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Warum Bautzen so wenige Ladesäulen hat

Ein Bautzener wünscht sich, dass die Stadt mehr um die Lade-Infrastruktur für Elektroautos kümmert. Der Oberbürgermeister lässt ihn abblitzen.

Daniel Gersten, Verkaufsberater beim Autohaus Hantusch, wundert sich, dass es in Bautzen so wenig E-Ladesäulen gibt. Vor allem Schnellladesäulen seien wichtig, findet er.
Daniel Gersten, Verkaufsberater beim Autohaus Hantusch, wundert sich, dass es in Bautzen so wenig E-Ladesäulen gibt. Vor allem Schnellladesäulen seien wichtig, findet er. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Die Zahl der Elektroautos im gesamten Landkreis Bautzen nimmt zu. Während Ende 2020 noch 526 E-Fahrzeuge im Kreis gemeldet waren, sind es laut dem Landratsamt jetzt, ein halbes Jahr später, bereits 760. In der Stadt Bautzen stieg die Zahl von 88 auf 125. Dass die einzige Schnellladesäule in Bautzen gefragt ist, liegt also nahe. Und das zeigen auch die Zahlen. 2020 war die Säule auf dem Schliebenparkplatz eine der meist genutzten in ganz Sachsen, berichtet der Energieversorger und Betreiber der Säule, Sachsenenergie.

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Daniel Gersten, Verkaufsberater beim Autohaus Hantusch in Bautzen, hat dies vor Kurzem dem Stadtrat vorgetragen. Warum, wollte er wissen, gibt es in der Stadt Bautzen nur diese eine Schnellladesäule? Was hat die Stadt vor, um die Lade-Infrastruktur auszubauen? Der Eindruck von Daniel Gersten: Bautzen steht schlechter da als die kleineren Städte in der Region, zum Beispiel Kamenz und Bischofswerda.

Kamenz hat mehr Ladesäulen als Bautzen

Ein Blick in die Zahlen: Laut der Bundesnetzagentur gibt es in Bautzen vier Ladepunkte, dazu kommen zwei an der A4. In Bischofswerda sind es laut Bundesnetzagentur ebenfalls vier. Und in Kamenz zählt die Bundesnetzagentur acht Ladepunkte. Die Karte erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit; gelistet sind die öffentlichen Ladesäulen, die ein Anmeldeverfahren bei der Bundesnetzagentur abgeschlossen haben. Gemeinsam haben die drei Städte: Sie haben jeweils eine Schnell-Ladesäule im Angebot. Auch die beiden Ladesäulen an der A4, auf dem Rasthof Oberlausitz, sind Schnell-Ladesäulen.

Elektromobilität – das sei als Alternative für den Verbrennungsmotor in der Zukunft einfach nicht wegzudenken, da ist sich Daniel Gersten sicher. „Elektromobilität ist von der Politik gewünscht, das sehen wir an den vielen Fördermöglichkeiten“, sagt er. Da geht es zum einen um die Umwelt, da geht es aber auch um moderne Mobilität an sich.

"Fahrverhalten ist anders als mit einem Verbrenner"

Und wichtig sei dabei eben nicht nur, dass es überhaupt Ladesäulen gibt, sondern auch, dass sie schnell genug laden. „Wer mit einem modernen Elektroauto unterwegs ist, legt bei längeren Strecken unterwegs immer mal eine kurze Ladepause ein“, erklärt er. Es gehe nicht mehr um lange Pause, viel Warterei. Das Fahrverhalten mit so einem Elektroauto sei eben ein anderes als mit einem Verbrenner. Bei diesen kurzen Pausen wird das Auto aber nur bei schnellem Laden auch in kurzer Zeit voll genug.

„Es geht mir dabei nicht in erster Linie um meine Kunden“, sagt Daniel Gersten, „es geht mir generell um die Stadtgesellschaft.“ Es geht ihm um die Leute, die sich angesichts mangelnder Ladesäulen gegen ein E-Auto entscheiden. Und um die Touristen, die auf der Durchreise vielleicht einen Ladestopp in Bautzen einlegen möchten – oder auch etwas länger bleiben.

Stadt stellt Flächen - Energieversorger baut die Säule

Wie also kommt die Stadt an eine Säule? Für eine von Sachsenenergie müsste die Stadt Flächen zur Verfügung stellen, erklärt eine Unternehmenssprecherin. „Wir errichten und betreiben die Ladesäulen.“ Mit den Kosten sei das je nach Situation geregelt. Die Stadt Bischofswerda berichtet zum Beispiel, für ihre Ladesäule von Sachsenenergie nur die Fläche bereitgestellt zu haben – ohne das Ganze finanzieren zu müssen.

Daniel Gersten ist aufgefallen, dass Kamenz und Bischofswerda den Handel eingebunden haben. Baumärkte, Supermärkte. Orte, an denen sich die Leute ohnehin immer mal aufhalten. So gibt es in beiden Städten jeweils Ladestationen bei Lidl und an den Hagebaumärkten. Um diese Ladepunkte, so erklärt der Kamenzer Stadtsprecher, haben sich die Grundstückseigentümer gekümmert.

Bautzen: "Keine Kapazität für das Thema"

Viele Fragen beschäftigen Daniel Gersten: Müsste die Stadt Bautzen mit mehr Einwohnern als Bischofswerda und Kamenz nicht eigentlich mehr bieten als die beiden kleineren Städte? Plant die Stadt, Flächen zur Verfügung zu stellen? Steht sie mit Supermärkten im Gespräch, kümmert sie sich?

Und die Antwort lässt sich ziemlich knapp zusammenfassen: Nicht wirklich. Bereits in der Stadtratssitzung hatte Bautzens Oberbürgermeister Alexander Ahrens erklärt, dass Bautzen das nicht finanzieren könne – und wolle. Es sei Aufgabe der Automobilhersteller und der Energieversorger, sich darum zu kümmern. „Ich bitte um Verständnis, dass wir derzeit weder die personelle noch die ressourcentechnische Kapazität haben, uns mit dieser Freiwilligkeitsleistung tiefergehend zu beschäftigen“, erklärt wenig später der kommissarische Pressesprecher der Stadt, Markus Gießler.

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Es sind Antworten, mit denen sich einige Stadtratsfraktionen unzufrieden zeigen. „Das Aus für den Verbrennermotor ist besiegelt, das zeigen die jüngsten Meldungen der Autokonzerne“, sagt CDU-Fraktionschefin Katja Gerhardi. „Bautzen ist aber eine Pendlerstadt und gerade im Bereich dieser kleineren Strecken ist ein E-Auto von besonderem Interesse.“ Die Stadt müsse sich der Aufgabe stellen. Auch Claus Gruhl von den Grünen findet: „Die Stadt kann nicht so tun, als ob sie das alles nichts angeht. Wenn sie das Thema ausblendet, wird die Stadt einmal mehr abgehangen.“ Mike Hauschild von der FDP sagt, dass die Stadt hätte längst tätig werden müssen. Zustimmung bekommt der Oberbürgermeister indes vom Fraktionschef des Bürgerbündnis. „Das kann nicht Aufgabe der Kommunen sein“, erklärt Steffen Tech. Die Stadt habe nichts versäumt, findet er. Es seien ohnehin noch nicht so viele Elektrofahrzeuge unterwegs.

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