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Bautzen: Steckt die Sparkasse in der Krise?

Erstmals schüttet die Kreissparkasse kein Geld an den Landkreis aus. Vorstand Dirk Albers sagt, woran das liegt - und ob Anleger nun um ihr Geld fürchten müssen.

Steckt die Kreissparkasse Bautzen in der Krise? Dazu sprach Sächsische.de mit Vorstand Dirk Albers.
Steckt die Kreissparkasse Bautzen in der Krise? Dazu sprach Sächsische.de mit Vorstand Dirk Albers. © Archivfoto: SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Die Mitteilung ließ aufhorchen: In der jüngsten Sitzung des Kreistages informierte Landrat Michael Harig (CDU) darüber, dass der Landkreis Bautzen für das Jahr 2019 keine Ausschüttung von der Kreissparkasse erhält. Zuvor hatte das Geldinstitut von seinem Gewinn jedes Jahr Geld - meist eine halbe Million Euro - an den Kreis überwiesen. Geht es der Sparkasse also plötzlich schlecht? Sächsische.de sprach dazu mit Vorstand Dirk Albers.

Herr Albers, steckt die Kreissparkasse in einer Krise?

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Keineswegs! Die Kreissparkasse Bautzen hat als eine der wenigen deutschen Sparkassen bis zum Jahr 2019 regelmäßige und verlässliche Ausschüttungen an den Träger, bei uns also den Landkreis, vorgenommen. Allerdings war 2020 dann ein besonderes Jahr, geprägt durch die Corona-Pandemie. Vor dem Hintergrund der Pandemie hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, die Bafin, allen Kreditinstituten dringend empfohlen, keinerlei Gewinnauschüttungen vorzunehmen. Dies liegt daran, dass die Bafin pandemiebedingt größere Kreditausfälle befürchtete. Diese hätten dann die Eigenkapitalsituation der Kreditinstitute belasten können.

Also: Mehr Geld in die eigene Reserve, keins mehr in die Ausschüttung?

Ja. In den letzten Jahren steigen seitens der Bafin die Anforderungen an das notwendige Eigenkapital der Kreditinstitute ständig an. Auch vor diesem Hintergrund ist es sinnvoll, die Reserven der Kreissparkasse weiter zu stärken. Dieser Sichtweise ist der Verwaltungsrat gefolgt und hat dem Kreistag empfohlen, für das Geschäftsjahr 2019 keine Ausschüttung vorzunehmen. Der Kreistag ist dieser Empfehlung einstimmig gefolgt. Ergänzend kann ich aber sagen, dass die Kreissparkasse auch im Corona-Jahr 2020 weiterhin im bisherigen Umfang ihr Spenden- und Sponsoringvolumen aufrecht erhalten hat.

Konkret gefragt: Sind die Spareinlagen sicher?

Ja, die Einlagen sind absolut sicher. Sie sind auch durch das Sicherungssystem der Sparkassen-Finanzgruppe geschützt.

Welche Anlageformen sind bei den Kunden der Kreissparkasse besonders beliebt?

Es sind besonders Einlagen beliebt, mit denen sich noch eine ordentliche Rendite erwirtschaften lässt. Hier sind vor allem Wertpapiere zu nennen, aber auch Versicherungsprodukte, die eine Teilhabe an positiven Aktienmarkt-Veränderungen ermöglichen, negative aber ausschließen. Je nach Risikoneigung unserer Kunden haben wir das richtige Produkt. Hier unterstützt uns unser dichtes Filialnetz bei der persönlichen Beratung der Kunden direkt vor Ort.

Liegt Bautzen damit im Trend, oder weichen die hiesigen Anlagen von den bundesweit üblichen ab?

Wir liegen hier genau im bundesdeutschen Trend, da für alle Kunden die Zins-Rahmenbedingungen identisch sind.

Das „gute alte Sparbuch“ bringt kaum noch Zinsen. Welche Alternative können Sie empfehlen?

Es ist wirklich ein Jammer, dass sich das gute alte rote Sparkassenbuch nicht mehr zum Sparen eignet. Auch andere beliebte Produkte wie das Tagesgeld- oder Geldmarktkonto bieten wir nicht mehr an, weil damit die Vermögensbildung nicht mehr erreicht werden kann. Wir empfehlen immer, gut zu streuen, um nicht auszurutschen. Das gilt nicht nur für den Winter, sondern auch für den Vermögensaufbau: maximal drei bis fünf Monatsgehälter als Liquiditätsreserve und für die Altersvorsorge einen Teil in langlaufende Festzinsprodukte und weitere Teile in Aktienfonds und Immobilien, auch in Kombination mit Versicherungsprodukten. Wie genau die Teile sich zusammensetzen, hängt vom jeweiligen Kunden ab, da es sehr individuell ist. Daher stimmen wir dies mit unseren Kunden in persönlichen Beratungsgesprächen ab.

Mehrere Geldinstitute verlangen von ihren Kunden inzwischen Negativ-Zinsen. Was hat es damit überhaupt auf sich?

Die Europäische Zentralbank (EZB) möchte die Kerninflationsrate in der EU auf zwei Prozent heben. Dazu muss die Nachfrage angekurbelt werden, sprich, die Unternehmen und Privatpersonen sollen das Geld nicht parken, sondern investieren. Deshalb bestraft die EZB die Kunden, die das Geld "nur" parken, indem sie auf die Einlagen einen Strafzins von aktuell minus 0,5 Prozent erhebt. Diese Methode hat Einfluss auf den Zinssatz für kurzfristige Einlagen im gesamten Markt. Sichere Anlagen mit Laufzeiten bis zeitweise zehn Jahre werden nur noch mit einer negativen Rendite angeboten. Dem kann sich kein Marktteilnehmer entziehen.

Wird auch die Kreissparkasse Bautzen Negativ-Zinsen verlangen?

Wir haben schon 2017 damit begonnen, mit gewerblichen und kommunalen Kunden Vereinbarungen zu treffen, in welchem Rahmen Einlagen bei uns geparkt werden können, bevor ein Verwahrentgelt berechnet wird. Diese Vereinbarungen gibt es seit 2020 auch mit privaten Neukunden. Bis zum Jahresende werden auch wir mit den Bestandskunden persönlich und individuell über dieses Thema sprechen, da führt kein Weg mehr daran vorbei. Dennoch glauben wir, dass der allergrößte Teil unserer Kunden kein Verwahrentgelt bezahlen wird.

Warum nicht?

Weil wir für kurzfristig benötigte Liquidität einen Freibetrag einräumen und für darüber hinausgehende Einlagen andere Produkte anbieten, die sogar noch eine ansprechende Rendite abwerfen. Das Parken von Geldern auf Girokonten bringt keine Rendite für unsere Kunden. Somit erzielen beide - Kunden und Sparkasse - einen Vorteil: Unseren Kunden zeigen wir Wege für eine Anlage mit positiver Rendite auf, und die Kreissparkasse kann das Bilanzsummenwachstum reduzieren, was aktuell ebenfalls belastend wirkt. Je mehr Einlagen wir auf der einen Bilanzseite von unseren Kunden erhalten, desto mehr Eigenkapital brauchen wir auf der anderen Bilanzseite, um unsere Geschäfte gegenüber der Bafin abzusichern.

Im vergangenen Jahr hatte die Kreissparkasse wegen Corona die Stundung von Krediten angeboten. Wie viele Kunden haben davon Gebraucht gemacht?

Wir haben im Jahr 2020 bei 236 Privatkonten und 255 gewerblichen Konten schnell und flexibel Tilgungsaussetzungen vereinbart.

Hat sich das Kreditgeschäft inzwischen wieder stabilisiert?

Auch im Jahr 2020 konnten wir keinen Einbruch im Kreditgeschäft feststellen. Im Gegenteil: Im Vergleich zum Vorjahr konnte der Trend der letzten Jahre von einem stetig steigenden Kreditvolumen weiter fortgesetzt werden. Dies zeigt sich auch in diesem Jahr. Besonders hoch ist die Nachfrage nach Finanzierungen für Wohnimmobilen - trotz der aktuell teilweise deutlich gestiegenen Preise für Baustoffe.

Wie wird sich das Filialnetz der Kreissparkasse entwickeln?

Wir überprüfen regelmäßig unser Filialnetz, achten dabei in erster Linie auf das Nachfrageverhalten unserer Kunden. Ich sage immer: Über das Filialnetz entscheiden letztendlich unsere Kunden. Aufgrund dessen haben wir im Januar 2021 zwei kleine Filialen mit anderen zusammengelegt, da sie von unseren Kunden in den letzten Jahren immer weniger genutzt wurden. Dies waren übrigens die ersten Änderungen im Filialnetz seit über acht Jahren.

Mit unseren verbliebenen Filialen wollen wir in den nächsten Jahren nahe an unseren Kunden bleiben, weil wir spüren, dass der Bedarf nach persönlicher Beratung weiterhin sehr hoch ist. Bei Serviceleistungen geht der Trend immer mehr zum Online-Banking. Weiterhin gehen auch wir selbstverständlich immer weiter den Weg der Digitalisierung, so haben wir im Frühjahr in zwei Filialen den digitalen Videoservice eingeführt. Dieses Angebot werden wir in der nächsten Zeit in weiteren Filialen zur Verfügung stellen.

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