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Bautzen

Sorbischer Arbeitskreis ist gegen Bismarck-Denkmal

Die Stadt Bautzen will auf dem Czorneboh ein Bismarck-Denkmal errichten. Jetzt gab der sorbische Arbeitskreis dazu eine Empfehlung ab - nicht ohne Debatte.

Die Stadt Bautzen will auf dem Czorneboh im Stadtwald ein Bismarck-Denkmal wieder errichten. Vonseiten der Sorben gibt es daran scharfe Kritik.
Die Stadt Bautzen will auf dem Czorneboh im Stadtwald ein Bismarck-Denkmal wieder errichten. Vonseiten der Sorben gibt es daran scharfe Kritik. © SZ/Uwe Soeder, privat

Bautzen. Der sorbische Arbeitskreis der Stadt Bautzen empfiehlt dem Stadtrat, den Beschluss, das Bismarck-Denkmal auf dem Czorneboh wieder zu errichten, aufzuheben. Vier Mitglieder stimmten am Mittwochabend für die Empfehlung. Der Bautzener Oberbürgermeister Alexander Ahrens (SPD) und Tobias Schilling von der CDU enthielten sich, AfD-Stadtrat Paul Neumann votierte gegen die Empfehlung.

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Vorangegangen war eine Diskussion der Mitglieder des Ausschusses. So hatte Andrea Kubank von den Linken erklärt, hinter der Kritik des Sorbischen Instituts zu stehen. Dieses hatte sich schnell, nachdem der Beschluss der Stadt bekannt wurde, zu Wort gemeldet – und die Entscheidung, das Denkmal aufzubauen, als geschichtsvergessen bezeichnet. Die Errichtung des Denkmals passe nicht zum Bild einer demokratischen und weltoffenen Gesellschaft. Auch aus sorbischer Sicht seien die Pläne kritisch zu sehen; schließlich habe sich Bismarcks Politik gegen Minderheiten wie die Sorben gerichtet.

Linken-Stadträtin befürchtet Bismarck-Kult

„Ein solches Denkmal würde nur zu einem neuen Bismarck-Kult führen“, sorgte sich Andrea Kubank im sorbischen Arbeitskreis. Eine Tafel, die an dem Denkmal montiert werden könnte und die kritischen Inhalte beleuchten könne, genüge keineswegs. Auch Benjamin Wirth, Sprecher des Arbeitskreises, erklärte, dass das Denkmal aus sorbischer Sicht kritisch zu sehen sei.

Anders sah das Paul Neumann von der AfD, der auch für sein Engagement bei der rechtsextremen Gruppierung „Identitäre Bewegung“ bekannt ist. Neumann hatte erklärt, einen „sorbischen Patrioten“ zu kennen, der zwar auch die Germanisierung der Sorben unter Bismarck kritisiert habe. Allerdings habe dieser Sorbe Neumann zugestimmt, dass man Bismarck auch positiv gegenüberstehen könne. Aus Neumanns Sicht habe ein positiver Gedanke hinter dem Kaiserreich und der Person Bismarcks gestanden.

OB: "Bismarck-Debatte nicht nur in Schulen führen"

Auch der Bautzener Oberbürgermeister trug Argumente für das Denkmal vor. So habe Bismarck zum Beispiel das Reichsimpfgesetz durchgesetzt und so eine Impfpflicht eingeführt. Alexander Ahrens sei dafür, dass die Debatte um Bismarck nicht nur in den Schulen – sondern auch durch das Denkmal geführt wird.

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