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Wenn der Theater-Fundus zum Leben erwacht

Zum 60-jährigen Bestehen der Bautzener Puppenbühne gibt es ein Wiedersehen mit alten Helden. Und das nicht nur auf der Bühne.

Im Stück des Bautzener Puppentheaters "Verfitzt und zugenäht" begegnet Annekatrin Weber Figuren, die eigentlich schon lange im Fundus schlummern.
Im Stück des Bautzener Puppentheaters "Verfitzt und zugenäht" begegnet Annekatrin Weber Figuren, die eigentlich schon lange im Fundus schlummern. © Theater Bautzen

Bautzen. Aller Anfang ist schwer. Besagt ein Sprichwort. Wobei man hinzufügen müsste, dass das Aufhören oftmals schwerer ist als das Anfangen. Das muss sich wohl auch Bautzens Puppenspielchef Stephan Siegfried gedacht haben, wenn er im Fundus weilte. Dort frönen Puppen aus den Aufführungen vergangener Jahrzehnte, nun ja, sagen wir es mal so, ein ziemlich uninspiriertes Dasein. Hängen herum, respektive liegen in Kisten, in der stillen Puppenseelenhoffnung, irgendwann wieder ins Rampenlicht zu rücken.

Diese Gelegenheit bietet in diesem Jahr das 60-jährige Bestehen des Bautzener Puppentheater. Und weil ein solches Jubiläum obendrein nach einem Buch schreit, dachte man sich bei den hiesigen Puppenspielern, dass man in diesem Falle doch das eine mit dem anderen verbinden könnte. Sprich, einige der markantesten Fundus-Figuren für einen Bildband wiederbeleben. Was dabei herauskommt, sah man jetzt bei der Premiere von „Verfitzt und zugenäht“.

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Nach fast 40 Jahren aus der Mottenkiste geholt

Wegen des schlechten Wetters am Freitagabend fand die Vorstellung nicht im Theatergarten, sondern im Saal des großen Hauses statt. Kollegin Weber (gespielt von Annekatrin Weber), in der Corona-bedingten Spielpause zur Fundus-Beauftragten degradiert, bekommt es in dem amüsanten Nummernprogramm mit rund 40 aufgeweckten Typen vergangener Puppenspieltage zu tun. Mit Kasper, Wassermann oder Prinzessin.

Da sehnt sich etwa die Marionette Karli, seit 1973 im Fundus eingemottet, nach einer Charakterrolle, wäre zur Not aber auch mit der Rolle eines Eimers zufrieden. Für die Amme, deren Bühnendasein 1974 endete, ist das Fotoshooting eine prima Gelegenheit, um für ein ambitioniertes Puppen-Künstlerdasein zu werben. Oder die sieben Zwerge. Versehentlich aus ihrer Kiste befreit, treiben sie die Fundus-Beauftragte fast in den theatralen Wahnsinn.

Zum 60-jährigen Bestehen des Bautzener Puppentheaters erinnert ein neues Stück an alte Helden.
Zum 60-jährigen Bestehen des Bautzener Puppentheaters erinnert ein neues Stück an alte Helden. © Theater Bautzen

Wer schon immer mal wissen wollte, was mit den oft in monatelanger Arbeit angefertigten Handpuppen passiert, wenn das Stück vom Spielplan abgesetzt wird, bekommt bei dieser Inszenierung passende Antworten. Auch, wie so ein Check-in im Fundus abläuft. Wer partout nicht in den Ruhestand will, dem wird mit dem Verkauf via Ebay-Kleinanzeigen gedroht. Wirkt immer.

Bildband erzählt Bautzener Puppengeschichten

Die von Stephan Siegfried inszenierte Puppencomedy zeigt auf charmant-schrille Weise, wie es um die Innenwelt der zum Aufhören verdonnerten Puppen bestellt ist. Auch, dass so ein Bühnen-Aus skurrile Ideen freisetzt. Gut aufgelegt ist an diesem Abend das vierköpfige Puppenspielensemble (neben Annekatrin Weber sind das Marie-Luise Müller, Andreas Larraß und Eva Vinke). Deren Spielfreude reißt das Publikum mit, alle sind aus dem Puppentheater-Häuschen.

Im Anschluss an die Vorstellung eine weitere Premiere: Bautzens Puppenspielchef Stephan Siegfried stellte das Buch zum Stück vor, das aufschlussreiche Details zur Bautzener Puppentheatergeschichte enthält. In dem 95 Seiten umfassenden Bildband, der für sieben Euro an der Theaterkasse erhältlich ist, erfährt man auch, was so abgeht, im Puppenfundus.

Nächste Vorstellungen am 2., 3. und 10. Juli, jeweils 19.30 Uhr, im Theatergarten am Großen Haus. Karten: Telefon 03591 584225 oder E-Mail [email protected]

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