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Viele Ost-Chefs im Landkreis Bautzen

Bundesweit kommen nur zwei Prozent der Führungskräfte aus Ostdeutschland. In Chefzimmern im Kreis Bautzen ist das anders - mit Ausnahme eines Bereichs.

Ost-Chefs sind im Landkreis Bautzen gar nicht so selten: So leitet der Sachse Olaf Schmiedel (ganz links im Bild) das Bautzener Bombardier-Werk. Im Dezember 2019 drückte er mit auf den Startknopf für ein neues Testzentrum des Konzerns.
Ost-Chefs sind im Landkreis Bautzen gar nicht so selten: So leitet der Sachse Olaf Schmiedel (ganz links im Bild) das Bautzener Bombardier-Werk. Im Dezember 2019 drückte er mit auf den Startknopf für ein neues Testzentrum des Konzerns. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Knapp jeder fünfte Deutsche kommt aus einem Ost-Bundesland. Aber auch 30 Jahre nach der Wiedervereinigung sind kaum Ostdeutsche in Chefetagen zu finden. Gerade einmal knapp zwei Prozent der Führungsposten sind nach Angaben des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung mit Ostdeutschen besetzt.

Anders im Landkreis Bautzen, mit Ausnahme eines Bereichs. Zunächst ein Blick in die Politik: Landrat Michael Harig und sein Stellvertreter Udo Witschas (beide CDU) sind gebürtige Oberlausitzer. Die zweite Beigeordnete Birgit Weber (parteilos) stammt aus dem nordrhein-westfälischen Herford, ist aber seit 1995 in Sachsen tätig und fühlt sich längst hier zu Hause.

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Der Osten dominiert in Rathäusern

In den Chefzimmern der Rathäuser sitzen fast ausschließlich Frauen und Männer aus der Region - mit zwei Ausnahmen: Bautzens Oberbürgermeister Alexander Ahrens wurde in Westberlin groß, das Radeberger Stadtoberhaupt Gerhard Lemm (beide SPD) in Mönchengladbach. Beide leben schon länger in der Region - Ahrens seit 2008, Lemm schon seit 1990.

Auch wer in der Wirtschaft Chefs mit Ost-Biografie sucht, wird im Kreis Bautzen schnell fündig. Zum Beispiel im Bautzener Bombardier-Werk. Werkleiter Olaf Schmiedel ist in Dresden aufgewachsen, war bei Bombardier in Bautzen erst Abteilungsleiter, dann Leiter der Fertigung, seit 2015 steht er an der Spitze des Werkes. Seit August dieses Jahres führt er zudem das operative Geschäft der gesamten Region Zentraleuropa, Osteuropa und Israel.

Viele Betriebe aus DDR-Zeiten kamen nach 1990 in westdeutsche Hände, und die neuen Inhaber besorgten auch die Geschäftsführung. So geschehen zum Beispiel beim Ausrüstungsbauer AFT Automatisierungs- und Fördertechnik. Die Zentrale im baden-württembergischen Schopfheim schickte Ulrich Meloh als Chef ins Bautzener AFT-Werk. Nach dessen Weggang leitet seit 2012 mit Peter Süßmilch ein geborener Bautzener den Betrieb, in dem er sein ganzes bisheriges Arbeitsleben verbrachte.

Auch das Bautzner Senfwerk hat mit Michael Bischof einen einheimischen Chef, die Geschäftsführer sitzen allerdings in der Zentrale der Mutterfirma Develey in Unterhaching bei München.

Ehemalige Leiter führten DDR-Betriebe fort

Oft ergibt es sich aus der Geschichte eines Unternehmens, wer auf dem Chefsessel sitzt. Zum Beispiel Sachsenfahnen in Kamenz: Jürgen Ruhland war vorher Werkleiter bei Bandtex in Pulsnitz, ehe er am 1. Oktober 1990 sein eigenes Unternehmen in Kamenz gründete und dort nach wie vor an der Spitze steht. In Bischofswerda entschloss sich seinerzeit Werner Scholze, den von ihm geleiteten VEB Plastverarbeitung unter dem Namen Schoplast Plastic weiterzuführen.

Bis 1924 zurück reicht die Geschichte des Lebensmittelherstellers Komet in Großpostwitz. Auch nach der Verstaatlichung 1972 blieb der bisherige Chef Gerolf Pöhle Werkleiter, der 1990 aus Komet wieder einen Privatbetrieb machte. Heute leitet sein Sohn Gunter Pöhle das Unternehmen.   

Bei Firmen ohne Vorgeschichte entscheiden die Investoren über die Besetzung der Chefstelle. Beim Autokompressorenwerk TDDK in Straßgräbchen, einer Tochterfirma des japanischen Toyota-Konzerns, hat mit Kazushige Murao auch ein Mann aus dem Land der aufgehenden Sonne die Geschäftsführung inne. In Kamenz betreibt der Autobauer Daimler seine Batterie-Tochter Deutsche Accumotive - Geschäftsführer ist Erhard Schletterer aus Ostfildern bei Stuttgart. Neu entstand in Bautzen das Kunststoffwerk Neuteichnitz Baier. Hier hat Marc G. Baier als Geschäftsführender Gesellschafter das Sagen, Sohn des Firmengründers aus Marbach am Neckar.

Eng mit der regionalen Wirtschaft verzahnt ist die Staatliche Studienakademie. Deren Bautzener Teil leitet seit 2013 die gebürtige Görlitzerin Barbara Wuttke.

Richter brachten West-Erfahrung mit

West-dominiert ist jedoch weiterhin der Justiz-Bereich. Hier stehen Männer an der Spitze, die mit dem bundesdeutschen Rechtssystem groß geworden sind. Wie Erich Künzler aus Baden-Württemberg, den 1996 der Ruf aus Sachsen erreichte. Seitdem spricht er in Bautzen Recht am Sächsischen Oberverwaltungsgericht - seit 2007 als Präsident.

Der Präsident des Landgerichts Görlitz, zu dem auch eine Außenkammer in Bautzen sowie alle Amtsgerichte in der Oberlausitz gehören, heißt Friedrich-Leopold Graf zu Stolberg Stolberg. Der gebürtige Salzburger arbeitet seit 1991 ununterbrochen in Sachsen. Auch Andreas Rodemers, Direktor des Arbeitsgerichts Bautzen, kam 1991 nach Sachsen. Er stammt aus dem nordrhein-westfälischen Bottrop.

Eine Ausnahme im Justiz-Bereich im Landkreis Bautzen ist Frank Hiekel: Der gebürtige Freitaler leitet die Justizvollzugsanstalt in Bautzen.

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