merken
PLUS Bautzen

Bautzener Pflegeheim: In elf Jahren viermal überflutet

Das Heim in der Bautzener Seidau hatte beim jüngsten Starkregen erneut mit Wassermassen zu kämpfen. Die Chefin hat nun eine klare Forderung an die Stadt.

Wo Ursula Fleischer, Geschäftsführerin des Pflegeheims Bautzen-Seidau, am Dienstag steht, stand am Wochenende das Wasser. Sie fordert, dass dass die Stadt sich nun schnell um den Hochwasserschutz für den Stadtteil kümmert.
Wo Ursula Fleischer, Geschäftsführerin des Pflegeheims Bautzen-Seidau, am Dienstag steht, stand am Wochenende das Wasser. Sie fordert, dass dass die Stadt sich nun schnell um den Hochwasserschutz für den Stadtteil kümmert. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Das Pflegeheim in der Bautzener Seidau war vorbereitet, so gut es ging. Die Spundwände waren montiert, die einst bodentiefen Fenster sind schon vor Jahren nach oben versetzt und verkleinert worden, das Pumpensystem war einsatzbereit. Dass Wasser in den Keller von Haus drei eindrang, konnte bei dem Starkregen am Wochenende trotzdem nicht verhindert werden. In dem Haus leben 35 Bewohner. „Es ist der tiefste Punkt auf dem Gelände“, erklärt Ursula Fleischer, Geschäftsführerin des Pflegeheims.

Zoo Dresden
Tierisch was erleben
Tierisch was erleben

Welche spannenden Neuigkeiten gibt es bei Pinguin, Elefant und Co.? Wer wird Tier des Monats? Hier können Sie abstimmen und erfahren mehr über die tierischen Bewohner des Zoo Dresden.

So schlimm wie 2018 sei das Hochwasser diesmal nicht gewesen. Damals mussten Teile des Hauses evakuiert werden. Dennoch: „Das war heftig“, sagt Ursula Fleischer wenige Tage nach dem Ereignis. „Es passierte alles mit einer gigantischen Geschwindigkeit.“ Gegen 16 Uhr habe es begonnen zu regnen, gegen 19 oder 20 Uhr sei der Spuk bereits wieder vorbeigewesen.

So sah es am Wochenende in der Bautzener Seidau aus: Das Wasser drang in den Keller eines Hauses des Pflegeheims.
So sah es am Wochenende in der Bautzener Seidau aus: Das Wasser drang in den Keller eines Hauses des Pflegeheims. © Jörg Stephan

Dieses Mal habe es eben nur den Keller betroffen. In dem befinden sich Nutzräume, Umkleidekabinen zum Beispiel. Aber die Bewohner haben ihre Zimmer erst ab dem Erdgeschoss. Und auch die Wasserhöhe sei nicht ganz so dramatisch wie damals gewesen. Dieses Mal stand es im Keller vielleicht 30 Zentimeter hoch, schätzt Ursula Fleischer – bei den vergangenen Hochwasserereignissen erreichte es eine Höhe von etwa 1,70 Meter.

Dennoch: Mit dem Wasserpegel steige auch das Frustlevel. Und zwar in der gesamten Seidau. Der Stadtteil war einer der Einsatzschwerpunkte am Wochenende. Dass es trotzdem vergleichsweise harmlos blieb - da ist Ursula Fleischer überzeugt -, liegt auch daran, dass das Heim selber vorgesorgt hat. Ohne Spundwände und die höheren Fenster hätte es anders aussehen können, meint sie.

Mühlenbau-Firma ist ebenfalls betroffen

„Wir sind zum vierten Mal in elf Jahren betroffen“, sagt Ursula Fleischer verärgert. Sie zählt auf: „2010, 2012, 2018 – und nun eben auch noch 2021.“ Und seit elf Jahren, so erzählt die Chefin der Pflegeeinrichtung, werden dem Bautzener Stadtteil Hochwasserschutzmaßnahmen versprochen. Zu sehen ist von denen aber noch nicht viel. „Es muss endlich etwas getan werden“, fordert Ursula Fleischer deshalb. „Wir rechnen damit, dass dies nicht der letzte Starkregen war.“

Davon geht auch die Firma Mühlenbau Hermann Zähr aus, die ihren Sitz ebenfalls in der Seidau hat. „Dieses Mal sind wir weitestgehend verschont geblieben“, sagt ein Mitarbeiter, „wir hatten Glück.“ Das Wasser sei zwar auf den Hof gelaufen; weiter aber nicht. 2018 sei das anders gewesen, damals zerstörte das Hochwasser Schweißmaschinen und andere Geräte. Der Firma entstand ein hoher Schaden.

Wasser kommt von den Feldern

„Wir haben selber Maßnahmen ergriffen“, berichtet der Mühlenbau-Mitarbeiter. Das bedeutet: Die Firma setzt Aluminium-Dammbalken ein. Aber auch sie geht davon aus, dass ein Rückhaltebecken, wie es die Stadt versprochen hat, helfen würde. „Vor allem auch den Anwohnern, deren Autos beispielsweise durch das Hochwasser Schaden nehmen könnten.“

Das Wasser, das dem Stadtteil solche Probleme bereitet, kommt zum Großteil von den Feldern. Weiter unten drückt es aus dem Jordanbach, der unterirdisch durch Rohre fließt. Das Problem ist seit Jahren bekannt. Schon lange ist deshalb von einem Hochwasserrückhaltebecken die Rede, das am alten Bahndamm der ehemaligen Bahnstrecke Bautzen-Hoyerswerda in Rattwitz gebaut werden soll. Es soll Schlamm und Wassermassen auffangen, bevor sie in Richtung Seidau stürzen. Und bevor das Wasser den Jordanbach überfüllt. Nur: Wo bleibt dieses Becken?

Stadt will 2022 Aufträge für Becken ausschreiben

Danach gefragt, sagt die Stadtverwaltung nicht viel. Sie verweist nur auf eine Presseanfrage, in der das Thema vor Kurzem angeschnitten worden ist. Daraus geht hervor: Geplant ist dieses Becken bereits. Es soll 1,3 Millionen Euro kosten, die Finanzierung ist zum Teil durch offene Haushaltsmittel aus den Vorjahren untersetzt. Mit den Ausschreibungen der Aufträge will die Stadt, so hatte sie bereits im Frühjahr bekannt gegeben, im Jahr 2022 beginnen – und dann zeitnah auch mit dem Bau.

„Ja, das hat alles seine Zeit gebraucht“, sagt der Stiebitzer Ortsvorsteher Torsten Höhne. Er hat sich schon lange für Hochwasserschutzmaßnahmen in Rattwitz eingesetzt. „Die Planung solcher Maßnahmen ist komplex“, erklärt er. „Da werden die Anliegen und Bedenken von Anwohnern berücksichtigt. Und letztendlich muss jeder Besitzer von Wiesenland auch einwilligen, dass seine Fläche im Notfall tagelang überflutet werden darf.“ Das sei nach seinem Kenntnisstand inzwischen alles geklärt – und damit auch diese Hürde genommen. „Ich bin zuversichtlich, dass es nun bald losgeht“, sagt Höhne.

Mehr zum Thema Bautzen