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Wo der Pommritzer Käse entsteht

Auf Wochenmärkten der Region verkauft Thomas Hieke seine Bioprodukte aus Milch. Für die Herstellung hat er jetzt mehr Platz - auch dank seiner Kunden.

160 Quadratmeter ist die neue Molkerei groß, die Thomas Hieke mit seinem Ökolandbau Pommritz in einem Bauernhof eingerichtet hat. Möglich wurde das auch durch die Unterstützung seiner Kunden.
160 Quadratmeter ist die neue Molkerei groß, die Thomas Hieke mit seinem Ökolandbau Pommritz in einem Bauernhof eingerichtet hat. Möglich wurde das auch durch die Unterstützung seiner Kunden. © SZ/Uwe Soeder

Hochkirch. Man muss es einfach so klar sagen: Es bereitet immer wieder Freude, nach Pommritz zu fahren. Hat man die Bundesstraße 6 und die unübersichtliche Blutgasse in Hochkirch hinter sich gelassen, wird der Blick weiter, die Umgebung grüner und die Zeit langsamer. Und dann landet man bei Thomas Hieke. Mitten in Pommritz, dem Ort, in dem es keine Straßennamen braucht, steht Hieke da - grauhaarig, entspannt, lächelnd - und reicht blaue Füßlinge.

So ausgestattet führt er in den sterilen Weißraum der Molkerei des Ökolandbaus Pommritz, der in einem historischen Bauerngehöft untergebracht ist. Dort ist die Einrichtung modern, das Gemäuer alt - und die Verbindung von beidem grundsätzlich spannend. Ein erster Blick ins Rund enttäuscht nicht: Nachdem man die aufgearbeitete Holztür und den Flur mit den Fliesen aus dem Jugendstil überwunden hat, steht man bereits mitten im Geschehen.

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Von der historischen Bausubstanz, in dem das kleine Unternehmen untergebracht ist, ist im Inneren nichts mehr zu erahnen. Dort ist die Kleidung weiß - und die Kessel, Arbeitsflächen und Utensilien sind aus Edelstahl. Es riecht nach Molke. Mitarbeiter hantieren mit weißen Substanzen unterschiedlichster Konsistenz. Am Ende werden aus alledem unterschiedliche Arten von Käse, aber auch Quark und Joghurt.

Im Jahr werden 100.000 Liter Milch verarbeitet

Der Ökolandbau Pommritz von Thomas Hieke, der im vergangenen Jahr in dem kleinen Hochkircher Ortsteil eine neue Molkerei gebaut hat, ist ein unternehmerischer Zwerg mit langer Tradition: Seit 1993 wird hier bereits Käse hergestellt. 25.000 Liter Ziegenmilch aus eigener Herstellung werden pro Jahr verarbeitet, weitere 75.000 Liter Kuhmilch kauft Hieke zu. Das klingt viel, sei aber im Vergleich mit anderen Molkereien vergleichsweise wenig, versichert er.

Dennoch wurde es im Pommritzer Lebensgut, in dem die Käserei ursprünglich untergebracht war, allmählich zu eng. Außerdem lief der Pachtvertrag aus. Hieke packte sein Inventar zusammen und zog auf die gegenüberliegende Straßenseite.

Dort fand die Käseherstellung mehr Platz. Aus 65 Quadratmetern wurden 160. Für Thomas Hieke, der von sich sagt, dass er seine Pläne eigentlich lieber gemächlich umsetzt, ging das alles fast ein bisschen zu schnell. Rückblickend ist er aber froh über den Zeitdruck von außen - und ganz offensichtlich stolz auf das Geschaffene.

"Wir konnten die Molkerei in verschiedene Funktionsbereiche aufteilen, so stören sich die unterschiedlichen Arbeitsabläufe nicht gegenseitig", erklärt Hieke die wesentlichste Neuerung. Außerdem, fährt er fort und zeigt mit einer ausladenden Geste in den Raum, sei die Arbeit hier sehr viel angenehmer als noch im Lebensgut. So hätten etwa alle Produktionsräume Fenster. Der Verkaufswagen, aus dem heraus Hieke seine Produkte auf Wochenmärkten zwischen Görlitz und Dresden anbietet, könne über eine Rampe besser beladen werden.

Ökolandwirt hat sich einen großen Wunsch erfüllt

Und der Chef über sechs Mitarbeiter, einen Freiwilligen, der hier ein Ökologisches Jahr absolviert, und etwa 100 Ziegen nebst zwei Böcken hat sich außerdem einen ganz persönlichen Wunsch erfüllt: Eine automatische Tür verbindet Lager und Laderampe. "Wenn man beim Beladen des Verkaufswagens mit den schweren Stiegen die Tür jedes Mal händisch öffnen musste, war das unglaublich anstrengend", sagt Hieke.

Rund 300.000 Euro hat der Biobauer in die neue Molkerei investiert - und das, obwohl er bewusst darauf verzichtete, alles neu zu beschaffen. Das sei Teil seiner Philosophie, in der die nachhaltige Kreislaufwirtschaft als Wert ganz oben stehe. Dazu gehöre auch, dass er seine Produktion nicht noch weiter vergrößern wolle - obwohl die Kapazitäten in dem neuen Unternehmenssitz gegeben wären. "Landwirte können nicht ins Grenzenlose wachsen", ist Thomas Hieke überzeugt und spielt damit nicht nur auf sein eigenes Unternehmen, sondern auch auf das allgemeine Streben nach immer mehr Konjunktur und Gewinnmaximierung an. Beides hält er für falsch.

Kunden gaben Geld für den Bau der Molkerei

Hieke hat sich für einen anderen Weg entschieden, will seinen Betrieb bewusst klein und die Qualität seiner Produkte hoch halten. Seine Kunden wissen das offenbar zu schätzen: 110.000 Euro steuerten sie als Darlehen und Beteiligungen zum Bau der neuen Molkerei bei. "Wir haben eine ganz subtile, aber enge Bindung zueinander", schwärmt der Ökobauer. Auch deshalb plant er, die Eröffnungsfeier noch nachzuholen, die corona-bedingt bislang ausfallen musste. Im Herbst oder Winter, schätzt er, kann die Party auf seinem Ziegenhof aber endlich steigen.

Und dann, wenn die neuen Strukturen sich gefestigt haben und der Stress des Ausbaus vergessen ist, will Hieke ein weiteres Projekt umsetzen: Irgendwann, sagt er, könne er sich vorstellen, in den noch leeren Räumen auf seinem Unternehmenssitz einen kleinen Hofladen einzurichten - "wenn Luft, Energie und Zeit dafür da sind".

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Transparenzhinweis, 5. Oktober 2021: In einer früheren Version dieses Textes war zu lesen, dass Stammkunden sich mit Spenden am Bau der neuen Molkerei beteiligt hätten. Das war falsch. Tatsächlich handelte es sich um Darlehen und Beteiligungen. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

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