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Wer steckt hinter der Explosion?

In der Silvesternacht 2017/18 wurde in Neukirch mit Böllern ein Stromkasten gesprengt. Vor Gericht in Bautzen gab's jetzt eine überraschende Wendung.

Ein Mann aus Neukirch muss sich derzeit in Bautzen vor Gericht verantworten. Ihm wird vorgeworfen, einen Verteilerkasten gesprengt zu haben.
Ein Mann aus Neukirch muss sich derzeit in Bautzen vor Gericht verantworten. Ihm wird vorgeworfen, einen Verteilerkasten gesprengt zu haben. © SZ/Theresa Hellwig

Bautzen. „Ich war’s.“ – Zwei Worte, die im Gericht doch hin und wieder mal zu hören sind. Ein Geständnis eben, die vorgeworfene Tat wirklich begangen zu haben. Auch am Dienstag im Schöffengericht des Bautzener Amtsgerichts sind diese Worte gefallen. Das Besondere daran: Gesagt hat sie nicht der Angeklagte.

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Aber von vorn. Gleich einer Reihe von Vorwürfen musste sich ein 35-Jähriger aus Neukirch/Lausitz stellen. Vier Anklagen trägt der Staatsanwalt ihm am Dienstag vor. So soll der Mann in der Silvesternacht zum Jahr 2018 Böller auf einen Stromverteilerkasten in Neukirch gelegt – und ihn auf diese Weise gesprengt haben. Viele Haushalte in der Umgebung waren daraufhin stromlos. Der Tatvorwurf: Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion. Kein geringfügiger Vorwurf; das Strafgesetzbuch wertet das als Verbrechen mit einem Mindeststrafmaß von einem Jahr Freiheitsstrafe.

Mit zwei Gramm Crystal über die Grenze

Aber dem Mann wird noch mehr vorgeworfen. Er soll sich auf zwei kostenpflichtigen Dating-Portalen angemeldet und dort ein Nacktfoto eingestellt haben. Jedoch unter fremdem Namen. Auch für die Bezahlung soll er ein fremdes Konto angegeben haben.

Ähnlich eine ganze Liste weiterer Vorwürfe: Immer wieder soll der Mann Überweisungen von fremden Konten auf seins ausgelöst haben, die Zahlungen scheiterten allerdings. In einigen Fällen, weil die Konten nicht mehr existierten – in anderen, weil die Bank stutzig wurde. Zweimal soll er es dabei über das Konto der Kirchgemeinde Steinigtwolmsdorf versucht haben. All diese Taten sind angeklagt als Betrug.

Außerdem soll der Mann knapp zwei Gramm Crystal zu Fuß über die Grenze gebracht haben; als er Zollbeamte entdeckte, soll er den Stoff in ein Waldstück geworfen haben. Und ihm wird vorgeworfen, vom Parkplatz eines Einkaufsmarktes in Neukirch im Mai 2020 am helllichten Tag ein Moped gestohlen zu haben und damit weggefahren zu sein.

Der Angeklagte gesteht die meisten Taten

Nicht zum ersten Mal betritt der 35-Jährige am Dienstag das Gericht. Hereingeführt wird er an Handschellen; derzeit verbüßt er eine Haftstrafe wegen Diebstahls und Diebstahls mit Waffen. Dass sich sein Aufenthalt in der JVA noch ein bisschen verlängern könnte, macht ihm der Richter früh klar. Aber: Ein umfangreiches Geständnis könne das Ganze für ihn günstiger aussehen lassen.

Und so legt der Angeklagte auch mit einem Geständnis los. Die versuchten Überweisungen von fremden Konten auf seins, das mit dem Dating-Portal, die geschmuggelten Drogen – das sei alles wirklich so passiert. Die Leute, von deren Konten er die Überweisungen machen wollte, habe er nicht persönlich gekannt. Sogar Details gibt er preis: Er habe als Maler in der Kirchgemeinde gearbeitet – und dort die Kontodaten auf einer Festplatte entdeckt.

Der Angeklagte gesteht vieles – aber eben nicht alles. Das Moped habe er nicht geklaut, sagt er. Er sei dort zwar zum Einkaufen gewesen, aber er habe nichts mit dem Diebstahl zu tun. Und: Bei der Sache mit dem Stromverteilerkasten sei er zwar dabei gewesen, aber er habe das nicht getan. Ein Kumpel habe die Böller auf den Stromkasten gelegt und angezündet. Dass diese so eine heftige Explosion auslösen könnten, sei ihnen nicht bewusst gewesen.

Ein Zeuge belastet sich selbst

Jener Kumpel jedenfalls ist am Dienstag vor Gericht als Zeuge geladen. Und von ihm stammen auch jene zwei entscheidenden Worte: „Ich war’s.“ Eine Zeugenaussage, die auch den Vorsitzenden Richter des Schöffengerichts verblüfft: „Solche Fälle haben wir selten“, sagt er. Denn mit der Aussage belastet sich der Zeuge selbst; er wird nun ebenfalls Post vom Gericht bekommen. „Ich weiß das, aber es soll ja keiner für was büßen, was ich getan habe“, sagt er.

Wie das Gericht die Aussage wertet, ist indes noch ungewiss. Denn parallel gibt es immer noch die Zeugenaussage eines Nachbarn, der behauptet, er sei sicher, etwas Anderes gesehen zu haben. Nämlich, wie der Angeklagte die Böller abgelegt – und gezündet habe.

In der kommenden Woche soll der Prozess fortgesetzt werden. Dann wird es auch noch um die Sache mit dem gestohlenen Moped gehen.

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