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Darum dürfen Bäckerlehrlinge weiter in Bautzen lernen

Der Kreis und Sachsens Kultusministerium haben im Streit um die Zukunft der Berufsausbildung einen Kompromiss ausgehandelt. So sieht er aus.

Die Bäckerlehre in Bautzen bekommt eine Gnadenfrist bis 2023 - unter einer Bedingung.
Die Bäckerlehre in Bautzen bekommt eine Gnadenfrist bis 2023 - unter einer Bedingung. © Archivfoto: SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Eigentlich sollte mit Beginn des neuen Lehrjahres in Bautzen keine neue Bäcker-Klasse mehr starten. So steht es im sächsischen Plan für die Berufsschulen im Freistaat. Doch nun gibt es einen Kompromiss. Vize-Landrat Udo Witschas (CDU) zufolge dürfen am Beruflichen Schulzentrum in Bautzen noch bis 2023 künftige Bäcker ihre Ausbildung beginnen. Wer sich dann im zweiten oder dritten Ausbildungsjahr befindet, darf seine Lehre noch in Bautzen beenden.

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Dem Kompromiss ging ein monatelanges Tauziehen voraus. Das begann schon 2020, als bekannt wurde, dass das sächsische Kultusministerium die Ausbildung von Bäckern in der Oberlausitz künftig in Görlitz konzentrieren will. In Bautzen formierte sich Widerstand.

Kreishandwerkerschaft, Bäckerinnung, Landtagsabgeordnete, Domowina und viele andere liefen Sturm. Der Landkreis versagte schließlich dem Berufsschul-Plan des Kultusministeriums seine Zustimmung. Den Einspruch aus Bautzen wischte das Ministerium vom Tisch. Worauf die AfD-Fraktion im Bautzener Kreistag beantragte, der Landkreis möge gegen die Entscheidung aus Dresden klagen.

Die Zahlen sprechen für Görlitz statt für Bautzen

Ende Juni kamen Vertreter des Kultusministeriums und des Landesamtes für Schule und Bildung (Lasub) nach Bautzen und erläuterten im Kultur- und Bildungsausschuss des Kreistages die Gründe für die Konzentration der Bäckerlehre. Demnach rechtfertige die sinkende Schülerzahl nur noch einen Standort in der Oberlausitz. Und für Görlitz spreche, dass dort in den vergangenen Jahren mehr junge Leute diese Ausbildung begonnen hatten als in Bautzen.

Ein Blick auf die Zahlen stützt diese Argumente. Demnach starteten 2010 in beiden Oberlausitzer Landkreisen 43 junge Leute eine Ausbildung zum Bäcker. 2020 waren es nur noch 15. Am Beruflichen Schulzentrum Bautzen begannen seit 2010 insgesamt 105 künftige Bäcker, in Görlitz 143.

Kompromiss bei Bäckern, aber nicht bei Friseuren

Nach dem Besuch der Kultus- und Lasub-Verantwortlichen Ende Juni kam nun jener Kompromiss zustande, welcher der Bäckerlehre in Bautzen eine Gnadenfrist von drei Jahren gibt. Diesem Zugeständnis habe auch der Landkreis Görlitz zugestimmt, so Witschas. Keinen Kompromiss gibt es aber bei der Ausbildung von Friseuren; sie findet nur noch in Görlitz statt.

An den Beruflichen Schulzentren in Bautzen und Radeberg werden künftig mehr technische Berufe wie Mechatroniker und Elektroniker ausgebildet. Dafür wechseln Lehrlinge von Berufsschulen in Dresden, Pirna und Meißen in den Kreis Bautzen. Witschas beziffert den Zuwachs an Technik-Lehrlingen zwischen mindestens 140 und bestenfalls 340. Bei einer Klage gegen die Berufsschul-Pläne des Freistaates würde es dieses Plus an Technik-Lehrlingen wahrscheinlich nicht geben.

Neun Stimmen von anderen Parteien für AfD-Antrag

Am Montagabend ging es in der Sitzung des Kreistages nun um die Frage, ob der Landkreis den ausgehandelten Kompromiss akzeptiert. Oder, wie es die AfD beantragt hatte, gegen die Berufsschul-Pläne des Landes klagen sollte. Bei der Debatte zu diesem Thema blieb die Öffentlichkeit draußen, doch der Geräuschpegel aus dem Sitzungssaal sprach für sich.

Die abschließende Abstimmung endete mit einem knappen Sieg für die Landkreisverwaltung. 34 Kreisräte votierten gegen eine Klage, 30 dafür, elf Abgeordnete enthielten sich der Stimme.

Der AfD-Fraktion verschaffte die Abstimmung trotzdem einen Punktsieg. Von den Alternativen nahmen nur 21 Abgeordnete am Votum teil, ihr Antrag erhielt aber 30 Stimmen. Somit wollten auch neun Abgeordnete anderer Fraktionen den von der AfD gewünschten Klageweg beschreiten.

Kreishandwerkerschaft ist optimistisch

Der ausgehandelte Kompromiss gilt allerdings nur, wenn es pro Ausbildungsjahr in Bautzen mindestens 16 Bäckerlehrlinge gibt. Witschas sieht nun die Kreishandwerkerschaft und die Bäckerinnung am Zuge.

16 Lehrlinge - das ist zu schaffen, sagt Sabine Gotscha-Schock. Die Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft sieht dazu aber auch das Kultusministerium in der Pflicht. Es müsse dafür sorgen, dass Lehrlinge aus dem gesamten Landkreis Bautzen auch in der Kreisstadt lernen. "Die nahe an Dresden Wohnenden werden meist dort angemeldet."

Der Beitrag wurde am 20. Juli 2021, 14.45 Uhr, aktualisiert.

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