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"Querdenker" ist nicht mehr Elternsprecher

Marcus Fuchs ist nach Kritik des Elternrates der Grundschule in Arnsdorf von seinem Posten zurückgetreten. Das könnte weitere Konsequenzen haben.

Marcus Fuchs ist von seinem Posten als Elternratsvorsitzender der Grundschule Arnsdorf zurückgetreten. Er war von anderen Eltern kritisiert worden - unter anderem wegen seiner Auftritte bei Corona-kritischen Demos, wie hier Anfang November in Bautzen.
Marcus Fuchs ist von seinem Posten als Elternratsvorsitzender der Grundschule Arnsdorf zurückgetreten. Er war von anderen Eltern kritisiert worden - unter anderem wegen seiner Auftritte bei Corona-kritischen Demos, wie hier Anfang November in Bautzen. © Archivfoto: SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Marcus Fuchs ist von seinem Posten als Vorsitzender des Elternrates der Grundschule Arnsdorf zurückgetreten. Das hat der Elternrat der Grundschule bekanntgegeben. Eine entsprechende Stellungnahme wurde auf der Homepage der Schule veröffentlicht.

Grund für den Rücktritt ist der Stellungnahme zufolge, dass sich „die Mehrheit des Elternrates von der aktuellen Tätigkeit“ von Marcus Fuchs distanziert. „Weder der letzte offene Brief noch die fehlende Distanz zu Querdenken 351 - Dresden entsprachen dem Meinungsbild des Elternrates“, schreiben die Verfasser. „Speziell der medial hergestellte Zusammenhang zwischen Querdenken 351 - Dresden, fragwürdig umgesetzten Umfragen und der Elternratsarbeit haben uns dazu bewogen, die Arbeit des amtierenden Kreiselternratsvorsitzenden in Frage zu stellen.“

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Ärger um einen offenen Brief des Kreiselternsprechers

Denn Marcus Fuchs ist bisher auch der Vorsitzende des Kreiselternrates. Ob er diesen Posten weiter besetzt, ist derzeit unklar. Das Landesamt für Schule und Bildung, der Landkreis und das Kultusministerium erklären, keine Rechtsaufsicht über den Kreiselternrat zu haben.

Dem Landeselternrat ist bisher kein Rücktritt von Fuchs als Kreiselternsprecher bekannt. Laut dem sächsischen Schulgesetz muss sich der Kreiselternrat aber aus den Vorsitzenden der Elternräte der Schulen zusammensetzen. Und diesen Posten hat Fuchs an der Grundschule abgegeben. Stimmberechtigt sei Fuchs damit nun jedenfalls nicht mehr, erklärt Nadine Eichhorn vom Landeselternrat.

Der Elternrat der Grundschule Arnsdorf bezieht sich in seinem Schreiben auf einen Offenen Brief, den Fuchs gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Görlitzer Kreiselternrates verfasst hatte. Darin berufen sich die beiden auf eine Umfrage unter Eltern und erklären, dass diese die Abschaffung von Masken an Schulen fordern würden. Mehr noch: Sie fordern in dem Schreiben, dass Masken an Schulen verboten werden.

Dafür hatte Marcus Fuchs viel Kritik geerntet. Eine entsprechende Frage in der Umfrage hatten nur 223 Personen beantwortet – im Kreis Bautzen gibt es aber rund 29.500 Schüler. Viele Eltern hatten sich von dem Schreiben distanziert.

Fuchs spricht von "Corona-Faschismus"

Marcus Fuchs machte auch mit seinem Engagement für die corona-kritischen „Querdenker“ Schlagzeilen. Er ist Mitbegründer des Dresdener Ablegers der Gruppierung.

Mehrfach kam es im Rahmen von „Querdenken“-Demonstrationen zu Ausschreitungen, zu solchen Demonstrationen mobilisierten auch Rechtsextreme. In Baden-Württemberg wird die Stuttgarter Gruppierung „Querdenken 711“ mittlerweile vom Landesamt für Verfassungsschutz beobachtet, weil dieses Hinweise für extremistische Bestrebungen erkennt.

Auch auf einer Demonstration gegen die Corona-Schutzmaßnahmen vor dem Bautzener Landratsamt sprach Marcus Fuchs und stellte die Pandemie infrage. Auf seiner Facebook-Seite spricht er von „Corona-Faschismus“, in einem anderen Beitrag von einer „Panik-Pandemie“. Er teilt auf seinem Profil auch einen Artikel des rechtspopulistischen Blogs „Journalistenwatch“, laut dem eine 13-Jährige wegen des Tragens einer Maske gestorben sein soll. Obwohl die Staatsanwaltschaft das laut einem Bericht des Recherchezentrums Correctiv widerlegte, korrigiert Fuchs die Falschnachricht nicht. Auch nicht, nachdem er in einem Interview mit dem MDR auf den Fehler aufmerksam gemacht worden ist.

Marcus Fuchs selber war für Nachfragen von Sächsische.de am Mittwoch und am Donnerstag nicht zu erreichen.

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