merken
PLUS Bautzen

Nach dem Hochwasser: Was wird aus Wilthens Sportplatz?

Nach den Überschwemmungen muss der Hartplatz der Fußballer grundhaft erneuert werden. Finanzielle Mittel hat der Verein nicht - aber fleißige Helfer und eine Idee.

Die Deckschicht des Hartplatzes in Wilthen war erst voriges Jahr erneuert worden. Vorletzte Woche spülte das Hochwasser große Teile davon weg. Sven Knop, der sportliche Leiter, und der restliche Vereinsvorstand hoffen nun auf eine flutsichere Lösung.
Die Deckschicht des Hartplatzes in Wilthen war erst voriges Jahr erneuert worden. Vorletzte Woche spülte das Hochwasser große Teile davon weg. Sven Knop, der sportliche Leiter, und der restliche Vereinsvorstand hoffen nun auf eine flutsichere Lösung. © SZ/Uwe Soeder

Wilthen. Ein leuchtend grünes, vierblättriges Kleeblatt ist das Markenzeichen der Sportgemeinschaft aus Wilthen. "Kleeblatt-Arena" nennen Kenner deshalb die Spiel- und Trainingsstätte des Vereins am Wilthener Ortsausgang in Richtung Tautewalde. "Dieses Mal hat es uns kein Glück gebracht", sagt Frank Ahnert. Der frischgewählte Vereinspräsident wurde gleich zu Beginn seiner Amtszeit auf seine erste Probe gestellt: "Am vorletzten Freitag um 20 Uhr wurde ich gewählt, keine 24 Stunden später stand der Hartplatz unter Wasser", sagt Ahnert.

Das Vereinsgelände wurde beim Unwetter am vorletzten Wochenende schwer getroffen. Am westlichen Ende des Hartplatzes, der erst im Oktober letzten Jahres für etwa 10.000 Euro eine neue Deckschicht bekam, brach infolge der Wassermengen ein Damm - der Platz wurde überflutet. "Das Butterwasser macht dort eine 90-Grad-Kurve. Unter normalen Bedingungen ist das kein Problem. Dieses Mal aber hat das Wasser so gedrückt, dass der Damm gebrochen ist", erklärt Ahnert die Ursache der Überschwemmung.

Anzeige
Geld für Vereine, Projekte, mehr Zuversicht!
Geld für Vereine, Projekte, mehr Zuversicht!

Mit einem Crowdfundingprojekt unterstützt die Volksbank Dresden-Bautzen eG gemeinnützige Projekte.

Am westlichen Ende des Hartplatzes war ein Damm unter den Wassermassen gebrochen. Der Platz wurde überflutet. Das Butterwasser macht hier in seinem Verlauf eine 90-Grad-Kurve.
Am westlichen Ende des Hartplatzes war ein Damm unter den Wassermassen gebrochen. Der Platz wurde überflutet. Das Butterwasser macht hier in seinem Verlauf eine 90-Grad-Kurve. © SZ/Uwe Soeder

Bemerkt wurde die eher zufällig. "Einige Vereinsmitglieder wollten ins Stadtgebiet, um dort ihre Hilfe anzubieten. Dabei haben sie gemerkt, dass der Platz und die Straße unter Wasser stehen", berichtet Ahnert.

Sportplatz ist komplett zerstört

Die Folgen sind enorm: "Der Platz ist hinüber", fasst Ahnert knapp zusammen. Bis auf die Drainage-Schicht hat das Wasser die Oberfläche des Platzes mit sich gerissen. Die besteht aus einer feinkörnigen, fast pulvrigen Deckschicht. Darunter befindet sich Frostschutz. "Alles nur noch Sondermüll", sagt der Vereinspräsident, denn: Der Schlamm habe sich mit der Deckschicht vermischt, wird bei direkter Sonneneinstrahlung knochenhart, bei Regen und Feuchtigkeit in Windeseile glitschig.

Um das Ausmaß der Schäden nicht zu groß werden zu lassen, riefen die Wilthener Sportler deshalb in der vergangenen Woche über die sozialen Netzwerke zum Arbeitseinsatz auf. "Es war total wichtig, dass wir sofort draufgegangen sind und so viel wie möglich beräumt haben, bevor der Schlamm richtig fest wurde", erklärt Ahnert, als er am Sonnabend auf dem Vereinsgelände steht. Er ist gerührt. Denn etwa 50 Freiwillige waren zu diesem Zeitpunkt dem Aufruf der Sportgemeinschaft gefolgt und hatten ihre Hilfe angeboten. "Hier sind heute bei Weitem nicht nur Vereinsmitglieder. Auch von außerhalb des Vereins sind viele Helfer gekommen, haben Verpflegung und Werkzeuge mitgebracht", sagt Frank Ahnert. Darüber hinaus sei auch der Bauhof vor Ort, habe Mitarbeiter und schweres Gerät zur Verfügung gestellt.

Damm behelfsmäßig wieder hergestellt

Gemeinsam wurde die Zufahrt zum Vereinsheim vom Schlamm befreit, Unrat, der vom Wasser auf den Hartplatz geschwemmt worden war, wurde beseitigt. Sogar der gebrochene Damm konnte geflickt werden: "Es gab eine kleine Brücke über das Butterwasser, die wir immer genutzt haben, um Bälle zurückzuholen. Die wurde weggespült. 30 Meter entfernt haben wir sie wiedergefunden. Aus den Einzelteilen haben wir den Damm behelfsmäßig rekonstruiert", erklärt Ahnert.

Teilweise wurde die Oberfläche des Platzes bis auf die Drainage-Schicht weggespült. Weil sich die Materialien mit Schlamm vermengt haben, muss der Platz komplett erneuert werden.
Teilweise wurde die Oberfläche des Platzes bis auf die Drainage-Schicht weggespült. Weil sich die Materialien mit Schlamm vermengt haben, muss der Platz komplett erneuert werden. © SZ/Uwe Soeder

Doch trotz allen Einsatzes - eine Gewissheit bleibt: "Der Platz muss neugebaut werden", stellt der Vereinspräsident fest. Das klingt in der Theorie einfacher, als es sich in der Praxis darstellt: Die Deckschicht des Platzes einfach wieder herzustellen, würde im Falle eines weiteres Starkregen-Ereignisses zu denselben Konsequenzen führen. Die Idealvariante, die dem Vorstand der Spielgemeinschaft derzeit vorschwebt, wäre ein höher angelegter Kunstrasenplatz, der den Folgen einer Überschwemmung besser trotzen könnte. "Ob der genehmigt wird, hängt aber von den Behörden ab", sagt Frank Ahnert. Die Vereinsmitglieder seien für jede Lösung offen und weiterhin bereit zu helfen, aber: "Was wir jetzt brauchen, ist eine zielführende Idee. Wir sind hier alles keine Ingenieure", so Ahnert.

Sportplatzneubau kostet 750.000 Euro

Ebenfalls noch offen ist die Frage nach der Finanzierung des Platzneubaus: Erst im Oktober 2019 wurde das neue Vereinsheim übergeben. Die Sportgemeinschaft hat für den Neubau einen Kredit aufgenommen. "Wir haben derzeit keinerlei Barmittel", sagt Ahnert. Immerhin: Der Neubau hat sich bereits bezahlt gemacht: "Wir mussten damals wegen der Hochwassergefahr 20 Zentimeter höher bauen. Das hat sich ausgezahlt. Im Gebäude gab es jetzt keine Schäden", sagt Ahnert.

Und auch für die Rekonstruktion des Platzes ist Hilfe in Sicht. Rund 2,8 Millionen Euro werde es voraussichtlich kosten, die öffentliche Infrastruktur in Wilthen nach den Überflutungen wieder adäquat herzustellen, schätzt Bürgermeister Michael Herfort (CDU). Rund 750.000 Euro davon entfallen auf den Sportplatzneubau. "Wir haben diese Zahlen ans Landratsamt gemeldet und hoffen auf Hilfen von Freistaat und Landkreis", so der Bürgermeister. Darüber hinaus hat die Stadt bei der Ehrenamtsstiftung ein Spendenkonto eingerichtet, auf das nicht zweckgebundene Spenden zur Beseitigung privater Hochwasserschäden eingezahlt werden können.

Weiterführende Artikel

Peschel will Soforthilfe für flutgeschädigte Orte

Peschel will Soforthilfe für flutgeschädigte Orte

Zwei Wochen nach dem Hochwasser war der AfD-Landtagsabgeordnete Frank Peschel im Bautzener Oberland unterwegs - und hat jetzt eine klare Forderung.

Neukirch: Zehn Millionen Euro Schaden nach Hochwasser

Neukirch: Zehn Millionen Euro Schaden nach Hochwasser

In Neukirch/Lausitz waren 170 Haushalte von den Überschwemmungen Mitte Juli betroffen. Jetzt gibt es Überlegungen, wie sich so etwas künftig vermeiden lässt.

Fakt ist aber auch: Bis die Hilfen anrollen, bleibt der Hartplatz neben dem Vereinsheim für die knapp 200 Mitglieder der Sportgemeinschaft unbespielbar. Abhilfe leistet vorerst der benachbarte und wesentlich höher gelegene Rasenplatz. Der ist allerdings nur zwischen März und November bespielbar. "Wir müssen jetzt zusammenrücken, unseren Trainings- und Spielbetrieb neu organisieren und hoffen, dass wir keinen nassen Herbst bekommen", sagt Ahnert. Für den Fall der Fälle hätten auch befreundete Vereine Unterstützung und ihre Spielstätten zur Nutzung angeboten.

Um den Betroffenen zu helfen, bittet die Stadtverwaltung Wilthen um Spenden unter dem Stichwort "Hochwasser" auf das Konto der Ehrenamtsstiftung.

Stiftungskonto:

IBAN: DE 78 8555 0000 1002 0115 89

BIC: SOLADES1BAT

Mehr zum Thema Bautzen