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Kleines Dorf mit besonderem Rastplatz

Bücherzelle, W-Lan-Hotspot, Spielgeräte - der Heimatverein Spreewiese hat einen Treffpunkt geschaffen, der seinesgleichen sucht.

Von Uwe Menschner
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Alexander Golchert, der Vorsitzende des Heimatvereins Spreewiese, ist stolz auf den Treffpunkt, den Mitglieder und Unterstützer im Zentrum des Ortes geschaffen haben. In diesem Jahr kam eine Infotafel hinzu.
Alexander Golchert, der Vorsitzende des Heimatvereins Spreewiese, ist stolz auf den Treffpunkt, den Mitglieder und Unterstützer im Zentrum des Ortes geschaffen haben. In diesem Jahr kam eine Infotafel hinzu. © Uwe Menschner

Spreewiese. Wanderer, egal ob zu Fuß oder mit dem Rad, die durch Spreewiese kommen, sollten ein wenig mehr Zeit einplanen. In dem kleinen, am Seeadler- und am Froschradweg gelegenen Ortsteil der Gemeinde Großdubrau finden sie einen Rastplatz, auf dem man nicht einfach nur sitzen und sein Proviant verzehren kann. Nein, hier haben Besucher die Möglichkeit, noch viel mehr zu erleben und mit etwas Glück auch mit den Einheimischen ins Gespräch zu kommen. Zum Beispiel mit Alexander Golchert.

Der Vorsitzende des Heimatvereins Spreewiese kann sich ebenso wie alle Mitglieder freuen, dass der Treffpunkt in der Ortsmitte im zurückliegenden Jahr wieder ein Stück attraktiver und schöner geworden ist. „Dieser Platz ist so konzipiert, dass er sowohl für die Einwohner unseres Dorfes als auch für Durchfahrende etwas bietet“, erklärt er. In diesem Sinne hat der Heimatverein in diesem Jahr eine Informationstafel aufgestellt, auf der man viel Wissenswertes über Spreewiese und seine reizvolle Umgebung erfahren kann.

Infotafel wurde mit einem Sonderpreis ausgezeichnet

Diese Tafel wurde in deutscher und sorbischer Sprache gestaltet und erhielt dafür einen Sonderpreis in der Kategorie „Gelebte Zweisprachigkeit“ des sächsischen Mitmachfonds. Wie in vielen kleinen Orten des evangelisch geprägten sorbischen Siedlungsgebietes, so wird auch in Spreewiese nur noch vereinzelt sorbisch gesprochen. Für die Übersetzung bat der Heimatverein das in Bautzen ansässige Sorbische Institut um Hilfe, „doch auch eine rüstige Seniorin aus dem Ort, die sorbisch spricht, hat dazu beigetragen“, berichtet Alexander Golchert. Er selbst hat erfahren, dass sorbisch eine „sehr komplexe und lernenswerte Sprache ist.“

Für die auf der Tafel zusammengetragenen Informationen hat der Heimatverein ebenfalls ältere Spreewieser befragt. Und so bekommen die hier Station machenden Radtouristen vermittelt, dass das Schloss zwar die Hauptattraktion von Spreewiese ist, es hier aber noch viel mehr Sehens- und Erlebenswertes gibt. Auch die eigenen Aktivitäten und Traditionen stellt der Heimatverein auf der Tafel vor, wie das Hexenbrennen, das die wichtigste Einnahmequelle für die Vereinskasse bildet und in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal ausfallen musste.

Kinder können sich auf Reck und Wippe austoben

„Die auf der Tafel gezeigten Bilder hat uns dankenswerterweise der bekannte Bautzener Fotograf Jürgen Matschie zur Verfügung gestellt, der aus Spreewiese stammt“, so Alexander Golchert. Die dritte Seite der Tafel nimmt eine sehr anschaulich und farbenfroh gestaltete Karte der Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft ein.

Die zweisprachige Informationstafel ist aber nur eine von mehreren neuen Errungenschaften des Rast- und Begegnungsplatzes. Die zweite Neuerung lockt verstärkt die Dorfjugend an – ein öffentlicher WLAN-Hotspot. „Das ist auch praktisch für Radfahrer, die gern digitale Karten nutzen“, weiß der Vorsitzende des Heimatvereins. Über den Winter wird der Netzzugang allerdings abgeschaltet und geht im Frühjahr wieder in Betrieb. Die Finanzierung erfolgte in diesem Fall über die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt mit Sitz in Neustrelitz in Mecklenburg-Vorpommern).

Schließlich entstanden in diesem Jahr das Reck und die Tier-Wippe neu, um auch den jüngsten Besuchern des Platzes etwas zu bieten. „In Spreewiese gibt es wieder für so ein kleines Dorf sehr viele Kinder. Überhaupt stehen hier nur zwei Grundstücke leer“, freut sich Alexander Golchert.

Radwanderer decken sich mit Lesestoff ein

Apropos kleines Dorf: Spreewiese hat etwa 130 Einwohner, der Heimatverein 35 Mitglieder. Eine schier unglaubliche Quote. Jedoch: „Die Mitglieder wohnen nicht alle hier. Jeder von ihnen hat aber eine Beziehung zu Spreewiese.“ An der Gestaltung des zentralen Treffpunktes beteiligten sich viele Spreewieser. Nur so konnte es gelingen, dass dieses umfangreiche Gesamtprojekt in fünf Jahren verwirklicht wurde.

Den Anfang machten der Boccia-Platz und der gut gepflegte, von der Jugend gern genutzte Sportplatz. 2017 kam die Bücherbox hinzu – eine ausgediente Telefonzelle, die zu einer Art Bibliothek umfunktioniert wurde. Heute gibt es so etwas in vielen Dörfern. „Wir wurden oft nach unseren Erfahrungen befragt“, erinnert sich Alexander Golchert. Zu diesen Erfahrungen gehört, dass „ständig für Nachschub gesorgt werden muss. Die Radwanderer decken sich gern gleich mit mehreren Büchern ein.“

Photovoltaik erzeugt Strom für E-Bike-Tankstelle

Auch die Schutzhütte hat in den Nachbardörfern für viel Interesse gesorgt. Ein nettes Accessoire stellt das ausgediente Postfahrrad dar, das auf die Bücherbox hinweist und gleichzeitig dezent darauf aufmerksam macht, dass die Deutsche Post bei der Bepflanzung des Platzes half. Den Strom für die E-Bike-Tankstelle erzeugt eine Photovoltaikanlage auf dem Dach der Hütte.

Den Platz für den Treffpunkt hat der Heimatverein von der Gemeinde Großdubrau gepachtet, die auch den Aufbau der Schutzhütte unterstützte. Die Gestaltung des Platzes ist nunmehr abgeschlossen, der Wert liegt laut Alexander Golchert deutlich im fünfstelligen Bereich. „Wir geben unsere Erfahrungen gern weiter. Was die Spreewieser können, können auch andere“, betont der Vereinsvorsitzende.