merken
PLUS Bautzen

Wechselunterricht: Das sagen Schulleiter im Kreis Bautzen

Das Sorbische Gymnasium hat dieses Modell bereits eingeführt. Das kommt nun auch auf andere Schulen zu - stößt aber nicht überall auf Zustimmung.

Uwe Richter, Leiter des Beruflichen Schulzentrums Bautzen, ist froh über jeden Tag, an dem er seine Schüler im Präsenzunterricht halten kann.
Uwe Richter, Leiter des Beruflichen Schulzentrums Bautzen, ist froh über jeden Tag, an dem er seine Schüler im Präsenzunterricht halten kann. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Für jeden Tag, an dem in seiner Schule vor Ort unterrichtet werden kann, ist er dankbar, sagt Uwe Richter. Wenn er die Wahl hat, so der Schulleiter des Beruflichen Schulzentrums (BSZ) Bautzen, möchte er das Wechsel-Unterrichtsmodell lieber nicht einführen. Denn für Berufsschüler, davon ist er überzeugt, würde ein Wechselmodell vor allem eines bedeuten: Unterrichtsausfall.

Nicht etwa, weil die Schule keine Aufgaben geben würde. Auch nicht, weil die Schüler nicht fleißig genug wären. Sondern weil viele von ihnen in der Zeit, in der kein Präsenzunterricht stattfindet, in die Betriebe geholt würden, erklärt Richter. „Uns ist der Infektionsschutz wichtig. Wir sind zum Beispiel sehr strikt, was die Maskenpflicht anbelangt, und schicken einzelne Schüler mit Erkältungssymptomen schnell vorsorglich nach Hause.“ Aber Wechselunterricht, also halbierte Klassen, die abwechselnd unterrichtet werden, wäre eben nicht das Mittel seiner Wahl.

TOP Deals
TOP Deals
TOP Deals

Die besten Angebote und Rabatte von Händlern aus unserer Region – ganz egal ob Möbel, Technik oder Sportbedarf – schnell sein und sparen!

Und doch könnte genau das jetzt auf die weiterführenden Schulen im Landkreis Bautzen zukommen. Denn in Kreisen, in denen die Corona-Inzidenz bei über 200 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner liegt, will die Landesregierung nun an einigen Schulen zu diesem Modell greifen. Das hat das Kultusministerium am Freitagabend bekannt gegeben. Und der Kreis Bautzen liegt deutlich über dieser Grenze.

Welche Schulen das konkret betrifft, ist derweil noch offen. Dazu will das Kultusministerium in den kommenden Tagen Gespräche mit den Schulen führen. Vor allem solche mit vielen Corona-Fällen sollen das Modell einführen. Fest steht: fünfte, sechste und Abschlussklassen sind ausgenommen.

Wechselunterricht führt zu Doppelbelastung der Lehrer

Überzeugt sind von diesem Modell jedenfalls noch nicht alle Schulleiter im Landkreis. Neben Uwe Richter hat auch Bodo Lehnig, Schulleiter des Bischofswerdaer Goethe-Gymnasiums, Vorbehalte: „Wir tun alles dafür, dass weitere Verschärfungen nicht notwendig werden.“ Wechselunterricht – das wäre, wenn es nach ihm geht, die letzte Option. „Denn das bedeutet eine Doppelbelastung für die Lehrkräfte.“

Sie müssen den Unterricht für die Hälfte der Klasse vorbereiten, die in der Schule ist – und noch einmal für die Gruppe, die zu Hause lernt. Das macht auch Uwe Richter vom BSZ Sorgen. Und nicht nur für die Lehrer bedeute Wechselunterricht eine große Belastung, sagt Bodo Lehnig – auch für die Schüler, die Probleme haben, selbstorganisiert zu lernen.

Eine Schwierigkeit, von der nicht nur Bodo Lehnig und Uwe Richter berichten, ist die der Technik. „Nicht alle Eltern können sich einen Internetanschluss leisten“, berichtet Lehnig. Das weiß auch Heidrun Schönwälder, Leiterin der Frédéric-Joliot-Curie-Grundschule Bautzen. Sie dürfte beruhigt sein: Nach der Mitteilung des Kultusministeriums sollte an ihrer Grundschule kein Wechselunterricht anstehen.

Fehlende Technik ist für einige Familien ein Problem

Dennoch hat sie eine Meinung: „Der fehlende Internetanschluss, das betrifft einige Wenigverdiener; es ist ein großes Problem“, sagt sie. Sie habe erlebt, wie Eltern weinend in der Schule anriefen und erklärten, dass sie sich das nicht leisten können. Diese hätten während der letzten Schulschließung die Chance bekommen, die Lernaufgaben ausgedruckt im Schulgebäude abzuholen. „Wenn wir von digitalem Unterricht sprechen wollen“, sagt Heidrun Schönwälder, „dann brauchen wir Tablets und Internetzugang für alle.“ Als Grundschulleiterin sieht sie das Modell auch deshalb kritisch, weil die Eltern sich Betreuungsmöglichkeiten für ihre Kinder suchen müssten.

Doch es gibt nicht nur Kritiker des Wechselunterrichts im Kreis Bautzen. „In der letzten Woche war noch über die Hälfte unserer Schüler in Quarantäne“, berichtet Silvana Wendt, Leiterin der Oberschule Pulsnitz. Auch mehrere Lehrkräfte haben sich mit dem Coronavirus infiziert. Sicher, ein solches Modell müsste effizient organisiert sein und bedeute auch, dass der Lehrplan verknappt werden müsste. „Aber der Gesundheitsschutz ist nun einmal wichtig. Und Wechselunterricht ist für uns die beste Möglichkeit, um genügend Platz in den Räumen zu schaffen, damit die Schüler überhaupt Abstand halten können“, sagt Wendt. „Wir sind vorbereitet, haben die Schüler vorsorglich in Gruppen eingeteilt. Wir sind startklar.“

Sorbisches Gymnasium hat das Modell schon eingeführt

Auch am sorbischen Gymnasium in Bautzen stieg die Zahl der Quarantänen, berichtet Schulleiter René Jatzwauk. „Es waren parallel drei Klassen in der Sekundarstufe eins, dazu die gesamten Jahrgänge elf und zwölf in Quarantäne“, sagt er. „Ich habe Kinder erlebt, die völlig verunsichert waren – die Angst hatten, sich zu infizieren und Verwandte anzustecken“, sagt Jatzwauk. „Wir wollten einfach weitere Ansteckungen vermeiden.“ Das Wechselunterrichtsmodell erschien ihm in dieser Situation als verantwortungs- und sinnvoll.

Und so hat das sorbische Gymnasium als eine der ersten Schulen im Kreis dieses Modell bereits eingeführt, und zwar für die Sekundarstufe eins. „Weil nur noch die Hälfte der Schüler in die Schule kommt, wird auch der Schülerverkehr entschlackt“, sagt Jatzwauk. „Und wir haben mehr Platz in den Klassenräumen.“ Seine Bilanz: Das sorbische Gymnasium fährt gut mit dieser Methode.

Weiterführende Artikel

Bayer prüft Produktion von Corona-Impfstoffen

Bayer prüft Produktion von Corona-Impfstoffen

14.000 Neuinfektionen in Deutschland, Inzidenz in Sachsen sinkt, Polizei kontrolliert Corona-Regeln in Skigebieten - unser Newsblog.

Corona: Das sind die neuen Regeln an Sachsens Schulen

Corona: Das sind die neuen Regeln an Sachsens Schulen

Sachsens Regierung will die Schulen mit allen Mitteln offen halten. Deshalb gelten auch dort teilweise neue Regeln.

Diese Corona-Regeln gelten im Dezember in Sachsen

Diese Corona-Regeln gelten im Dezember in Sachsen

Schärfere Regeln in Hotspots, weniger Kontakte, Ausnahmen zu Weihnachten, Gastro- und Kultureinrichtungen bleiben zu. Ein Überblick.

Landesschülerrat für Wechselunterricht

Landesschülerrat für Wechselunterricht

Der sächsische Schülerrat hält bei hohen Corona-Zahlen die Einführung von Wechselunterricht für richtig. Allerdings fordert er die Freiheit jeder Schule.

Mit dem kostenlosen Newsletter „Bautzen kompakt“ starten Sie immer gut informiert in den Tag. Hier können Sie sich anmelden.

Zur Anmeldung für den kostenlosen Newsletter „Kamenz kompakt“ geht es hier.

Mehr Nachrichten aus Bautzen lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Bischofswerda lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Kamenz lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Bautzen