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Was tatsächlich in der Brückenstudie steht

Der Bautzener Oberbürgermeister hatte 300.000 zusätzliche Touristen durch das Bauprojekt versprochen. Die Gutachter sagen aber etwas anderes.

Kann eine neue Fußgängerbrücke über die Spree Bautzens Tourismus ankurbeln? Damit befasst sich eine neue Studie.
Kann eine neue Fußgängerbrücke über die Spree Bautzens Tourismus ankurbeln? Damit befasst sich eine neue Studie. © Visualisierung: Ehrlich Architekten GbR

Bautzen. Was der Bautzener Oberbürgermeister am 1. März im Interview verkündete, klang verheißungsvoll. Wörtlich sagte Alexander Ahrens (SPD) dem Lokalsender Radio Lausitz: „Die Ersteller des Gutachtens gehen davon aus, dass eine solche Brücke bis zu 300.000 Touristen zusätzlich pro Jahr nach Bautzen locken könnte.“

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Gemeint war damit zum einen die mögliche neue Fußgängerbrücke über die Spree, über die die Stadt schon seit Jahren diskutiert. Und zum anderen ein Gutachten zur touristischen Wertschöpfung durch die Brücke, das die Stadt in Auftrag gegeben hat. Das Problem: Die Aussage, die der Oberbürgermeister gemacht hat, ist so nicht in dem Gutachten zu finden. - Was wirklich in dem Dokument steht.

Kann die Brücke mehr Touristen nach Bautzen locken?

Grundsätzlich verneinen die Verfasser der Studie das nicht. Sie benennen aber auch keine Zahl, um wie viele Leute es dabei geht. Das war aber auch gar nicht das Ziel der Studie, sagt Thomas Weiß, Geschäftsführer der DKC Kommunalberatung GmbH, die die Studie durchgeführt hat.

Was ist untersucht worden?

In der Studie ging es um die touristische Wertschöpfung der Stadt Bautzen durch die mögliche neue Spreebrücke. Gemeint ist: das wirtschaftliche Potenzial; die finanzielle Wertschöpfung.

Dafür haben die Verfasser der Studie zum einen Akteure in der Stadt – wie Händler, Gastronomen, Betreiber von Kultureinrichtungen und Hoteliers – befragt. Zum anderen haben sie die Übernachtungszahlen der Stadt ausgewertet. Anhand dieser Zahlen haben sie errechnet, welche zusätzlichen finanziellen Summen Bautzens Tourismus bringen könnte – wenn mehr dafür getan wird.

Ebenfalls angeschaut haben sich die Studienverfasser die Wege in der Stadt – und so analysiert, was die Brücken bringen könnte – und wem. Wichtig ist hierbei noch, dass die Verfasser in ihrer Analyse dabei die Brücke nicht nur als Brücke verstehen – sondern die Annahmen darauf basieren, dass im Zusammenhang mit dem Bau auch das Langhaus saniert, eine Skybar eingerichtet und der Burgwasserturm mit einem Fahrstuhl ausgestattet werden.

Was ist das Ergebnis der Studie?

Die Verfasser der Studie gehen davon aus, dass die Stadt durchaus noch Potenzial im Tourismusbereich hat.

Um das einmal in Zahlen zu fassen: 2019 kamen reichlich 80.300 Übernachtungsgäste nach Bautzen; zusammengerechnet blieben sie für knapp 188.700 Nächte. Wie viele Tagesgäste in die Stadt kommen, wird statistisch nicht erfasst. Die Studienverfasser haben deshalb zwei Dinge gemacht. Zum einen haben sie die Zahl der Übernachtungsgäste mit etwa acht multipliziert, weil in der Oberlausitz auf eine Übernachtungsreise im Schnitt 8,3 Tagesreisende kommen. Das wären dann 1,5 Millionen Tagesgäste im Jahr.

Zum anderen haben sie diese Zahl mit Besucherzahlen von Einrichtungen in der Stadt abgeglichen. Sie kommen zu dem Schluss, dass Bautzen derzeit tatsächlich deutlich weniger Tagesgäste hat. Nämlich nur zwischen 14.000 und 129.000 Tagesgäste im Jahr.

Hier kommt dann die Zahl von 300.000 Gästen ins Spiel. Gemeint ist damit eine mögliche Gesamtzahl an Touristen, die nach Bautzen kommen könnten. Sie ist nur eine statistische Annahme - für die weitere Berechnung in der Studie. Und somit kein echtes Studienergebnis, wenn man so will.

Die Annahmen der Verfasser der Studie basieren darauf, dass nicht nur die Brücke gebaut - sondern unter anderem auch eine Skybar errichtet wird.
Die Annahmen der Verfasser der Studie basieren darauf, dass nicht nur die Brücke gebaut - sondern unter anderem auch eine Skybar errichtet wird. © Visualisierung: Ehrlich Architekten GbR

Die Studienverfasser rechnen anhand dieser Zahl aus, welche finanziellen Auswirkungen solch ein Brückenprojekt auf den Tourismus haben könnte. Genaugenommen nutzen sie dafür drei Zahlen: die 300.000 ist die Zahl der Touristen, von der sie in einem Worst Case-Szenario - also im schlechtesten Fall - ausgehen. Bei einem sogenannten Base Case, einem mittleren Szenario, gehen sie von 650.000 Tagesgästen aus – und bei dem besten von einer Million Tagesgästen für Bautzen.

Am Ende kommen die Verfasser zu dem Ergebnis, dass – wenn die Stadt es schafft, das mittlere Szenario zu erreichen – sie ein touristisches Einkommen von 22,7 Millionen Euro erzielen könnte. Die Summe würde sich auf die touristischen Akteure verteilen. „Dieses Ergebnis stellt einen Schätzwert dar und wird nicht direkt durch den Neubau der Fußgängerbrücke beeinflusst“, heißt es in der Studie. Der Einfluss der Brücke sei ein indirekter.

Inwiefern kann die Brücke Touristen anlocken?

Dennoch: Die Verfasser der Studie gehen davon aus, dass die Brücke durchaus einen Effekt hätte. Zum einen, weil sie die Wege vom Schliebenparkplatz aus verkürzen würde – zum anderen, weil Radtouristen vom Spreeradweg so leichter in die Altstadt gelangen könnten. Auswirkungen hätte die Brücke vor allem für den nordwestlichen Teil der Altstadt; wie zum Beispiel den Burghof, die Schloßstraße und ihre Nebengassen.

Auch auf eine andere Weise könnte die Brücke wirken: Als „architektonisch herausragendes Element und als Aussichtsplattform für das Flusstal und die Altstadt“, heißt es in der Studie, „wird sie eine hohe Anziehungskraft haben“. Aber: Nur eine Brücke zu bauen, erklärt Thomas Weiß, reiche nicht aus. Wo nicht geworben wird, wird auch niemand aufmerksam. „Die Stadt muss dann auch mehr Marketing betreiben“, sagt er.

Was sagt die Stadt dazu?

Der kommissarische Pressesprecher der Stadt Bautzen, Markus Gießler, erklärt die Aussage des Oberbürgermeisters so: „Es handelt sich weder um eine Falschaussage noch um einen Fehler, sondern lediglich um eine von der DKC bestätigte Verknüpfung der zentralen Aussagen aus dem Gutachten durch den Oberbürgermeister.“ Alexander Ahrens habe sich bei seiner Aussage tatsächlich auf die Zahlen in den Szenarien, also die statistischen Größen, bezogen. „Das Potenzial an zusätzlichen Touristen liegt zwischen 350.000 und 700.000 mehr als es der bisherige Stand hergibt“, so Gießler. Dann relativiert er die Aussage des Oberbürgermeisters: „Die Brücke kann dabei ein Baustein sein.“

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