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Bautzen

Ziel: Mehr Beachtung für Pflegefamilien

Etwa 240 Kinder im Kreis Bautzen leben derzeit bei fremden Eltern. Eine Kreativ-Aktion soll auf das Thema aufmerksam machen. Das ist geplant.

240 Kinder leben im Landkreis Bautzen in Pflegefamilien. Das Landratsamt möchte ihnen mehr öffentliche Aufmerksamkeit geben und startet dazu jetzt eine Kreativ-Aktion.
240 Kinder leben im Landkreis Bautzen in Pflegefamilien. Das Landratsamt möchte ihnen mehr öffentliche Aufmerksamkeit geben und startet dazu jetzt eine Kreativ-Aktion. ©  Symbolfoto: dpa

Bautzen. In ganz Deutschland steigt die Zahl der Kinder, die statt bei den leiblichen Eltern in Heimen oder Pflegefamilien aufwachsen. Der Landkreis Bautzen nimmt jedes Jahr etwa 200 Kinder und Jugendliche in seine Obhut. "Die Gründe dafür sind verschieden", erklärt Susanne Hantusch vom Sozialen Dienst des Landratsamtes. "Sie reichen von Überforderung, Krankheit, Suchtproblematik bis hin zu Gewalt in der Familie. Diese Kinder haben Erfahrungen gemacht, die ihre Seele belasten. Das können sie meist nicht formulieren, zeigen es aber in ihrem Verhalten."

Für 216 Kinder und Jugendliche stehen im Landkreis Heimplätze zur Verfügung. Weitere 240 Kinder leben zeitweise oder längerfristig in Pflegefamilien, berichtet die zuständige Teamleiterin im Landratsamt. "Eine Familie bietet die besten Möglichkeiten, die individuelle Entwicklung zu fördern und eine kontinuierliche Betreuung zu sichern", sagt Susanne Hantusch. "Wir vom Pflegekinderdienst suchen Familien, die einem Kind vorübergehend oder dauerhaft ein liebevolles zu Hause schenken möchten."

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Kalender soll Kunstwerke zeigen

Doch in der Öffentlichkeit ist über das Leben von Pflegefamilien kaum etwas bekannt. Susanne Hantusch und ihr Team möchten das zusammen mit dem Lions Club Bautzen mit einem Kreativ-Wettbewerb ändern. Auf Fotos, selbst gemalten Bildern oder Texten können sich Pflegekinder, ihre Pflegeeltern oder Geschwister künstlerisch ausdrücken. Ihrer Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt.

Dazu soll es in den nächsten Tagen einen Aufruf an die Pflegekinder und -familien geben, kündigt Susanne Hantusch an. Bis Ende April könnten dann die Fotos, Bilder oder Texte eingereicht werden. Anschließend sollen die Werke in einer Wanderausstellung in den Foyers des Landratsamtes Bautzen sowie seiner Außenstellen in Kamenz und Hoyerswerda gezeigt werden. Für die beteiligten Künstler sind ein Empfang und die Ehrung im Landratsamt geplant.

Die entstandenen Kunstwerke könnten sich dann in einem Kalender wiederfinden. Susanne Hantusch denkt da zum Beispiel an einen Familienplaner für Pflegeeltern und Unterstützer.

"Wir möchten mit der Aktion auf die Lebenssituation von Pflegekindern aufmerksam machen", sagt die Teamleiterin im Landratsamt. "Gleichzeitig wollen wir mehr öffentliche Wertschätzung und gesellschaftliche Anerkennung für die Tätigkeit von Pflegeeltern schaffen." Nicht zuletzt solle die Kreativ-Aktion auch Kontaktmöglichkeit zwischen Pflegeeltern schaffen. Und neue Familien, die Kinder eine Zeitlang oder dauerhaft bei sich aufnehmen, seien immer willkommen.

Hohe Ansprüche an Pflegeeltern

Für Pflegeeltern setzt das Amt hohe Maßstäbe. Sie sollten Verständnis aufbringen für Kinder mit zwei Familien. Gefragt sind Einfühlungsvermögen, Geduld sowie Kommunikations- und Konfliktfähigkeit. Wer ein Pflegekind bei sich aufnimmt, sollte auch wissen, dass es mitunter in seiner Entwicklung beeinträchtigt sein könnte. Und eine Pflegefamilie muss bereit sein zur Zusammenarbeit mit den leiblichen Eltern und dem Jugendamt.

"Pflegekinder", sagt Susanne Hantusch, "suchen ein sicheres Zuhause zum Wohlfühlen, einen Platz zum Aufwachsen, ein offenes Ohr zum Zuhören und vor allem Zuneigung und Geborgenheit." Sie zitiert dazu Gedanken einer Pflegemutter aus dem Landkreis: "Es ist für mich als Pflegemutter immer wieder spannend zu erleben, wie erst völlig verschlossene und ängstliche Kinder Sicherheit gewinnen und anfangen aufzublühen. Und doch bleiben sie Kinder, die ihre eigenen Erfahrungen immer mit sich tragen werden und die sie auch nie ganz ablegen können.“

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