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Bautzen

Bürgerpreis für Rucksack-Aktion

Jedes Jahr schickt der Kirchenbezirk Bautzen-Kamenz Schulrucksäcke nach Tansania. Jetzt gab es dafür eine Auszeichnung - und ein Preisgeld.

Claudia Mickel-Fabian vom Kirchenbezirk Bautzen-Kamenz schickt jedes Jahr mit der AG Tansania Rucksäcke für Schulanfänger in den ostafrikanischen Staat. Nun wurde die Aktion mit dem Sächsischen Bürgerpreis ausgezeichnet.
Claudia Mickel-Fabian vom Kirchenbezirk Bautzen-Kamenz schickt jedes Jahr mit der AG Tansania Rucksäcke für Schulanfänger in den ostafrikanischen Staat. Nun wurde die Aktion mit dem Sächsischen Bürgerpreis ausgezeichnet. © Steffen Unger

Bautzen. Zwei Hefte, ein paar Stifte, ein Lineal, Teller, Tasse, Besteck und ein Handtuch kommen in den blauen Rucksack. Etwa 4.000 solcher Rucksäcke schickt der Evangelisch-Lutherische Kirchenbezirk Bautzen-Kamenz jedes Jahr an Kinder in Tansania. Am vergangenen Mittwoch wurde er dafür mit dem Sächsischen Bürgerpreis in der Kategorie “Global denken – lokal handeln” ausgezeichnet.

“Das ist für die Kinder die Erstausstattung, um überhaupt zur Schule gehen zu können”, erklärt Claudia Mickel-Fabian mit Blick auf die Rucksäcke. Sie ist Bezirkskatechetin und betreut Partnerschaftsprojekte mit Tansania im Kirchenbezirk Bautzen-Kamenz. “Wegen der großen Dürre und der Hungersnot gehen die Kinder aus zwei Gründen gern zur Schule: Hier bekommen sie nicht nur Bildung, sondern auch Essen”, sagt Mickel-Fabian.

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Rucksack ist ein Anreiz, zur Schule zu gehen

Ziel der Aktion ist es, die Kinder möglichst im Alter von sechs oder sieben Jahren einzuschulen. Sonst passiert das meist ein paar Jahre später, wie Claudia Mickel-Fabian berichtet. “Wir wollen die Kinder für die Zukunft starkmachen”, sagt sie und verweist unter anderem auf das abschmelzende Eis und den gerade erst eingedämmten Brand am Kilimandscharo. An dessen Fuß leben Gemeindemitglieder des Partnerkirchenkreises Meru der lutherischen Kirche in Tansania.

Die Rucksack-Aktion findet seit 2006 jedes Jahr statt. Gepackt werden die Rucksäcke von Familien in den Gemeinden des Kirchenbezirks, aber auch Schulen und Kindergärten beteiligen sich. “Die Familien kaufen die blauen Rucksäcke und bestücken sie dann nach unserer Packliste mit den entsprechenden Gegenständen”, sagt Claudia Mickel-Fabian. "Die sind übrigens nicht aus Plastik, weil es vor Ort kein ausreichendes Recycling-System gibt."

Durch die Aktion kämen Familien im Kirchenbezirks in Kontakt mit dem Thema Armut und der Frage, wie andere Völker leben. “Diese Themen müssen präsent bleiben, damit es zu einem Miteinander kommt”, sagt die Betreuerin des Projekts.

Partnerschaft besteht seit fast 25 Jahren

Entstanden ist die Aktion aus der schon seit 1996 bestehenden Partnerschaft mit dem Kirchenkreis Meru in Tansania. Bei einem der regelmäßigen Besuche wurden der damalige Superintendent Reinhard Pappai und eine mitgereiste Lehrerin auf die Situation in den Schulen aufmerksam. “Die Kinder steckten sich die Stifte in die Haare und transportierten ihre Schulsachen in Plastiktüten, was gerade während der Regenzeit problematisch ist”, sagt Claudia Mickel-Fabian. Seitdem gibt es die soeben ausgezeichnete Rucksack-Aktion.

Der Rucksack ist für die Kinder in Tansania wie die Zuckertüte bei den deutschen Schulanfängern. “Das ist wie ein Willkommensgeschenk zum Schuleintritt. Es wird ein regelrechtes Freudenfest gefeiert, wenn die Kinder die Rucksäcke bekommen. Sie kommen auf dem Schulhof zusammen, und die Übergabe der Rucksäcke wird feierlich gestaltet”, erzählt Claudia Mickel-Fabian. Für sein Engagement erhält der Kirchenbezirk neben der Auszeichnung ein Preisgeld in Höhe von 5.000 Euro.

Der Sächsische Bürgerpreis wurde zum zehnten Mal verliehen. Mit dem Preis würdigt der Freistaat Sachsen Vereine, Initiativen, Institutionen oder Einzelpersonen, die mit ihrem Einsatz die Demokratie mit Leben erfüllen, anderen Menschen helfen und sich für Umwelt, Traditionen und eine lebendige Erinnerungskultur einsetzen. Gestiftet wird der Preis außerdem von der Stiftung Frauenkirche Dresden und der Kulturstiftung Dresden der Dresdner Bank. 

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