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Bautzen: Seit 30 Wochen endlich wieder Theater

Nach der langen Zwangspause spielt die Bautzener Bühne wieder. Zum Auftakt gab es gleich eine Premiere.

Am Sonnabend feierte das Puppentheaterstück "Godow & Somorrha" im Bautzener Theater Premiere.
Am Sonnabend feierte das Puppentheaterstück "Godow & Somorrha" im Bautzener Theater Premiere. © Miroslaw Nowotny

Bautzen. 216 Tage. Oder 30 Wochen und sechs Tage. So lange gab es auch am Bautzener Theater corona-bedingt keine Vorstellung mehr. Nach Monaten intimer Lesungen aus Probenräumen und der Produktion von Videoclips wirkte eine Premiere wie diese am Sonnabend im Theatergarten des großen Hauses wie ein Festessen: üppig, überschäumend und hochgradig ausfüllend.

„Godow & Somorrha“ heißt das Puppentheaterstück, mit dem das Bautzener Theater nun wieder den Spielbetrieb aufnimmt. Die Aufführung von Puppenspielchef Stephan Siegfried ist die Fortsetzung der ersten Folge von „Gedöns vonner Insel“. Vorgeführt als 3-D-Fernsehschaupiel, gespielt im vertrauten Puppenbühnenrahmen.

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Unter der Regie von Richard Koppermann zeigt Siegfried mit seinen Handpuppen, dass das Weltgeschehen auch um das kleine Ostsee-Eiland Godow mit seinen 13 Bewohnern keinen Bogen macht. Corona, Klimawandel, Meeresanstieg - das volle Krisenprogramm lässt auf dem Inselchen die Einheimischen zusammenrücken, die sich als coronale Infektionsgemeinschaft empfinden. In der die meisten, trotz aller Weltkrisen, nach wie vor ihr Alltagsding machen.

Man spürt die aufgestaute Spielfreude

Wie Dörte, die Verkäuferin im örtlichen Konsum. Sie gewinnt der Kassenbonpflicht Vorteile ab, erkennt, dass man mit den Bons fehlende Klopapierrollen wunderbar kompensieren kann. Oder die aus Sachsen stammende Polizistin Maike Maier, die sich ob des ansteigenden Meeresspiegels kreativ zeigt, als es um die Evakuierung der Bewohner geht.

Ach ja, und dann ist da noch dieses am Strand aufgelesene weiße Wollknäuel, das kein Schaf ist, sondern sich als ein Wesen entpuppt, das es ob des Klimawandels in die Ostsee verschlagen hat. Auflösung übrigens im dritten Teil, der schon in Arbeit ist.

Stephan Siegfried gibt bei dieser Premiere alles, wie man hernach an seinem schweißgebadeten Zustand sehen kann. Man spürt seine in den zurückliegenden Monaten aufgestaute Spielfreude, dieses Nicht-genug-kriegen von diesem Theaterabend.

Figuren wie die Ordnungshüterin Maier oder Ex-Fremdenführer Franz bilden den roten Faden der norddeutschen Insel-Story, in der Alleindarsteller Siegfried allen Figuren Stimme gibt. Am Ende versinkt Godow dank einiger eigenwilliger Windräder doch nicht im Meer, sondern wird gar angehoben, was alle freut, nur den örtlichen Fischer nicht, der nun einen weiteren Weg zum Strand hat.

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Zum Finale das fast vergessene Gefühl der eigenen, applaudierenden Hände, dieses dumpf-rhythmische Klatschen. Aber der Applaus-Muskel ist in dieser kulturlosen Zeit nicht verkümmert. Und Stephan Siegfried? Überglücklich, den anhaltenden Beifall genießend, verabschiedet sich mit einem „Wir sind da, um zu bleiben“. Das hoffen nicht nur die Fans seiner Kultserie. Folge drei macht schon jetzt neugierig. Der Titel: „Goodowdämmerung“.

Nächste Vorstellungen am 11. Juni sowie am 12., 19. und 26. Juni, jeweils 19.30 Uhr, im Theatergarten am großen Haus. Karten unter 03591 584225, E-Mail: [email protected]

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