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Was die Bautzener von einer Spreebrücke halten

Bautzens Einwohner sollen irgendwann über die Spreebrücke entscheiden. Bei der Projektpräsentation haben Besucher ihren Standpunkt schon jetzt klar formuliert.

Theaterintendant Lutz Hillmann (mit orangefarbener Weste) führte Besucher durchs Langhaus und diskutierte später auch auf dem Hof der Ortenburg.
Theaterintendant Lutz Hillmann (mit orangefarbener Weste) führte Besucher durchs Langhaus und diskutierte später auch auf dem Hof der Ortenburg. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Ein bisschen sah es nach Frühschoppen aus an diesem Sonntag im Hof der Ortenburg. Biertischgarnituren waren aufgebaut, es gab einen Getränkeausschank und daneben wurde Gegrilltes verkauft. Fehlte eigentlich nur eine Blaskapelle. Die hätte aber gestört, denn von 10 bis 17 Uhr wurde hier der aktuelle Planungsstand zur Spreequerung vom Protschenberg zur Ortenburg präsentiert. Über den Platz verteilt konnten Interessierte an Stehtischen mit Architekt Carsten Ehrlich, Hentschke-Bau-Chef Jörg Drews, Oberbürgermeister Alexander Ahrens und Theaterintendant Lutz Hillman ins Gespräch kommen.

Sie alle sind an dem Projekt „Vision Spreetor“ beteiligt, bei dem es nicht nur um die Spreequerung, sondern auch um die Sanierung und anschließende Nutzung des Langhauses und des Burgwasserturms geht. Vor dem Theater hatten sich kurz vor zehn die ersten Menschen angestellt, um an den Führungen durch das Langhaus teilzunehmen.

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Die Teilnehmer nutzten diese Möglichkeiten und vor allem rund um die Stehtische von Carsten Ehrlich und Jörg Drews standen immer wieder mehrere Interessierte. Menschen, die überhaupt nicht verstehen können, warum so eine Brücke gebaut werden soll, gab es genauso wie Fürsprecher. Manche Bautzener finden die Brücke sei mehrheitsfähig, andere halten das für sehr unwahrscheinlich. Ein Bautzener sieht es als Prestigeobjekt für die Beteiligten. „Das Ding passt hier nicht hin“, sagte ein Weiterer. Andere fänden es toll, wenn etwas Neues in der Stadt entstehen würde.

Mehr als 90-prozentige Förderung möglich

Bis die Bürger überhaupt entscheiden, ob eine Brücke gebaut werden soll oder nicht, wird noch einige Zeit vergehen. Laut Alexander Ahrens müsste vorher die Finanzierung klar sein. Wahrscheinlich seien 90 Prozent Förderung durch den Freistaat Sachsen für die Kosten von bis zu zwölf Millionen Euro, vielleicht sogar ein bisschen mehr. Den restlichen Eigenanteil würden sich die Stadt Bautzen und der Landkreis teilen. Die Stadt wäre dann für die Brücke und der Kreis für Langhaus und Burgwasserturm verantwortlich.

Dass manche Bautzener sich fragen, ob das Geld an anderer Stelle nicht besser investiert wäre, gehe laut dem Oberbürgermeister am Thema vorbei. Das Fördergeld sei projektgebunden. „Entweder kommt die Brücke oder es kommt nichts.“ Er rief dazu auf, sich zu informieren. Schließlich sei man im Planungsprozess und die Diskussion noch nicht abgeschlossen. Eine Befragung der Stadträte hat ergeben, welches Brückenmodell sie favorisieren, aber auch welche Bedenken sie haben – etwa zu den Folgekosten für Wartung oder Reparaturen. Das hat auch einige Besucher an diesem Sonntag beschäftigt. Konkrete Aussagen dazu gab es nicht.

Grundstückseigentümer wollen klagen

Für die Diskussion stand auch Lutz Hillmann zur Verfügung. Als er die Veranstaltung eröffnete, sprach er davon, dass hier die letzten großen Ruinen in Stand gesetzt und einer Bestimmung übergeben werden könnten. Später auf dem Burghof kam er auch mit Diana und Carsten Schattel ins Gespräch, die eine Spreebrücke ablehnen, weil sich ihr Grundstück direkt darunter befände. Mit der Sanierung des Langhauses und des Burgwasserturms hätten sie kein Problem. 

Nach aktuellem Stand würde die neue Brücke über das Grundstück der Familie Schattel führen.
Nach aktuellem Stand würde die neue Brücke über das Grundstück der Familie Schattel führen. © SZ/Uwe Soeder

Die Eheleute und ihre Kinder wohnen unterhalb der Ortenburg. Die Brücke würde nach aktuellem Stand über ihren Garten führen. An ihrem Haus haben sie Spruchbänder installiert. „Brücke über Privatgrund = Enteignung“ steht auf einem. Da ein Grundstück ein Körper und damit dreidimensional ist, würde die Brücke nicht nur über, sondern durch ihr Grundstück führen.

Das Ehepaar hat bereits ein Anwaltsbüro kontaktiert und würde gegen einen Brückenbau klagen, wenn es so weit kommen sollte. Für die Schattels ist es auch eine Frage der Sicherheit. Bereits jetzt würden immer wieder Steine oder Flaschen von oben herunterfliegen. Sie befürchten, dass sich die Zahl solcher Fälle durch einen Brückenbau erhöhen könnte. Diese Sorge versteht Lutz Hillmann. Das müsse natürlich verhindert werden. Er wolle sich dafür einsetzen, dass es Gespräche mit den Anwohnern gibt.

Mutmaßliche Brückengegner stören die Veranstaltung

Inakzeptabel nannte er das Verhalten von mutmaßlichen Projektgegnern, die den unteren Zugang zum Burgwasserturm versperrt und durch eingegrabene Scherben verhindert hätten. Mit Verzögerung konnten Besucher aber auch dort hinein, durch einen schmalen und niedrigen Durchgang gehen und nach oben schauen wohin sie irgendwann mit einem Lift hinauffahren könnten, wenn das Projekt denn umgesetzt wird.

An der Glasfassade des Theaters konnten sich Besucher über den Stand der Planungen zur "Vision Spreetor" informieren.
An der Glasfassade des Theaters konnten sich Besucher über den Stand der Planungen zur "Vision Spreetor" informieren. © SZ/Uwe Soeder
Auf dem Hof der Ortenburg gab es Gespräche zwischen den Besuchern und Verantwortlichen für das Projekt wie hier mit Architekt Carsten Ehrlich (orange Weste).
Auf dem Hof der Ortenburg gab es Gespräche zwischen den Besuchern und Verantwortlichen für das Projekt wie hier mit Architekt Carsten Ehrlich (orange Weste). © SZ/Uwe Soeder
Über Baugerüste und steile Treppen wurden die Besucher durch das Langhaus geführt. In den Burgwasserturm (hinten) soll laut Planung ein Fahrstuhl eingebaut werden.
Über Baugerüste und steile Treppen wurden die Besucher durch das Langhaus geführt. In den Burgwasserturm (hinten) soll laut Planung ein Fahrstuhl eingebaut werden. © SZ/Uwe Soeder
Neben Familie Schattel haben weitere Anwohner unterhalb oder Ortenburg ihre Ablehnung einer Spreebrücke zum Ausdruck gebracht: "Bäume statt Brücke" steht etwa hier,
Neben Familie Schattel haben weitere Anwohner unterhalb oder Ortenburg ihre Ablehnung einer Spreebrücke zum Ausdruck gebracht: "Bäume statt Brücke" steht etwa hier, © SZ/Uwe Soeder

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