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Radon: Gefahr an zehn Schulen im Kreis Bautzen

Seit 2015 wird die Strahlenbelastung durch Radon in Bildungseinrichtungen ermittelt. Wie der Landkreis dabei aktuell dasteht.

In 32 Schulen und Kindertagesstätten im Kreis Bautzen sind in den vergangenen Jahren Radon-Messungen vorgenommen worden.
In 32 Schulen und Kindertagesstätten im Kreis Bautzen sind in den vergangenen Jahren Radon-Messungen vorgenommen worden. © Symbolfoto: dpa

Bautzen. Ähnlich wie ein Rauchmelder sehen die Geräte aus, die in den vergangenen Jahren in einigen Schulen im Landkreis Bautzen hingen. Ihr Name: Exposimeter. Was die kleinen Kästen messen, ist nicht sichtbar – und dennoch nicht ungefährlich. Sie haben die Konzentration von Radon in Klassenräumen und Spielzimmern von Schulen und Kindertagesstätten ermittelt.

Was ist Radon und woher kommt es?

Radon ist natürlichen Ursprungs: Die Erdkruste enthält seit ihrer Entstehung natürliche radioaktive Elemente. Das radioaktive Edelgas Radon entsteht beim Zerfall von Uran oder Thorium. Es wird aus dem Boden in die Luft freigesetzt. Je nach Untergrund kommt Radon mehr oder weniger häufig vor. So ist die Radon-Konzentration in Kupferschlacke extrem hoch. Auch in Granit, den Vulkangesteinen Tuff und Bims und in Braunkohlenfilterasche gibt es viel Radon.

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Wie gefährlich ist der Kontakt mit Radon?

Wenn Radon vom Menschen eingeatmet wird, kann es Lungenkrebs verursachen. Denn während zwar ein Großteil des Radons einfach ausgeatmet wird, lagern sich Teile der Zerfallsprodukte in der Lunge an. Ihre Strahlung kann Schäden in den Zellen des Lungengewebes hervorrufen. Auf einem Informationsblatt des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) heißt es, dass etwa fünf Prozent der Lungenkrebsfälle in Deutschland auf Radon und seine Zerfallsprodukte zurückzuführen sind. Zum Vergleich: Etwa 90 Prozent der Fälle sind durch Tabak-Rauchen zu erklären. Radon gilt damit als zweithäufigste Lungenkrebsursache in Deutschland.

Allerdings kann man sich vor Radon schützen. So kommt das Edelgas vor allem in Kellerräumen und im Erdgeschoss von Gebäuden vor; es zieht durch das Mauerwerk hinein. Bestimmte bauliche Maßnahmen können dagegen helfen.

Welche Grenzwerte müssen eingehalten werden?

Im Dezember vergangenen Jahres hat das LfULG eine Allgemeinverfügung herausgegeben, in der Radonvorsorgegebiete festgelegt werden. Als Radonvorsorgegebiete gelten Regionen, in denen für eine bestimmte Anzahl an Gebäuden erwartet wird, dass ein Wert von 300 Becquerel pro Kubikmeter überschritten wird. Für die jeweiligen Regionen sind die Werte durch statistische Methoden ermittelt worden; Messungen und Wissen über das Untergrundgestein in der jeweiligen Region spielten dabei eine Rolle. Auf den Grenzwert von 300 Becquerel pro Kubikmeter (Bq/m³) beziehen sich auch die Messungen an den Schulen.

An welchen Schulen im Kreis Bautzen wurde die Radon-Konzentration gemessen?

Im Landkreis Bautzen sind bereits in 25 Schulgebäuden und sieben Kindertagesstätten freiwillige Radonmessungen durchgeführt worden, teilt Karin Bernhardt vom LfULG mit. In einem der Gebäude laufen die Messungen noch.

In 21 der Gebäude, in denen die Messungen durchgeführt worden sind, ist der Referenzwert von 300 Becquerel pro Kubikmeter Innenraumluft eingehalten worden. So liegt der Jahresmittelwert der Lessingschule in Großpostwitz beispielsweise bei 197 Bq/m³, in der Kamenzer Grundschule Am Gickelsberg bei 141 Bq/m³. Sehr niedrig ist der Wert an der Grundschule Guttau: Hier liegt der Jahresdurchschnitt bei 30 Bq/m³.

In zehn Gebäuden allerdings gab es Überschreitungen der Grenzwerte. Dabei habe es sich vor allem um Überschreitungen in einzelnen Räumen gehandelt. Welche Schulen das sind und in welchen Gemeinden sie sich befinden, verrät das LfULG noch nicht, da die Ergebnisse noch frisch – und die zehn betroffenen Schulen noch nicht informiert worden sind. Sicher ist: Die Schulen in den Gemeinden und Städten Lohsa, Malschwitz, Ohorn, Oßling, Ottendorf-Okrilla, Großpostwitz und Kamenz, in denen Werte erhoben worden sind, haben die Grenzwerte nicht überschritten.

Was passiert jetzt in Schulen und Kitas mit erhöhten Werten?

In den zehn Schulen und Kitas, in denen erhöhte Werte gemessen worden sind, empfiehlt das LfULG Maßnahmen. So gibt es zum Beispiel die Möglichkeit, Lüftungsanlagen einzubauen, erklärt Mandy Alisch-Mark von der Radonberatungsstelle des Freistaates Sachsen. „Da die Radon-Konzentration oft besonders in Kellerräumen hoch ist“, sagt sie, „lohnt es sich, in den Gebäuden die Keller besonders abzudichten“. Risse oder Spalten könnten geschlossen werden. Auch spezielle Radon-Absauger gibt es. Manchmal genüge es auch, Räume umzunutzen – also die entsprechenden Zimmer nicht als Klassenraum, sondern als Abstellkammer zu nutzen.

Jedoch sei in keinem Raum der Wert so hoch gewesen, dass das Gebäude gesperrt werden müsse. „Gemessen wird der Jahresmittelwert“, erklärt Mandy Alisch-Mark. Am Wochenende oder in den Ferien – wenn die Räume weniger gelüftet werden und es weniger Bewegung gibt – steige der Wert an. In der Schulzeit liege er dann oft tiefer.

Was bedeutet Radon für Häuslebauer und –besitzer im Kreis Bautzen?

Radon betrifft natürlich nicht nur Schulen und Kitas, sondern auch andere Gebäude. In der neuen Radon-Allgemeinverfügung ist festgelegt, was für Maßnahmen beim Hausbau in Radonvorsorgegebieten ergriffen werden müssen – und wo und für wen eine Messpflicht gilt.

Generell ist in allen Gebieten laut dem Strahlenschutzgesetz der Radonschutz beim Hausbau zu berücksichtigen. Aber: „In den Gebieten, die nicht als Radonvorsorgegebiet ausgewiesen worden sind, gilt diese Pflicht bereits als erfüllt, wenn bestimmte Maßnahmen zum Feuchteschutz eingehalten werden“, erklärt Karin Bernhardt vom LfULG. Für die Region Bautzen gelte also konkret, dass auch hier Neubauten vor dem Eintritt von Feuchtigkeit und Radon geschützt werden müssen. Gesetzlich verpflichtend sind im Kreis darüber hinaus aber keine weiteren Maßnahmen zu ergreifen.

Die Karte zeigt Erwartungswerte der Radonkonzentration in der Bodenluft in einem Meter Tiefe. Daraus lassen sich keine Radonkonzentrationen für einzelne Flur- oder Grundstücke ablesen.
Die Karte zeigt Erwartungswerte der Radonkonzentration in der Bodenluft in einem Meter Tiefe. Daraus lassen sich keine Radonkonzentrationen für einzelne Flur- oder Grundstücke ablesen. © SZ-Grafik: Gert Schulze

Wie steht der Kreis Bautzen mit seinen Radonwerten im Vergleich da?

Im Vergleich zu anderen Landkreisen in Sachsen steht der Kreis Bautzen noch ganz gut da. Besonders hoch ist die Radon-Konzentration im Erzgebirge. Insgesamt 107 Gemeinden in fünf sächsischen Landkreisen sind vor Kurzem als Radonvorsorgegebiete ausgewiesen worden – im Kreis Bautzen liegt keine einzige davon.

Dennoch liegt der Wert im Kreisgebiet höher als zum Beispiel im Norden Deutschlands. Vor allem in den südlichen und östlichen Gebieten Deutschlands gibt es laut dem Bundesamt für Strahlenschutz recht viel Radon im Boden. So sind auch im Thüringer Wald, im Harz, im Fichtelgebirge und im Bayrischen Wald die Konzentrationen des radioaktiven Edelgases hoch.

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