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Bautzener Firma verkauft Tassen weltweit

Michél Walther produziert mit seiner Firma Amapodo spezielle Teetassen. Ein Missgeschick brachte ihn auf die Idee.

Michél Walther aus Bautzen wollte eigentlich nur ein liebgewonnenes Souvenir, das kaputt gegangen ist, neu kaufen: eine asiatische Teeflasche aus Glas. Weil es die aber nicht zu kaufen gab, entwickelte er eine eigene.
Michél Walther aus Bautzen wollte eigentlich nur ein liebgewonnenes Souvenir, das kaputt gegangen ist, neu kaufen: eine asiatische Teeflasche aus Glas. Weil es die aber nicht zu kaufen gab, entwickelte er eine eigene. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Kisten über Kisten stapeln sich in einem kleinen Büro in der Wilthener Straße in Bautzen. In einer halb geöffneten Box ist das metallische Glänzen von Teesieben zu erkennen, auf einer anderen liegen Stoffhüllen für Flaschen, einige – kleinere – Boxen ziert ein Lebensbaum; das Logo der Bautzener Firma Amapodo. Michél Walther aus Bautzen steht zwischen den Kisten. Er hat die Firma gegründet, die Idee für die Teetassen und -flaschen in den Kisten ist von ihm. Der 46-Jährige blickt sich um und sagt: „Wir brauchen langsam wirklich mehr Lagerraum.“

Was 2014 mit einer kleinen Idee begann, ist mittlerweile doch ziemlich groß geworden – das verdeutlichen die gestapelten Kisten. Das zeigen aber auch Ländernamen, die Michél Walther aufzählt und in die seine Tassen verkauft werden: Das Kerngeschäft liegt für den Bautzener und seine zwei Angestellten zwar in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Aber auch nach Portugal, Italien, Frankreich, Spanien und sogar Australien und in die USA gehen die Tassen und Flaschen aus Bautzen.

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Ein liebgewonnenes Souvenir zerbrach - Ersatz gab es nicht

Ein Alltagsgegenstand wie eine Teetasse, und so viele Leute aus anderen Ländern interessieren sich dafür. Wie schafft man das? Michél Walther lacht. „So richtig beantworten kann ich diese Frage auch nicht“, sagt er. Um es zu erklären, erzählt er die Geschichte hinter den Tassen. Denn so ganz alltäglich sind sie eben nicht.

„Jeder Mensch hat Hobbies – und ich reise eben gerne nach Asien“, sagt Walther. In Thailand, Vietnam und China habe er Tees kennengelernt, vor allem die grünen haben es ihm angetan. „In Asien wird das Teetrinken richtig zelebriert. Der erste Aufguss wird weggegossen, der Tee wird vier oder fünfmal aufgegossen“, sagt er. Das habe ihn fasziniert. „Tee kann in Asien irre teuer sein.“

Vor allem ein Souvenir hat es ihm auf seinen Reisen angetan: In Asien sah Walther immer wieder Leute mit Teeflaschen umherlaufen, doppelwandig, aus Glas, mit eingehängtem Teesieb. So eine brachte er sich mit. „Die Flasche ist allerdings ziemlich schnell heruntergefallen und ich wollte nicht ein Jahr warten, bis ich mir bei meiner nächsten Reise eine neue kaufen kann“, erzählt er. Also machte er sich im Netz auf die Suche – wurde aber nicht fündig. 

Palette umfasst rund 30 Produkte

Am Ende musste Walther zwar doch bis zu seiner nächsten Reise warten – in China sprach er dann aber mit Glasproduzenten. Das Ziel: eine eigene Teeflasche zu produzieren. Aus der Erkenntnis, dass es in Deutschland an solchen Teeflaschen mangelt, wurde 2015 Michél Walthers erste eigene Charge. Sie umfasste 500 Flaschen. Doppelwandige Glasflaschen mit einem Bambus-Deckel, in die sich ein Teesieb einsetzen lässt.

„Die ersten Wochen liefen ein bisschen müßig, ich bin schon etwas ungeduldig geworden“, erinnert sich Michél Walther. Dann, wenig später, war die erste Charge ausverkauft. Heute ist von Ungeduld keine Rede mehr: „Wenn ich ein neues Produkt auf den Markt bringe, gehe ich davon aus, dass es funktioniert“, sagt Walther selbstsicher. Seine Palette umfasst mittlerweile 30 Produkte, darunter die Glasflaschen, Thermosflaschen, unterschiedlich farbige Deckel, Kannen, Tee und seit letztem Jahr auch Tassen. „Die sind konisch geformt, damit sie nicht umkippen können“, erklärt Walther – und auch in diese Tassen lässt sich direkt ein Teesieb einsetzen.

Walther verkauft weltweit Tausende Tassen pro Jahr

Wieviele Flaschen und Tassen er pro Jahr verkauft, will Michél Walther nicht verraten. Aber: Jedes einzelne Produkt habe vier- bis fünfstellige Verkaufszahlen.

Als Walther mit dem Geschäft begann, gab es wenig Konkurrenz. Mittlerweile, das erzählt er selbst, sind zig ähnliche Flaschen auf dem Markt. Warum das Produkt trotzdem funktioniert? „Wir setzen auf gesundes Trinken, auf Nachhaltigkeit“, sagt Michél Walther – diesen Wunsch der Kunden habe er früh erkannt, das sei ihm eben damals selbst auch wichtig gewesen. 

Gerne würde er zwar regional produzieren, aber das sei nicht möglich. Etwa 30 Glashersteller hat er in Deutschland angesprochen, aber keiner produziert in den kleinen Mengen, in denen er es benötigt – und auch nicht mit den hitzebeständigen Materialien, die er braucht. „Wir sind für die großen Unternehmen zu klein und für die kleinen Unternehmen zu groß“, sagt er. „Wir stellen aber sicher, dass es faire Löhne und keine Kinderarbeit gibt“, sagt er. 

Und, was möglich ist, wird auch in Bautzen gemacht. So arbeitet Walther mit einer Behindertenwerkstatt zusammen, die die Produkte prüft und verpackt. Außerdem versucht er, bei den Produkten auf Plastik zu verzichten – nur das Gewinde für die Deckel ist aus Plastik, das funktioniere nicht anders.

Und wie geht es weiter? „Wir arbeiten gerade an einem neuen Produkt“, sagt Michél Walther. Näheres will er noch nicht verraten. Aber: Noch in diesem Jahr soll es in die Produktion gehen.

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