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Warum so viele Bautzener ins Umland ziehen

Teure Mieten, keine großen Wohnungen, zu wenig Platz für Kinder: Viele junge Leute verlassen die Stadt. Die will etwas dagegen tun.

Jan und Janine Zschornack wohnen mit ihren Kindern Jakob (l.) und Johanna noch in der Stadt Bautzen. Aber nicht mehr lange.
Jan und Janine Zschornack wohnen mit ihren Kindern Jakob (l.) und Johanna noch in der Stadt Bautzen. Aber nicht mehr lange. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Noch wohnt Janine Zschornack in Bautzen. In der Statistik der Stadt, die aufzeigt, wie viele Bautzener ins Umland gezogen sind, tauchen sie, ihr Mann und die zwei kleinen Kinder deshalb noch nicht auf. Aber sie werden es bald. Denn ein Grundstück in der Gemeinde Panschwitz-Kuckau hat die Familie bereits gekauft. Dort will sie in den nächsten Jahren ein Haus bauen.

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„Wir wollten eigentlich immer in Bautzen bleiben“, erzählt Janine Zschornack. „Aber wir wollten eben eine größere Wohnung haben.“ Die Suche habe sich jedoch als schwieriges Unterfangen herausgestellt. Mit den Kindern wollten die Eltern nicht allzu dicht an eine große Straße ziehen. Und sie suchten eine Wohnung mit mindestens vier Räumen, erzählt Zschornack. „Wir sind sehr über die Mietpreise erschrocken“, sagt sie. Obwohl das eigentlich nie der Plan gewesen sei, entschied sich die Familie deshalb dafür, ein Häuschen zu bauen – und die Stadt zu verlassen.

Viele junge Bautzener ziehen ins Umland

So wie Janine Zschornack und ihrer Familie geht es offensichtlich einigen in der Stadt. Noch immer ziehen jährlich viele Bautzener ins Umland. Um das einmal in Zahlen zu fassen: Im Jahr 2020 haben insgesamt 1.807 Leute Bautzen verlassen. 1.294 davon zog es aber nicht weit weg; sie blieben in Sachsen.

Und 783 blieben besonders nah; nämlich im Landkreis Bautzen. Etwa 400 zogen in Bautzens Umland-Gemeinden Doberschau-Gaußig, Göda, Großdubrau, Großpostwitz, Malschwitz, Obergurig und Radibor. Auffällig: Besonders viele derjenigen, die die Stadt in Richtung anderer Gemeinden im Landkreis verlassen, sind Kinder im Alter bis sechs Jahre sowie Erwachsene zwischen 18 und 40.

Warum so viele junge Leute aus der Stadt in die ländlicheren Gemeinden ziehen? Falko Glück von der Bautzener Wohnungsgenossenschaft Aufbau geht davon aus, dass viele junge Familien sich entscheiden zu bauen. Einige – und davon erzählt auch Janine Zschornack – weil wohnungsnahe Parkmöglichkeiten in Bautzen fehlen. Andere deshalb, weil sie sich modernere Wohnungsgrundrisse wünschen, als es momentan in Bautzen gibt. „Also größere Bäder und Küchen und Balkone“, erklärt Glück.

Etwas, das auch Kirsten Schönherr von der Bautzener Wohnungsbaugesellschaft (BWB) kennt. „Zu uns kommen oft junge Familien“, erzählt sie. „Viele suchen schöne Wohnungen“, sagt sie, „vor allem zu einem geringen Mietpreis.“ Das Problem: „Alle Familienwohnungen sind belegt.“

Corona hat Entscheidung für Umzug noch bestärkt

Bereits weggezogen ist Franziska Möchel mit ihrer Familie. „Wir haben hier 120 Quadratmeter“, sagt sie, „eine Wohnung in der Größe in Bautzen hätten wir nicht bezahlen können – oder zumindest hätten wir das so nicht gewollt.“ Deshalb und weil sie Gewissheit haben wollte, dass ihr Kind draußen spielen kann, erzählt die 24-Jährige, hat sie sich für den Umzug entschieden. Statt in Bautzen wohnt sie nun in Lauske, einem Ortsteil von Weißenberg.

„Wir haben hier ein Schreibwarengeschäft, einen Döner-Laden, einen Supermarkt. Mehr Geschäfte brauche ich gar nicht“, sagt sie. Stattdessen könne sie raus, ins Grüne. Auf der Terrasse sitzen. Ungestört, unbeobachtet. Oder im Garten arbeiten. Vor allem in Zeiten von Corona habe sie sich in ihrer Entscheidung noch einmal bestärkt gefühlt.

Franziska Möchel ist aus Bautzen nach Lauske bei Weißenberg gezogen - und freut sich über die Ruhe und das viele Grün.
Franziska Möchel ist aus Bautzen nach Lauske bei Weißenberg gezogen - und freut sich über die Ruhe und das viele Grün. © SZ/Uwe Soeder

Ein Flair, das auch Ron Matschie und seine Familie dazu bewegt hat, Bautzen zu verlassen. „Gerade, als wir in Quarantäne waren, waren wir für jeden Quadratmeter Grün an unserem Haus dankbar“, sagt er. Allerdings hat er einen etwas anderen Weg gewählt als Janine Zschornack und Franziska Möchel. Denn er hat Bautzen eigentlich nicht verlassen. Sein neues Heim liegt nämlich in Bolbritz, einem Bautzener Ortsteil. „Hier gibt es noch Bauplätze“, sagt Matschie. „Wir haben damals aber auch im Stadtgebiet gesucht. Die Grundstücke waren um ein Vielfaches teurer.“ Am Ende hat die Familie dann gar nicht selbst gebaut – aber die Suche nach bezahlbarem Wohnraum war für Ron Matschie ausschlaggebend.

Bautzen will etwas tun, um Familien zu halten

Das passt in das Bild, das Kirsten Schönherr von der BWB vor Augen hat. „Dass es in der Stadt einen Grundstücksmangel für den Einfamilienhausbau gibt, ist bekannt“, sagt sie. Es gebe vielleicht noch ein paar wenige Flächen – wie zum Beispiel in Stiebitz. Aber meistens hätten diese auch Nachteile. Im konkreten Fall gibt es Probleme mit der Entwässerung. „Und das macht die Sache teuer“, sagt Schönherr.

Die BWB plant jetzt, erst einmal Häuser zu sanieren, um größere und bezahlbare Wohnungen für Familien zu schaffen. Auch die Bautzener Stadtverwaltung befasst sich mit dem Thema. Im Leitbild der Stadt wurde festgelegt, berichtet der kommissarische Pressesprecher Markus Gießler, dass „Bautzen in den nächsten Jahren Familien und junge Menschen vermehrt hier halten will und für die Stadt gewinnen möchte“. Er ist überzeugt: „Dafür muss die Stadt aktiv etwas tun. Aber nicht alles liegt im Verantwortungsbereich der Kommune.“ Stattdessen sei die Stadt auch auf Investoren angewiesen, die Wohnflächen schaffen.

Damit die Stadt für Familien attraktiv wird, habe sie aber in den vergangenen Jahren viel getan. Vor allem im Stadtteil Gesundbrunnen. Was Markus Gießler meint? „Der Stadtteil wurde durch die BWB aufgewertet“, sagt er. „Durch den Spielplatz Sprejnik und den neuen Skatepark, der jetzt geschaffen wird.“

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