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„So feiern wir Corona-Weihnachten“

Das Fest fällt für viele Bautzener ungewohnt aus. DJ Zombic, Künstlerin Anja Herzog und Schauspieler Roman Knižka verraten ihre Variante.

DJ Zombic, Künstlerin Anja Herzog und Schauspieler Romas Knižka feiern in diesem Jahr anders Weihnachten als sonst. Sie sind nicht die einzigen.
DJ Zombic, Künstlerin Anja Herzog und Schauspieler Romas Knižka feiern in diesem Jahr anders Weihnachten als sonst. Sie sind nicht die einzigen. © Steffen Unger, Uwe Soeder, Tom Solo

Bautzen. Das Jahr 2020 war kein einfaches – da sind sich viele Bautzener einig. Auch Weihnachten muss angesichts der Pandemie für viele anders ausfallen als üblich: kleiner, ohne die ganze Familie. Aber was ist dieses Jahr wirklich anders? Und muss es deshalb ein trauriges Weihnachten werden? Sächsische.de hat sich umgehört.

Jana Schmück und Anne Dietrich vom Verein Tanzart in Kirschau:

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Die Veranstaltung findet am Mittwoch, dem 20. Januar 2021, in virtuellen Räumen statt.

Jana Schmück: „Nach größtmöglicher Selbstisolation in den letzten Tagen werden wir nur mit meinen Eltern gemeinsam Weihnachten feiern. Sonst haben wir den Heiligabend mit Freunden verbracht – in diesem Jahr werden wir das via Zoom machen, eine Bescherung machen wir als hybride Lotterie. Wir geben die Geschenke vorher kontaktlos ab und versehen sie mit Nummern. Die werden dann in unserer Liveschaltung gezogen und jeder muss singen oder ein Gedicht aufsagen“

Anne Dietrich: „Normalerweise bin ich seit 15 Jahren durch meine künstlerische Arbeit jeden Winter in Indien und verbringe dort Weihnachten. Dieses Jahr fällt es kleiner aus. Ich werde die Feiertage in meinen 63-Einwohner-Dorf Eulitz bei Nossen mit meinen lieben Eltern verbringen. Sehr besonders für mich! Ich finde die Idee einer Feuertonne im Garten und hierzu ein Heißgetränk sehr gut. So kann man sich wenigsten kurz, aber mit Sicherheit sehen, denn das Wohl der Menschen finde ich in dieser Zeit am Wichtigsten!“

Jana Schmück (l.) und Anne Dietrich vom Verein Tanzart in Kirschau haben beide kreative Ideen für ein Corona-konformes Weihnachtsfest.
Jana Schmück (l.) und Anne Dietrich vom Verein Tanzart in Kirschau haben beide kreative Ideen für ein Corona-konformes Weihnachtsfest. © SZ/Uwe Soeder

Reiner Rogowski, Geschäftsführer der Oberlausitz-Kliniken:

„Weihnachten 2020 werde ich anders verbringen als ich es traditionell in den letzten sechs Jahrzehnten getan habe. Ziel ist, mit meiner Frau, meinen Kindern und den beiden Enkeln, die bei uns im Haus leben, einen ruhigen Heiligabend zu verbringen. Der sonst obligatorische Kirchgang fällt aus. Ich bleibe in Rufbereitschaft für die Krankenhäuser Bautzen und Bischofswerda und für die Altenheime, soweit das notwendig ist. Ich ziehe meinen Hut vor den Kollegen, die über die Feiertage besonderes herausgefordert sind.“

60 Jahre lang anders gefeiert als in diesem Jahr hat Reiner Rogowski. Als Geschäftsführer der Oberlausitz-Kliniken bleibt er in Rufbereitschaft.
60 Jahre lang anders gefeiert als in diesem Jahr hat Reiner Rogowski. Als Geschäftsführer der Oberlausitz-Kliniken bleibt er in Rufbereitschaft. © SZ/Uwe Soeder

Schauspieler Roman Knižka, geboren in Bautzen, bekannt zum Beispiel aus dem Tatort:

„In diesem Jahr ist es nicht einfach, Geborgenheit, Besinnlichkeit und Vorfreude aufkommen zu lassen. Deshalb lassen wir uns auf den kanarischen Inseln ablenken. Sind wir zurück, begeben wir uns in Quarantäne und holen den Dresdner Stollen aus dem Eisfach. Ansonsten lerne ich viel mit meinen Söhnen von zuhause aus. Das macht ja auch die Eltern schlauer. Da lernt man zum Beispiel etwas über den Zusammenhang zwischen der Bereitschaft für soziale Distanzierungsmaßnahmen und der Wählerschaft einer bestimmten Partei. Als Bautzener muss ich mich da wundern.“

Der sorbische Schauspieler Roman Knižka feiert Weihnachten auf den Kanaren.
Der sorbische Schauspieler Roman Knižka feiert Weihnachten auf den Kanaren. © Tom Solo

Nick Ambrosius aus Kirschau, als DJ Zombic hat er über eine Million monatliche Hörer beim Streaming-Dienst Spotify:

„Ich verbringe Weihnachten ganz traditionell mit meinen Eltern und Geschwistern zuhause. Eigentlich gehen wir Heiligabend in die Kirche – das wird dieses Jahr nichts. Ich hoffe, dass sich alle an die Regeln halten, damit wir nächstes Jahr wieder wie gewohnt feiern können. Trotzdem: Für mich bedeutete das Corona-Jahr auch, dass ich meine musikalischen Erfolge ausbauen konnte. Die Leute hatten mehr Zeit, Musik zu hören – in der Statistik konnte ich das sehen.“

Der Kirschauer Nick Ambrosius ist als DJ Zombic bekannt - und feiert Weihnachten mit seinen Eltern und Geschwistern zuhause.
Der Kirschauer Nick Ambrosius ist als DJ Zombic bekannt - und feiert Weihnachten mit seinen Eltern und Geschwistern zuhause. © Steffen Unger

Christian Tiede, Pfarramtsleiter der Bautzener Kirchgemeinde St. Petri:

„Weihnachten stehen mehrere Christvespern auf meinem Programm. Wegen Corona werden es sogar mehr sein als sonst, denn in die Kirchen passen nur wenige Menschen. Vermissen werde ich das Singen der Weihnachtslieder und den Chor im Dom. Zu Hause feiern wir nur in der engsten Familie; die Besuche bei den Großeltern haben wir verschoben. Meinen Kindern habe ich versprochen, in den Weihnachtstagen eine Lasagne zuzubereiten - mit selbstgemachter Pasta. Dafür fehlt sonst die Zeit – aber in diesem Jahr ist sie mal da.“

Pfarrer Christian Tiede hat zu Weihnachten endlich Zeit, seinen Kindern eine Lasagne mit selbstgemachter Pasta zu kochen.
Pfarrer Christian Tiede hat zu Weihnachten endlich Zeit, seinen Kindern eine Lasagne mit selbstgemachter Pasta zu kochen. © SZ/Uwe Soeder

Anja Herzog, Künstlerin aus Bischofswerda:

„Ich feiere Weihnachten mit meiner Familie, wie jedes Jahr. Der anschließende Clubbesuch muss leider wegfallen. Das ist schade, weil man dort immer alte Schulfreunde getroffen hat. Freunde von mir haben sich aber etwas Nettes ausgedacht. Sie haben Loszettel vorbereitet und dadurch zufällig bestimmt, wer wen heimlich bewichtelt. Sie haben alle mit einer supersüßen Videobotschaft instruiert. Wir werden uns Heiligabend beim Auspacken filmen, sodass wir irgendwie aneinander denken und beisammensein können.“

Die Bischofswerdaer Künstlerin Anja Herzog wichtelt mit ihren Freunden - aber mit Abstand.
Die Bischofswerdaer Künstlerin Anja Herzog wichtelt mit ihren Freunden - aber mit Abstand. © SZ/Uwe Soeder

Sebastian Schindler, Musiker, macht bei der Kamenzer Stadtwerkstatt mit und ist Sprecher der Linken:

„Wir haben zuhause dieses Jahr schon früher geschmückt als sonst. Für uns als ausgesprochene Familienmenschen ist es schwer, dass wir dieses Jahr nicht wie gewohnt feiern können. Wir haben die Corona-Infektion gerade erst überstanden und müssen deshalb erst einmal keine große Angst mehr haben, dass wir unwissentlich unsere Lieben anstecken. Wir haben trotzdem alle versucht, die Schutzwoche vorher einzuhalten, und wer konnte, hat sich kurz vor dem Fest noch einmal testen lassen.“

Sebastian Schindler aus Kamenz hat gerade erst eine Corona-Infektion überstanden - trifft seine Familie aber nur mit besonderen Vorsichtsmaßnahmen.
Sebastian Schindler aus Kamenz hat gerade erst eine Corona-Infektion überstanden - trifft seine Familie aber nur mit besonderen Vorsichtsmaßnahmen. © René Plaul

René Kindermann, geboren in Bautzen, bekannt als Sportmoderator:

„Für uns wird Weihnachten in diesem Jahr eine ganz ruhige Angelegenheit. Mein zauberhafte Frau Katja, ich und unsere Hunde werden zu Hause auf dem neuen Sofa Märchen- und Winnetoufilme schauen – den ganzen Tag. Dazu gibt es dann am Abend das Weihnachtsessen meiner Großmutter aus Mücka, das ist bei uns in der Familie eine große Tradition. Davon abgesehen werden wir es mit Skype versuchen. Denn zu meinen Eltern nach Niesky werden wir dieses Jahr leider nicht fahren – sie haben dafür aber zum Glück Verständnis.“

Zu seiner Familie nach Niesky fährt Sportmoderator René Kindermann in diesem Jahr nicht.
Zu seiner Familie nach Niesky fährt Sportmoderator René Kindermann in diesem Jahr nicht. © Sven Ellger

Maik Petzold aus Bautzen, bis letztes Jahr international erfolgreicher Triathlet, jetzt Botschafter für die Oberlausitz:

„Unser Weihnachtsfest in diesem Jahr wird besonders gemütlich; es wird kleiner ausfallen als üblich. Wir feiern nur vereinzelt mit anderen Familienmitgliedern; und nur unter der Prämisse, dass alle wohlauf sind. Wir treffen unsere Geschwister höchstens einzeln, anstatt dass wir alle zusammenkommen. Was leider auch ausfällt, ist unser traditioneller Weihnachtslauf am 24. Dezember. Ähnlich ist es mit dem Neujahrslauf – da haben wir uns aber eine Corona-konforme Alternative überlegt.“

Triathlet Maik Petzold feiert in diesem Jahr in kleinerem Rahmen als üblich und trifft sich nur in kleinen Gruppen mit der Familie.
Triathlet Maik Petzold feiert in diesem Jahr in kleinerem Rahmen als üblich und trifft sich nur in kleinen Gruppen mit der Familie. © Carmen Schumann

Jonas Löschau von Fridays for Future und jüngster Stadtrat in Bautzen:

„Wir feiern immer im großen Rahmen bei meiner Oma; das werden dann oft 20 bis 30 Leute. In diesem Jahr geht das natürlich nicht. Wir feiern nur im engsten Kreis – mit meinen Eltern und meiner Schwester mit ihrer Familie. Das ist schade. Aber man kann darin auch eine Chance sehen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Vor allem, weil wir uns dadurch vom Geschenkewahn abwenden. Die unnötigen Muss-ja-sein-Geschenke fallen weg; stattdessen freuen wir uns, dass wir gesund sind.“

Konzentration auf das Wesentliche und weniger Geschenke - das bedeutet dieses Weihnachtsfest für Jonas Löschau.
Konzentration auf das Wesentliche und weniger Geschenke - das bedeutet dieses Weihnachtsfest für Jonas Löschau. © Fotostudio Hinz & Kunst

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