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Warum hat Bautzen keinen Klimaschutzmanager?

Pirna hat einen, Meißen kriegt einen: Einige Kommunen setzen bereits auf Klimaschutzmanager. Bautzen will keinen - und geht dafür einen anderen Weg.

Von Theresa Hellwig
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Trockenere Sommer und mehr Starkregenereignisse: Der Klimawandel macht auch vor Sachsen nicht Halt. Einige Kommunen setzen deshalb auf Klimaschutzmanager. Bautzen allerdings nicht.
Trockenere Sommer und mehr Starkregenereignisse: Der Klimawandel macht auch vor Sachsen nicht Halt. Einige Kommunen setzen deshalb auf Klimaschutzmanager. Bautzen allerdings nicht. © Archivfoto: SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Mehr Starkregenereignisse, Borkenkäferschäden, trockenere Sommer – der Klimawandel macht auch vor der Oberlausitz nicht halt. Einige sächsische Städte haben deshalb schon reagiert, indem sie einen Klimaschutzmanager beschäftigen. Pirna hat zum Beispiel einen, Meißen bekommt jetzt einen. Auch in der Stadt Dresden gibt es so eine Stelle.

Was ein Klimaschutzmanager tut? Auf diese Frage kann Marcel Bellmann von der Energieagentur des Landkreises Bautzen Antwort geben. Kommunale Klimaschutzmanager sind dafür verantwortlich, Klimaschutzkonzepte für ihre Stadt oder Gemeinde zu erstellen. Klingt abstrakt – aber Marcel Bellmann kann das auch konkreter machen.

„Da geht es um Mobilitätsfragen in der Stadt oder Gemeinde, zum Beispiel darum, wie mehr für Elektromobilität getan werden kann.“ Es gehe um den Ausbau des Fernwärmenetzes oder die Überprüfung von Bauprojekten. Welche könnten und sollten zum Beispiel nachhaltiger angegangen werden? Im Prinzip gehe es um ein ständiges Prüfen, wo und wie eine Stadt klimafreundlicher agieren könnte.

Das tut der Pirnaer Klimaschutzmanager

In Meißen nimmt das Projekt Klimaschutzmanager gerade erst Fahrt auf. Aber in Pirna zum Beispiel hat der Klimaschutzmanager ein Stadtgrün-Konzept erarbeitet. Er hat sich die Verwaltung angeschaut und eine CO2-Bilanz aufgestellt. Er setzt auch Ideen um, um den Radverkehr zu stärken, teilt die Pressestelle der Stadt Pirna mit. So gebe es nun eine neue Fahrradgarage.

Der Klimaschutzmanager setze sich für mehr Elektromobilität in der Verwaltung ein, und er sorge dafür, dass mehr Photovoltaik-Anlagen auf städtische Dächer kommen. In sämtliche Verwaltungsprozesse, so erklärt eine Sprecherin der Stadt, werde der Klimaschutzmanager einbezogen. Für ihre Arbeit in Sachen Klimaschutz hat die Stadt Pirna inzwischen einen Preis bekommen.

Ein Klimaschutzmanager für Bautzen – das ist ein Thema, das auch die Grünen im Stadtrat beschäftigt. Einen Vorstoß hat die Fraktion zwar noch nicht gewagt – aber es sei wichtig, alle Vorhaben der Verwaltung auf ihre Umweltfreundlichkeit zu überprüfen, findet Jonas Löschau von den Grünen.

Sein Vorschlag: Ein Klimamanager könnte für jede Entscheidung einen CO2-Preis ausrechnen, um deutlich zu machen, welchen Schaden bestimmtes Handeln anrichtet. „Es geht darum, mehr bewusst zu machen, welche Klimaauswirkung eine Entscheidung hat“, erklärt er.

Außerdem wünsche er sich einen Vorstoß in Sachen E-Mobilität, ein aktiveres Wiederaufforsten des borkenkäfergeschädigten Bautzener Stadtwalds und ein größeres Augenmerk auf erneuerbare Energien. „Solaranlagen oder Windparks verursachen ja nicht nur Kosten – wenn die Stadt so etwas hätte, würde das ja auch Geld einspielen“, sagt er.

Stadträte: Mehr Klimaschutz, aber nicht mehr Personal

Andere Fraktionen stehen einem Klimaschutzmanager eher skeptisch gegenüber – vor allem aus finanziellen Gründen. „Ein falsches Signal“ wäre eine solche Stelle aus Sicht von Bürgerbündnis-Fraktionschef Steffen Tech, „weil wir eigentlich die Personalkosten senken wollen“. Dennoch spreche sich die Fraktion beispielsweise für Solaranlagen auf Dächern von Schulen aus. Das müsste aber ohne extra Personal umgesetzt werden können.

Auch die Linken und die CDU plädieren für mehr Klimaschutzmaßnahmen; allerdings lieber ohne neues Personal für die Stadt.

Und auch die Stadtverwaltung zeigt sich wenig motiviert, einen Klimaschutzmanager zu beschäftigen. „In Zeiten der Haushaltskonsolidierung und des Strukturwandels ist es für die Stadt Bautzen wichtig, ihren Fokus auf diese beiden Themen zu legen. Für die Schaffung einer solchen Stelle besteht insofern momentan kein Raum“, heißt es kurz und knapp aus der Pressestelle. Auf Nachfrage erklärt die Stadt, dass Bautzen über ein Kommunales Energie- und Klimaschutzkonzept verfüge. Wie viel davon umgesetzt wird, dazu macht sie keine Angaben.

Bautzen macht bei einem Modellprojekt mit

Aus Sicht von Marcel Bellmann gäbe es jedoch durchaus mehr Möglichkeiten für Städte und Gemeinden, etwas zu tun. „Wenn eine Stadt nicht gleich die Stelle eines Klimaschutzmanagers schaffen will, gibt es auch eine kleinere Variante.“ Nämlich einen Energiemanager. Viele Gemeinden hätten bereits einen solchen – zum Beispiel Göda, Obergurig, Pulsnitz und Großpostwitz, berichtet Marcel Bellmann. „Die Stelle wird ab diesem Jahr zu 90 Prozent durch den Bund gefördert“, erklärt er.

Die Aufgabe eines solchen Managers sei es, konkret zu schauen, wo eine Gemeinde Energie sparen kann. Leuchten Straßenlaternen zu lange? Werden Turnhallen in der Ferienzeit unnötig beheizt? „Viele Gemeinden sparen dadurch deutliche Summen ein“, weiß Marcel Bellmann.

Diesem Thema stellt sich nun auch die Stadt Bautzen im Rahmen eines Modellprojektes des Landkreises. Bis zum April werden die Voraussetzungen für ein Energiecontrolling in der Stadt geschaffen. Software wird installiert und mit ersten Daten befüllt. Danach liegt es in der Hand der Stadt, ob sie etwas damit anfängt.