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„Wir können im Neubau nicht günstiger vermieten“

Um die Mieten in den neuen Häusern in Bautzen ist eine Debatte entbrannt. Die BWB-Chefin erklärt die Preise - und wie sie günstige Wohnungen schaffen will.

Kirsten Schönherr, Geschäftsführerin der Bautzener Wohnungsbaugesellschaft, erklärt, warum sie die Mietpreise in den neuen Häusern in der Bautzener Hegelstraße nicht senken kann.
Kirsten Schönherr, Geschäftsführerin der Bautzener Wohnungsbaugesellschaft, erklärt, warum sie die Mietpreise in den neuen Häusern in der Bautzener Hegelstraße nicht senken kann. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Im Februar sind die ersten Mieter in die neuen Häuser in der Hegelstraße in Bautzen eingezogen. Nach einem Bericht darüber ist eine Debatte entbrannt: Sind die Mieten dort zu teuer? Vermieter ist dort die Bautzener Wohnungsbaugesellschaft (BWB), die gleichzeitig mit etwa 3.700 Wohnungen und 111 Gewerbeeinheiten der größte Vermieter der Stadt ist. Sächsische.de sprach mit der Geschäftsführerin Kirsten Schönherr darüber, warum die Miete dort so teuer ist – und ob es an günstigem Wohnraum für Familien mangelt.

Frau Schönherr, viele Leser beklagen, dass die Miete in den neuen Häusern an der Hegelstraße zu teuer ist – vor allem für Familien. Was kostet das Wohnen dort?

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Das ist nicht für jede Wohnung gleich. Unser Durchschnittsmietpreis liegt bei 6,99 Euro Netto-Kaltmiete pro Quadratmeter. In den unteren Etagen liegt der Preis etwas drunter, in den oberen drüber – da haben die Leute ja eine Top-Aussicht. Das bedeutet: Wer etwas weniger Geld hat, kann in den Häusern an der Hegelstraße in einer der unteren Etagen durchaus für 6,50 Euro wohnen.

Was gehört bei dem Preis an Ausstattung dazu?

Die Wohnungen sind gut ausgestattet. Sie haben alle Fußbodenheizung, sie haben Jalousien, große Balkone. Die Vier- und die Fünf-Raum-Wohnungen haben separate Gäste-WCs. Ein Designboden gehört dazu. Geheizt wird mit Fernwärme. Vor allem war uns aber wichtig, dass die Wohnungen gute Grundrisse haben – sich gut einrichten lassen.

Zum Vergleich: Der aktuellste Bautzener Mietspiegel ist von 2018. Da steht ein Mietdurchschnittspreis von 4,64 bis 6,63 Euro.

Bei dem Mietspiegel sind Neubauten ausgenommen, mit der Miete in der Hegelstraße kann man das also nicht vergleichen. Unsere Durchschnittsmiete bei der BWB, über alle Wohnungen verteilt, liegt im Schnitt bei 4,88 Euro pro Quadratmeter. Dazu kommen im Schnitt über den Gesamtbestand 2,08 Euro Betriebskosten.

Das klingt niedrig – wie kommt das?

Wir haben sehr viele Bestandsmieter. Und für die haben wir die Mieten in der Vergangenheit kaum erhöht. Außer, wir haben große Modernisierungen vorgenommen. Wenn aber beispielsweise jemand seit 20 Jahren in einer Wohnung wohnt und wir dort nicht modernisiert haben, dann hat sich die Miete nicht erhöht. Aber auch nach dem Modernisieren gehen wir selten über sechs Euro – in der Regel landen wir bei zwischen 5,50 Euro und 5,80 Euro.

Sind die Wohnungen an der Hegelstraße also zu teuer?

Das ist eine interessante Diskussion. Dahinter liegt im Wesentlichen eine Gerechtigkeitsdebatte. Die Leute fühlen: Wenn sie arbeiten gehen, aber nicht so viel verdienen, sich das nicht leisten können, dann ist das ungerecht. Das verstehe ich. Das Problem ist: Wir können nicht weiter heruntergehen. Denn an den Neubauten verdienen wir im Prinzip nichts. Das ist ein bilanzielles Problem.

Inwiefern?

Für die, die es genau wissen wollen: Das Haus zählt als Anlage – und mit weniger Miete würde ich rechnerisch Verlust machen. Da gibt es eine bundesweite Verordnung, die das so vorsieht. Wir haben zehn Millionen Euro investiert. Wir müssen einen gewissen Ertrag einbringen, der von der Summe abhängt, die wir investiert haben. Der Ertragswert darf nicht unter die Hälfte des Anschaffungswertes sinken. Übrigens: Ein privater Investor würde das niemals so günstig machen.

Vier neue Wohnhäuser mit jeweils zehn Wohnungen hat die BWB in der Hegelstraße in Bautzen errichtet.
Vier neue Wohnhäuser mit jeweils zehn Wohnungen hat die BWB in der Hegelstraße in Bautzen errichtet. © SZ/Uwe Soeder

Haben Sie ein Beispiel?

Naja, man muss ja immer bedenken: Ein Neubau ist im Schnitt teurer als ein Altbau. Aber ich habe gerade erst gesehen, für welchen Preis die neu sanierten Altbau-Wohnungen in der Kurt-Pchalek-Straße angeboten werden: Da geht es um etwa neun bis zehn Euro pro Quadratmeter. Die sieben Euro in der Hegelstraße, die sind wirklich ein Freundschaftspreis. In den neuen Häusern in der Flinzstraße werden wir das nicht für den Preis hinbekommen.

Wieso nicht?

Die Häuser kosten etwa fünf Millionen Euro im Bau, aber eben auf 18 Wohnungen statt auf 40 gerechnet. Es geht da um drei Doppelhäuser mit jeweils sechs Wohnungen. Die sind versetzt gebaut, sodass auf jeder Etage nur eine Wohnung ist. Das ist ein sehr individuelles Wohnen, so etwas ist heutzutage sehr gefragt. Die Leute wollen nicht Tür an Tür in einem Häuserblock, in einer Schachtel wohnen. Das merken wir immer wieder. Deshalb werden wir in der Flinzstraße eher bei acht Euro Miete pro Quadratmeter landen. Aber das sind nur Drei- und Vier-Raum-Wohnungen, also alles für Familien.

Die Familien fordern günstigen Wohnraum. Hat die BWB da noch etwas im Angebot oder ist der Markt wirklich so überlaufen?

Es gibt über die Stadt verteilt einen Leerstand von etwa zwischen drei und fünf Prozent. Mancherorts mehr, mancherorts aber auch quasi gar keinen. Insgesamt ist das nicht viel. Wir erleben eine große Nachfrage. Wir haben noch viele Wohnungen mit DDR-Grundrissen frei, da sind die Wohnungen nicht so groß. Die Leute wollen aber größere Flächen, einen modernen Zuschnitt, moderne Siedlungen – und da haben wir leider wirklich nichts mehr frei.

Gibt es dazu Ideen für Projekte?

Wir können natürlich nicht aus einem Block ein kleinteiliges Haus zaubern. Aber die Sache mit dem günstig Wohnen wollen wir angehen. Es soll ein neues Förderprogramm des Freistaats geben, das Wohnungen bezuschusst für Menschen mit niedrigem Einkommen. Wir hoffen, da heranzukommen – um damit Häuser zu sanieren. Welche das sind, verrate ich noch nicht – aber da sind wir dran.

Und in der Kurt-Pchalek-Straße wollen wir ebenfalls ein Haus mit drei Vier-Raum-Wohnungen modernisieren. Das wird nicht so teuer, weil wir da auch in ein Förderprogramm fallen können. Da werden wir im Mietspiegel bleiben, also um die sechs Euro. Auch an der Petrikirche haben wir ein Haus, wo wir drei Wohnungen einrichten wollen. Aber wie gesagt: Mit einem Neubau geht das nicht so günstig. Da ist eine Miete unter sieben Euro nicht zu machen. Das geht nur, wenn wir Bestand sanieren – und das haben wir vor.

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