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Stalking-Prozess: Videos zeichneten Taten auf

Am dritten Prozesstag in Bautzen kam noch einmal die Ex-Freundin des Angeklagten zu Wort. Abgespielt wurde auch die Aufnahme eines ihrer Notrufe.

Ein Bautzener Autohändler muss sich momentan wegen Nachstellung vor Gericht verantworten.
Ein Bautzener Autohändler muss sich momentan wegen Nachstellung vor Gericht verantworten. © Lausitznews

Bautzen. Im Stalking-Prozess, der derzeit am Bautzener Amtsgericht geführt wird, hatte der Angeklagte schon zu Beginn des Prozesses immer wieder Videobeweise gefordert – an diesem dritten Prozesstag sind nun Video- und Tonaufnahmen abgespielt worden. Aufgenommen worden sind die unter anderem von einer Wildkamera und bei Notruf-Gesprächen mit der Polizei.

Seit Anfang des Monats muss sich der 40-Järige Josef A., ein Autohändler aus Bautzen, unter anderem wegen Nachstellung vor Gericht verantworten. Er soll seine Ex-Freundin kontaktiert und sie besucht haben, obwohl ihm das vom Gericht verboten worden ist. Mehrfach soll der Mann der Frau aufgelauert und sie angegriffen und sie so sehr verprügelt haben, dass sie ins Krankenhaus musste. Der Mann ist wegen Körperverletzung in mehreren Fällen angeklagt.

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Wildkamera zeichnete die Tat auf

Vor Gericht ist an diesem Freitag noch einmal das Opfer, also die Ex-Freundin und in dem Prozess Nebenklägerin Alice Hartmann aus Neukirch, vernommen worden. Auch Videos hat sich das Gericht angesehen. So hatte eine Wildkamera, die auf einer Fensterbank abgestellt war, ausgelöst, als der Mann die Frau angegriffen haben soll. Die schwarz-weiß-Aufnahmen sind unscharf und dunkel, aber laut ist zu hören, wie die Frau im Video „Au!“ ruft. Auch am vorherigen Prozesstag sind ähnliche Aufnahmen abgespielt worden.

Schwer zu ertragen ist der Mitschnitt eines Notrufes, den das Gericht am Freitag ebenfalls anhörte. Alice Hartmann hatte die Polizei gerufen, weil der Angeklagte an einem Samstag im August 2018 zum wiederholten Male bei ihr am Haus vorbeifuhr. „Das hat er immer wieder samstags gemacht, manchmal hat er auch Leute platziert, die mich beobachten“, erklärt Alice Hartmann vor Gericht. In dem Mitschnitt ist zu hören, wie sie dem Polizisten erklärt, dass der Angeklagte trotz der Gewaltschutzanordnung bei ihr aufgetaucht ist.

Angeklagter soll gerufen haben: "Ich töte dich!"

In jenem Moment fährt er wieder vor, im Hintergrund ist seine Stimme zu hören. Alice Hartmann wiederholt für den Polizisten mit ihren Worten, was er tut – anhalten und aussteigen – und was er sagt. Nämlich: „Ich töte dich, wenn du heute rausgehst“. Sie rufe täglich bei der Polizei an, erzählt sie. Dann sagt sie: „Wenn das jetzt nicht reicht, dann weiß ich auch nicht.“ Sie seufzt, klingt kraftlos.

Es sei der erste Tag gewesen, an dem die Polizei den Angeklagten tatsächlich in Gewahrsam nahm – allerdings nur für eine Nacht.

In der kommenden Woche werden weitere Zeugen vernommen.

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