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Zehn spannende Fakten zum Osterreiten

In der Lausitz kennt das Osterreiten jedes Kind. Aber seit wann gibt es die Prozessionen schon? Und wer darf daran teilnehmen? Hier sind die Antworten.

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Bei strahlendem Sonnenschein fand das Osterreiten im vorigen Jahr statt - wegen Corona allerdings fast ohne Zuschauer und zum Teil auf anderen Routen. Diesmal dürfen die Prozessionen wie gewohnt stattfinden.
Bei strahlendem Sonnenschein fand das Osterreiten im vorigen Jahr statt - wegen Corona allerdings fast ohne Zuschauer und zum Teil auf anderen Routen. Diesmal dürfen die Prozessionen wie gewohnt stattfinden. © Steffen Unger

Bautzen. Dieses Jahr sind die Osterreiterprozessionen wieder uneingeschränkt möglich. Nachdem 2020 das Osterreiten wegen Corona ganz ausfallen musste und 2021 nur eingeschränkt und fast ohne Zuschauer stattfinden konnte, ist es in diesem Jahr in der Lausitz wieder zu erleben. So starten am Ostersonntag die Reiter von Bautzen aus wie gewohnt in Richtung Radibor. Insgesamt neun Prozessionen finden im Landkreis Bautzen statt. Sächsische.de hat zehn spannende Fakten zu dieser Tradition der katholischen Sorben zusammengetragen. Hätten Sie's gewusst?

Fakt 1: Das Osterreiten hat bereits eine sehr lange Tradition. So stammt die erste urkundliche Erwähnung aus dem Jahr 1490. Das Osterreiten in Wittichenau und Ralbitz findet schon seit 1540 fast ununterbrochen statt.

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Fakt 2: Heute ist das Osterreiten eine Prozession zur Verkündung der Auferstehung Jesus. Früher wurde mit Pferden um die Felder geritten, um böse Geister und Winterdämonen von der Saat zu vertreiben. Damals hießen die Teilnehmer Saatreiter.

Fakt 3: Am Osterreiten dürfen nur Männer und Jungen ab 14 Jahren teilnehmen. Da das Osterreiten für viele eine wichtige Tradition ist, reiten von manchen Familien bei diesen Prozessionen drei Generationen mit: Großvater, Vater, Sohn.

Fakt 4: Wer zum ersten Mal am Osterreiten teilnimmt, bekommt einen grünen Myrten-Kranz an den Gehrock. Bei der 25. Teilnahme ist es ein silberner Kranz und beim 50. Mal ein goldener.

Fakt 5: Zu DDR-Zeiten erreichten die Teilnehmerzahlen einen Tiefpunkt, so gab es 1974 insgesamt nur 487 Osterreiter, die an den Prozessionen teilnahmen. Doch mittlerweile zieht das Osterreiten wieder eine Menge Teilnehmer an. Seit dem Jahr 2000 nehmen jährlich über 1.500 Reiter mit ihren Pferden daran teil. Nur 2020 mussten die Prozessionen wegen der Pandemie abgesagt werden.

Fakt 6: Die Osterreiter hatten es zu DDR-Zeiten nicht leicht, die Tradition zu pflegen. So herrschte 1960 durch die Kollektivierung der Landwirtschaft ein akuter Pferde-Mangel. Kurz bevor deshalb das Osterreiten abgesagt werden sollte, beschlossen ein paar Männer aus Wittichenau, Pferde aus dem Erzgebirge sowie aus Mecklenburg zu holen. Auch Höfe aus anderen Regionen stellten Pferde zur Verfügung trotz großer Entfernung.


Fakt 7:
Die Wegstrecke, welche die Prozessionen zurücklegen, ist zwischen zehn und 40 Kilometern lang. Das verlangt Reitern und Pferden viel Ausdauer ab.

Fakt 8: Neben dem Schmuck, welchen Pferde und Reiter tragen, ist auch das Segnen von Pferd und Reiter vor dem Verlassen des Hofes ganz wichtig. Das dazu verwendete Wasser wird in der Osternacht geweiht.

Fakt 9: Bei den Prozessionen reitet meistens auch ein Kantor mit, um Lieder und Gebete einheitlich anzustimmen. Allerdings sind viele Osterreiterzüge so lang, dass mehrere Kantoren gebraucht werden, welche mit einem Handzeichen den Beginn der folgenden Strophen anzeigen.

Fakt 10: Das Miteinander drückt sich inzwischen auch dadurch aus, dass in einigen Prozessionen katholische und protestantische Reiter gemeinsam die Auferstehung Jesus verkünden.

Der Beitrag wurde von Miriam Gnant erarbeitet. Sie ist Schülerin der 9. Klasse der evangelischen Mittelschule Gaußig und absolviert derzeit ein Praktikum in der Lokalredaktion Bautzen der Sächsischen Zeitung.