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Wo es im Kreis Bautzen die meiste Kriminalität gibt

Im Vergleich zum Vorjahr wurden 2020 im Kreis mehr Straftaten registriert. Wo besonders viel passiert ist – und in welche Gemeinde sich kaum Täter verirrten.

Klassische Wohnungseinbrüche gab es im Kreis Bautzen 2020 verhältnismäßig wenige.
Klassische Wohnungseinbrüche gab es im Kreis Bautzen 2020 verhältnismäßig wenige. © Archiv: Silas Stein/dpa (Symbolbild)

Bautzen. Wie in einem Alptraum kommt sicher vielen diese Szene vor: Eine 89-Jährige liegt im Wohnzimmer und schläft, als sie plötzlich von Geräuschen auf dem Dachboden geweckt wird. Kurz darauf steht ein Mann vor der Frau – und verlangt Geld von ihr. Sein Gesicht hat er verdeckt, er trägt Handschuhe.

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Das ist im November 2020 einer Seniorin in Kamenz passiert. Der Mann soll, so teilte es damals die Polizei mit, die Balkontür aufgehebelt haben, um in die Wohnung zu gelangen. Er konnte fliehen, ohne geschnappt zu werden.

Klassische Wohnungseinbrüche wie dieser sind aber vergleichsweise selten im Kreis Bautzen. Anders verhält es sich mit Diebstählen. Die gehören zu den häufigsten Delikten, die 2020 im Kreis Bautzen begangen wurden. An die 5.000 Fälle hat die Polizei verzeichnet. Das geht aus dem neuen Kriminalitätsatlas hervor, den das Landeskriminalamt jetzt herausgegeben hat. Und noch mehr spannende Dinge sind in dem Zahlenwerk zu finden.

Wo im Kreis Bautzen besonders viel passiert ist

Insgesamt sind 2020 im Kreis Bautzen 14.470 Straftaten gemeldet worden, 2019 waren es 13.951 Delikte. Um vergleichen zu können, wo besonders viele Straftaten begangen wurden, hat die Polizei die Zahl für die Städte und Gemeinden auf 100.000 Einwohner umgerechnet. Negativ-Spitzenreiter ist die Stadt Bautzen mit 8.913 Straftaten auf 100.000 Einwohner – dicht gefolgt von der Stadt Hoyerswerda mit 8.570 Straftaten. Mit knapp über 7.000 Straftaten landet Kamenz auf Platz drei, Platz vier belegt – Achtung! – nicht wie jetzt zu erwarten gewesen wäre Bischofswerda, sondern die Gemeinde Burkau. Die Stadt Bischofswerda landet auf Platz 5.

Auffällig ist, dass die Gemeinden am westlichen Rand des Landkreises Bautzen im Schnitt – auf 100.000 Einwohner gerechnet – mehr Straftaten aufweisen, als die an der östlichen Grenze des Landkreises.

Wohin sich kaum ein Straftäter verirrt

In einer Kategorie hätte ein Ort aus dem Kreis Bautzen beinahe eine sachsenweite Spitzenreiter-Position belegt: Die Gemeinde Crostwitz weist nur 585 Straftaten auf 100.000 Einwohner auf. Damit ist es die Gemeinde mit den wenigsten Straftaten im Kreis Bautzen. Und nicht nur das. Auch im gesamtsächsischen Vergleich steht Crostwitz gut da. Dabei landet die Gemeinde auf Platz zwei.

Nur in eine Kommune verirren sich noch weniger Straftäter: Sachsenweit auf Platz eins liegt Hartmannsdorf-Reichenau mit 197 Straftaten auf 100.000 Bewohner. Für alle, die diesen Ort genauso wenig auf dem Radar haben wie offensichtlich die Straftäter: Die Gemeinde liegt im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge.

Beim Blick in den Kriminalitätsatlas fällt überhaupt eins auf: Nicht nur in Crostwitz geht es ruhig zu. Viele Gemeinden rund um Kamenz kommen verhältnismäßig gut weg. So gab es beispielsweise auch in den Gemeinden Neukirch bei Königsbrück, Nebelschütz, Oßling, Steina und Panschwitz-Kuckau sowie in Haselbachtal und in der Stadt Elstra weniger als 2.000 Straftaten pro 100.000 Einwohner.

Die meisten Straftaten im Kreis Bautzen gab es 2020 in Bautzen und Hoyerswerda. Nach Crostwitz verirrten sich nur wenige Straftäter; die Gemeinde steht sachsenweit mit am besten da.
Die meisten Straftaten im Kreis Bautzen gab es 2020 in Bautzen und Hoyerswerda. Nach Crostwitz verirrten sich nur wenige Straftäter; die Gemeinde steht sachsenweit mit am besten da. © SZ Grafik

Welche Straftaten besonders häufig vorkommen

Im Vergleich zu den anderen Landkreisen in Sachsen ist Bautzen kein Kriminalitätshotspot. Weder an der Gesamtzahl an Straftaten gemessen – noch an bestimmten einzelnen Delikten. Etwas häufiger als andernorts kamen aber Diebstähle vor. Knapp 5.000 waren es 2020 im Landkreis. Schwerpunkt ist dabei nicht die Stadt Bautzen, sondern Hoyerswerda.

Verbreitet sind der Statistik zufolge in der Region zum Beispiel Autodiebstähle. So landet der Kreis Bautzen – in absoluten Zahlen gemessen – dabei auf Platz vier. Insgesamt sind im Kreis 130 Autodiebstähle gemeldet worden. Sachsenweiter Spitzenreiter ist die Stadt Leipzig mit 371 Autodiebstählen. Auf Platz zwei folgt der Kreis Görlitz mit 282, auf Platz drei landet Dresden mit 178 Fällen. Generell ist die Zahl der Autodiebstähle in Sachsen in den vergangenen Jahren zurückgegangen. Auch im Kreis Bautzen sind 2016, 2017 und 2018 noch deutlich mehr Autos gestohlen worden. 2019 waren es ähnlich viele wie 2020.

Aber nicht nur Autos sind im vergangenen Jahr geklaut worden. Auch in Diensträumen, Büros, Fabriken, Werkstätten oder Lagerräumen haben sich immer wieder Langfinger zu schaffen gemacht. Pro 100.000 Einwohner kam das im Landkreis 115 Mal vor. Damit landet Bautzen auf Platz fünf im gesamtsächsischen Vergleich. Davor liegen Leipzig, Dresden, Chemnitz und Nordsachsen.

Recht sicher fühlen können sich im Kreis Bautzen hingegen diejenigen, die ihre Wohnung sorgfältig abschließen. Denn klassische Wohnungseinbrüche sind im vorigen Jahr verhältnismäßig selten gewesen. Mit nur 33 Fällen auf 100.000 Einwohner landet der Kreis Bautzen auf Platz zwei. Noch weniger Einbrüche gab es umgerechnet nur im Erzgebirgskreis. Hotspot ist die Stadt Leipzig.

Wo es Straftaten gegen das Leben gab

Zu den sogenannten Straftaten gegen das Leben zählen zum Beispiel Mord, Totschlag und fahrlässige Tötung – oder auch der Versuch. Im Jahr 2020 sind der Polizei im Kreis Bautzen neun Fälle bekannt geworden. Drei Fälle – und damit die meisten – gab es in Hoyerswerda, zwei in Pulsnitz und jeweils einen in Bautzen, Großröhrsdorf, Lauta und Radeberg.

Wo Schwerpunkte für Sexualdelikte liegen

Was Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung betrifft, steht der Kreis Bautzen besser da als andere. Er landet auf Platz vier. Dennoch kommen auf 100.000 Einwohner 77 Fälle. Zum Vergleich: Chemnitz belegt den Negativ-Rang eins mit 123 Fällen pro 100.000 Einwohner, in Leipzig werden dagegen mit 66 Fällen die wenigsten gemeldet. Zu Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung zählen Vergewaltigung und Missbrauch ebenso wie sexuelle Nötigung oder Exhibitionismus oder das Verbreiten von pornografischen Inhalten.

Im Kreis Bautzen gab es im vorigen Jahr vor allem in zwei Städten besonders viele Fälle: in Bautzen und Hoyerswerda. Auch in Königsbrück und Radeberg sind etliche gemeldet worden.

Wer im Kreis Bautzen Straftaten begeht

Kriminalitätsschwerpunkte im Kreis Bautzen sind zwar vor allem die Städte. Aber ein Thema, was die Polizei schon lange beschäftigt, ist die Grenzkriminalität. Da geht es um Autos oder anderes Diebesgut, das in die Nachbarländer gebracht wird. Das Landeskriminalamt hat deshalb auch die Herkunft der Tatverdächtigen analysiert, die geschnappt werden konnten. Daraus geht hervor: Bautzen liegt im sächsischen Vergleich im unteren Bereich, was den Anteil der nicht-deutschen Tatverdächtigen anbelangt.

In absoluten Zahlen hat die Polizei im Kreis Bautzen 2020 insgesamt 937 ausländische Tatverdächtige gefasst. Ausgenommen sind hier die Straftaten, die sich explizit aufs Ausländerrecht beziehen; gemeint sind beispielsweise Verstöße gegen das Aufenthaltsrecht. Anteilig sind damit 15,5 Prozent der gefassten Tatverdächtigen nicht-deutsch. Den größten Anteil weist Chemnitz auf mit 28,2 Prozent, den kleinsten Anteil Leipzig mit 13,5 Prozent.

Und noch ein Wert ist interessant: Die Polizei hat herausgefiltert, wie viele der nicht-deutschen Tatverdächtigen Zuwanderer sind. In absoluten Zahlen gehen sachsenweit im Kreis Bautzen die wenigsten Straftaten auf Zuwanderer zurück, nämlich 289. In Dresden sind es 2.100 Fälle.

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