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Hier soll die neue Neschwitzer Kita entstehen

Das Kinderhaus braucht mehr Platz. Die Gemeinde hat verschiedene Varianten untersucht - und jetzt eine ungewöhnliche Lösung gefunden.

Aufgrund der schlechten Bodenbeschaffenheit war der zweite Fußballplatz des SV Neschwitz kaum nutzbar. Bürgermeister Gerd Schuster hat mit dem Verein einen Deal ausgehandelt und treibt nun das Vorhaben eines Kita-Neubaus auf dem Areal voran.
Aufgrund der schlechten Bodenbeschaffenheit war der zweite Fußballplatz des SV Neschwitz kaum nutzbar. Bürgermeister Gerd Schuster hat mit dem Verein einen Deal ausgehandelt und treibt nun das Vorhaben eines Kita-Neubaus auf dem Areal voran. © SZ/Uwe Soeder

Neschwitz. Es ist eine Frage, die die Gemeinde Neschwitz schon lange mit sich herumschleppt: Wie soll auf den gestiegenen Platzbedarf in der Kindertagesstätte "Max und Moritz" reagiert werden? Wegdiskutieren lässt sich die Nachfrage nach Betreuungsmöglichkeiten nicht. Die Gemeinde ist zum Handeln gezwungen, sieht sich aber mit einer klammen Kasse konfrontiert. Nach einer Lösung für das Dilemma wird seit über einem Jahr gesucht. Jetzt ist der Gemeinderat ihr einen Schritt näher gekommen.

Die Idee, das DRK-Kinderhaus an der Puschwitzer Straße durch einen Anbau zu erweitern, ist inzwischen vom Tisch. Zwar wäre das die kostengünstigste Variante für die Gemeinde gewesen - allein eine Reihe von Folgeproblemen sprachen dagegen. Der Neschwitzer Bürgermeister Gerd Schuster (CDU) erklärt: "Bauen im Bestand zieht immer die Frage nach einer Interimslösung für die Betreuung nach sich. Darauf hatten wir keine Antwort."

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Darüber hinaus ist der Platz rund um den Plattenbau, in dem sich die Einrichtung derzeit befindet, gering. Jeder Anbau hätte unweigerlich eine Minimierung der Freiflächen bedeutet. Darüber hinaus leben seltene Fledermäuse in dem Gebäude, die Parksituation ist unglücklich und die rund 30 Angestellten der Einrichtung haben keinerlei Aufenthaltsmöglichkeiten.

Verschiedene Standorte für den Kita-Neubau untersucht

Der Gemeinderat sprach sich daher für einen Neubau aus. Aber wo soll der entstehen? Gerd Schuster: "Im Gespräch waren verschiedene Flächen, beispielsweise die Nutzung der ehemaligen Stallanlagen des Rittergutes. Wir hätten das Gebäude abreißen müssen, aber der Denkmalschutz befand die Gewölbestrukturen als erhaltenswert. Andere Immobilien, die ins Spiel gebracht wurden, scheiterten am Erhaltungszustand oder den Eigentumsverhältnissen."

An der Neschwitzer Kastanienallee befinden sich bereits die Grundschule samt Hort und das Vereinshaus des SV Neschwitz samt zugehöriger Trainingsstätten. Ein Kita-Neubau in diesem Areal bietet sich an.
An der Neschwitzer Kastanienallee befinden sich bereits die Grundschule samt Hort und das Vereinshaus des SV Neschwitz samt zugehöriger Trainingsstätten. Ein Kita-Neubau in diesem Areal bietet sich an. © SZ/Uwe Soeder

Ein Favorit, den die Gemeinde bereits vor einem Jahr ins Spiel brachte, erwies sich aber auch bei genauerer Betrachtung als etwas, das Gerd Schuster als "ziemlich charmante Idee" bezeichnet: Der Neschwitzer Sportverein verfügt derzeit über zwei Sportplätze. Der neuere von beiden, ein Fußballplatz mit einer 400-Meter-Bahn, war nach Aussage des Bürgermeisters aufgrund der dortigen Bodenbeschaffenheit stets schlecht bespielbar: "Der Unterhaltungsaufwand ist hoch, das Gras ist schlecht gewachsen - insgesamt ist dieser Platz nie das Lieblingskind des Vereins geworden", so Schuster.

Grundschule, Hort und Sportverein sind schon da

Als Bauland für die neue Kita eignet er sich indes hervorragend. Die Vorteile des Standortes liegen auf der Hand: Das Areal befindet sich an der Kastanienallee, einem verkehrsberuhigten Bereich. Sportverein, Grundschule und Hort sind schon da - ebenfalls ein großzügiger Parkplatz. Der Kita-Neubau auf dem verschmähten Rasenplatz würde laut Schuster zur Schaffung eines "Mini-Bildungs- und Sportzentrums" führen, das Neschwitz gut zu Gesicht stünde.

Und der Sportverein ist einverstanden. Er geht bei der Rückgabe des Platzes nicht leer aus: "Parallel mit der Entscheidung für den neuen Standort haben wir Fördermittel zur Renaturierung des unteren Sportplatzes beantragt", erklärt Schuster. Der Neschwitzer SV kann so auf eine Aufbereitung, eine neue Bewässerung und eine Beleuchtung des Trainingsplatzes hoffen. "Dinge, die der Verein sich schon lange wünscht", sagt Schuster.

So konkret wie die Vorstellung ist bereits der Zeitplan: Am 6. September soll das Vergabeverfahren starten, in dessen Rahmen sich Ingenieurbüros für die Planung des Kita-Neubaus bewerben können. Am 18. Januar 2021 soll der Gemeinderat einen Bewerber per Beschluss binden. In der nachfolgenden Planungsphase entsteht dann Klarheit über die Kosten, die sich ersten Schätzungen zufolge auf rund vier Millionen Euro belaufen. Und dort liegt das Problem.

Neubau soll über Kohlegeld finanziert werden

Denn leisten kann sich die Gemeinde den Kita-Neubau eigentlich nicht, deshalb hofft sie auf Gelder aus dem Strukturstärkungsgesetz. Gerd Schuster sitzt selbst im regionalen Begleitausschuss, der über die Vergabe der Kohlemillionen entscheidet und kennt die Kritik an dem Förderprogramm daher gut. Er sagt aber auch: "Die Fördermittelvergabe läuft holprig an, das ist aber bei einem Projekt dieser Größenordnung nicht verwunderlich."

Schuster geht davon aus, dass bei künftigen Vergaben auch Vorhaben Berücksichtigung finden, die weiche Standortfaktoren fördern, und rechnet sich vor diesem Hintergrund für Neschwitz gute Chancen aus: "Schließlich erfreuen wir uns eines guten Zuzugs", sagt er, bleibt aber auch realistisch: "In diesem und dem nächsten Jahr sind wir vielleicht noch nicht an der Reihe."

Bis dahin wird das jetzige Kita-Gebäude immer wieder Investitionen nötig haben. Auf lange Sicht aber droht der Immobilie der Abriss. Um zwei bis drei Grundstücke könnte dann das angrenzende Wohngebiet Am Frauenfeld wachsen - und für Nachwuchs in der neuen Kita sorgen.

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