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Feuerwehr-Bilanz: Von Großbrand bis Mega-Stau

Ein Rückblick auf die schwierigsten, die traurigsten und die kniffligsten Einsätze der Bautzener Feuerwehr im vergangenen Jahr.

Brandmeister Paul Stübner von der Berufsfeuerwehr Bautzen erinnert sich an ein turbulentes Jahr für die Bautzener Feuerwehr - wenn auch mit weniger Brandeinsätzen.
Brandmeister Paul Stübner von der Berufsfeuerwehr Bautzen erinnert sich an ein turbulentes Jahr für die Bautzener Feuerwehr - wenn auch mit weniger Brandeinsätzen. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Das Corona-Jahr 2020 hat sich auch auf die Feuerwehr in Bautzen ausgewirkt. Zumindest erklärt sich Paul Stübner, Sprecher der Bautzener Berufsfeuerwehr, so die verhältnismäßig niedrige Zahl an ausgelösten Brandmeldeanlagen. Im Vergleich zum Vorjahr waren es 2020 fast 40 weniger. Und Brandmeldeanlagen sind nun einmal häufig in Bürogebäuden oder Einkaufszentren installiert; in Gebäuden also, in denen wegen Corona in diesem Jahr weniger los war. Generell gab es im Corona-Jahr weniger Einsätze als sonst. 2020 waren es 601 Einsätze, 2019 waren es noch 780. Aber weshalb musste die Bautzener Feuerwehr denn so ausrücken? Sächsische.de hat nachgehakt.

Besonders brenzlig: Feuer im Großkeller

Obwohl es 2020 insgesamt weniger Brandeinsätze gab, gab es einen, der für die Kameradinnen und Kameraden der Feuerwehr besonders kräftezehrend war. So erzählt es Paul Stübner. Ereignet hat der sich schon recht früh im Jahr, nämlich am 8. Februar 2020. In der Bautzener Spreegasse brannte der Keller eines Industriegebäudes.

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Kellerbrände, so erklärt Paul Stübner, gibt es öfter mal. Aber normalerweise brennt dann ein Kellerabteil. „Der Keller bei diesem Einsatz war groß; etwa 80 mal 50 Meter. Es gab Maschinen in dem Raum. Alles war einfach nur schwarz vor Rauch – und die Einsatzkräfte wussten nicht, ob es beispielsweise verborgene Kellerschächte im Boden gibt“, erinnert sich Paul Stübner. Nicht zu vergessen: die unglaubliche Hitze in dem Keller. Kein ungefährliches Unterfangen für die Einsatzkräfte.

Allein aus der Stadt Bautzen halfen 80 Feuerwehrleute bei der Suche nach dem Brandherd und beim Löschen. Dazu kamen Einsatzkräfte unter anderem aus Malschwitz, Göda, Hoyerswerda, Kubschütz. „Das war ein ziemlich langer Einsatz“, berichtet Paul Stübner. Insgesamt dauerte er siebeneinhalb Stunden.

Siebeneinhalb Stunden war die Feuerwehr im Februar mit den Löscharbeiten eines Kellerbrandes an der Spreegasse in Bautzen beschäftigt.
Siebeneinhalb Stunden war die Feuerwehr im Februar mit den Löscharbeiten eines Kellerbrandes an der Spreegasse in Bautzen beschäftigt. © Archivfoto: Lausitznews/Jens Kaczmarek

Besonders tragisch: Tote hinter geöffneten Türen

Insgesamt 87 Mal rückte die Feuerwehr 2020 aus, um Türen zu öffnen – also zum Beispiel um nach Leuten zu sehen, die von besorgten Verwandten nicht mehr erreicht werden konnten. Sechs Mal konnten die Einsatzkräfte die Leute nur noch tot bergen.

27 Mal rückten die Feuerwehrleute zudem aus, um Leute aus Gefahrenlagen zu retten. Zum Beispiel retteten sie hilflose Personen mit Drehleitern aus Wohnungen, um sie möglichst sicher aus Gebäuden zu bugsieren. Nicht immer führte das zum Erfolg. „Wir hatten 2020 mindestens zwei erfolglose Reanimationen“, berichtet Paul Stübner. „Der Tod arbeitet leider immer mit.“ Im Nachhinein reden die Kameradinnen und Kameraden dann über das, was sie erlebt haben, sagt Stübner. Um zu verarbeiten.

Besonders häufig: Einsätze wegen Tieren

Es waren so einige Katzen, die die Feuerwehrleute aus Bautzen 2020 auf Trab hielten. Insgesamt 27 tierische Einsätze gab es – neun mehr als im Vorjahr. Nicht bei allen ging es um Katzen, aber Paul Stübner erinnert sich gut an die Katze, die im Fenster festhing und nur mithilfe einer Leiter befreit werden konnte. Er berichtet auch von traurigen Einsätzen wegen überfahrener Katzen – und einem Einsatz wegen einer angefahrenen Katze. „Die konnte gerettet werden“, freut sich Stübner.

Für tierische Einsätze sorgten auch ein Spatz, der sich im Fahrstuhlschacht verfangen hatte. Und ein Mauersegler, der sich in einer Angelleine verheddert hatte – und damit an einem Dachfenster hängen geblieben war. Zu den Klassikern zählt die Beseitigung von Wespen- und Bienennester, sagt Paul Stübner.

Anders der Einsatz wegen einer roten Schlange mit schwarzen Streifen. Gefährlich sah das ausgebüxte Tier aus – entpuppte sich dann aber als ungiftige Kornnatter.

Besonders knifflig: Säure auf dem Autodach

Beim Polizeirevier in Bautzen meldete sich im Juli eine Frau, die eine seltsame Flüssigkeit auf ihrem Auto entdeckt hatte. Die hatten Unbekannte auf das Fahrzeug gekippt. Die Flüssigkeit roch auffällig – aber was das war, war unklar. Um herauszufinden, worum es sich handelt, testete die Feuerwehr den PH-Wert. „Das Papier färbte sich sofort rot“, erinnert sich Paul Stübner. Die Feuerwehr erkannte: Das war Säure. „Die ist dann neutralisiert worden“, löst Stübner auf.

Rund 60 Kilometer lang war der Stau im März auf der A 4 wegen der Corona-Grenzkontrollen. Der Hilfseinsatz für festsitzende Fahrer wurde von der Wache der Bautzener Feuerwehr aus koordiniert.
Rund 60 Kilometer lang war der Stau im März auf der A 4 wegen der Corona-Grenzkontrollen. Der Hilfseinsatz für festsitzende Fahrer wurde von der Wache der Bautzener Feuerwehr aus koordiniert. © Archivfoto: SZ/Uwe Soeder

Besonders groß: Mega-Stau auf der A 4

Keine Feuerwehrbilanz für 2020 kommt ohne diesen Einsatz aus: Im März staute es sich auf der A 4. Nicht nur ein bisschen, für ein paar Stunden. Sondern tagelang, über etwa 60 Kilometer. Wegen der Corona-Pandemie hatte Polen die Grenzen dichtgemacht. Ohne Formular und Fiebermessung kam niemand durch, Lkw-Fahrer hingen auf der Straße fest.

Auf der Wache in Bautzen ist der Einsatz koordiniert worden. Von hier aus wurden Helfer mit Speisen und Getränken losgeschickt, um die Lastwagenfahrer zu versorgen. „So einen Einsatz“, sagt Paul Stübner, „hatten wir noch nie.“

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