgeleitet.“ Die Umleitung verläuft über die S 106, vom Kreisverkehr Cölln bis zum Kreisverkehr Dreistern. Der Haken: „Wie bei jeder anderen Straßenbaumaßnahme auch, suchen sich ortskundige Fahrer außerhalb der offiziellen Umleitungsstrecke Straßenverbindungen, die ihnen günstiger erscheinen.“

Um zu prüfen, wie groß das Verkehrsaufkommen auf der Kleinseidauer Straße ist, habe die Stadt im August den Verkehr gezählt. Innerhalb von 24 Stunden fahren dort demnach etwa 3.000 Fahrzeuge. Darunter: etwa 230 kleinere und 80 größere Lastwagen. „Das ist für eine Kreisstraße eine normale Belastung“, so Laura Ziegler.

Anwohner fordern, dass die Straße für Lkw gesperrt wird

Anders sehen das die Anwohner. Die Straße leidet, sagen sie, sie sei ohnehin in schlechtem Zustand. Tatsächlich ist der Belag mehrfach geflickt worden. „Weil sich die Straße abgesenkt hat, bilden die Gullykanten richtige Sprungschanzen für die Fahrzeuge“, ärgert sich Günter Zaunick. Die Anwohner fordern deshalb, dass die Straße neu gemacht wird. Und sie wollen mehr Geschwindigkeitskontrollen. Ihr wichtigstes Anliegen aber ist: „Wir wollen, dass die Straße für Lastwagen – wenigstens die über 7,5 Tonnen – gesperrt wird“, sagt Horst Scholz. Dass die fünf Anwohner mit ihren Forderungen nicht alleine sind, zeigt eine Unterschriftenliste: 46 Leute haben unterzeichnet.

Von der Liste wisse die Stadt nichts, heißt es vonseiten der Stadtverwaltung. Auch zu den Wünschen der Anwohner macht die Verwaltung wenig Hoffnung: Zu schnell fahrende Fahrzeuge bewertet die Stadt nicht als großes Problem. „Auf der Kleinseidauer Straße ist lediglich im Bereich einer unübersichtlichen Kurve ein Tempolimit von 30 km/h angeordnet. Sonst kann mit 50 km/h gefahren werden“, sagt Laura Ziegler.

Eine Messung habe ergeben, dass das Tempolimit auch weitestgehend eingehalten wird. „In gewissen Größenordnungen kommt es auf jeder Straße vereinzelt zu Missachtungen der zulässigen Höchstgeschwindigkeit. Dies ist eine unbefriedigende Situation, lässt sich jedoch leider nicht ändern.“

Könnte nicht einfach überall ein Tempolimit von 30 km/h gelten? „Eine besondere Gefahrenlage“, sagt Laura Ziegler, „die eine Herabsetzung der Höchstgeschwindigkeit rechtfertigen könnte, besteht nach unserer Bewertung auf der Kleinseidauer Straße nicht.“

Straßenschäden, ausgewaschene Gehwege, herausragende Gullydeckel: Die Anwohner beklagen, dass die Kleinseidauer Straße in Kleinwelka in schlechtem Zustand ist.
Straßenschäden, ausgewaschene Gehwege, herausragende Gullydeckel: Die Anwohner beklagen, dass die Kleinseidauer Straße in Kleinwelka in schlechtem Zustand ist. © SZ/Uwe Soeder

Auch ein grundhafter Ausbau der Straße sei vorerst nicht vorgesehen. Das Tiefbauamt habe Fahrbahn und Gehwege der Kleinseidauer Straße „auf Belastungserscheinungen geprüft“. Dabei seien aber keine Schäden festgestellt worden, „die eine zusätzliche Sicherung oder Beschränkung des Verkehrs erforderlich machen.“

Stadt sagt: Straße kann nicht für Laster gesperrt werden

Auch für den Schwerlastverkehr gesperrt werden könne die Straße nicht so einfach. Die Kreisstraße erfülle eine wichtige Funktion im regionalen Straßennetz. Sie sei dazu bestimmt, Fahrzeuge jeder Größenordnung aufzunehmen – eben auch Lkws. „Es wäre nicht nur aus straßenplanerischer Sicht unlogisch, ein Lkw-Verbot für eine Kreisstraße zu verhängen. Entsprechend der Straßenverkehrsordnung wäre es sogar unzulässig“, erklärt Laura Ziegler. Dafür müsste nachweislich eine besondere Gefahrenlage bestehen. „Das ist auf der Kleinseidauer Straße nicht der Fall – auch, wenn einige Anwohner das aktuelle Verkehrsaufkommen verständlicherweise als unangenehm empfinden.“

Aber: Ein Teil des Problems werde sich bald erledigen. Denn am 6. November, teilt das Landesamt für Straßenbau und Verkehr mit, sollen die Bauarbeiten auf der B 96 beendet und die Straße wieder freigegeben werden. Dann dürfte auch wieder etwas weniger Verkehr durch die Kleinseidauer Straße rollen. 

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