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So sollen Frauen mehr Einfluss bekommen

Andrea Spee-Keller unterstützt Frauen aus Bautzen und Umgebung auf dem Weg in die Politik. Eine neue Förderung hilft jetzt dabei.

Andrea Spee-Keller und ihre Mitstreiterinnen wollen mit ihrem Projekt Frauen.Wahl.Lokal Frauen in der Lausitz dazu ermutigen, in die Politik zu gehen.
Andrea Spee-Keller und ihre Mitstreiterinnen wollen mit ihrem Projekt Frauen.Wahl.Lokal Frauen in der Lausitz dazu ermutigen, in die Politik zu gehen. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. „Eigentlich dachte ich, ich könnte jetzt mehr Zeit mit meinen Enkeln verbringen“, sagt Andrea Spee-Keller lachend. Erst im vergangenen Herbst hat sie nach 30 Jahren ihr Amt als Gleichstellungs- und Frauenbeamte der Stadt Bautzen die Aufgaben an ihre Nachfolgerin übergeben. Doch die 62-Jährige bleibt aktiv. Und setzt sie sich weiterhin dafür ein, die Interessen von Frauen sichtbar zu machen – als Vorstand der Fraueninitiative Bautzen und mit dem Projekt Frauen.Wahl.Lokal Oberlausitz.

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Seit 2018 ermutigt sie mit etwa zehn weiteren Frauen im Kernteam des Projekts andere Frauen, den Weg in die Politik zu gehen. „Angefangen hat das nach der Bundestagswahl 2017, als uns auffiel, dass der Anteil der Frauen in den Parlamenten sogar rückläufig ist“, erzählt sie. Heute sitzt in den sächsischen Gemeinde- und Stadträten im Durchschnitt auf jedem fünften Sitz eine Frau. Bei den Gemeinderatswahlen 2019 waren ebenfalls nur 21,6 Prozent der Bewerber weiblich. Lediglich acht von insgesamt 57 Bürgermeisterposten im Kreis Bautzen werden mit Stand Dezember 2020 von einer Frau besetzt.

Netzwerk hilft mit Erfahrungen

Andrea Spee-Keller und ihre Mitstreiterinnen wollen das ändern und Frauen Mut machen, in die Politik zu gehen. Ein Meilenstein sollen die sächsischen Landtags- und Kommunalwahlen im Jahr 2024 sein. „Frauen im ländlichen Raum sind oft Einzelkämpferinnen. Wir wollen sie durch ein überparteiliches Netzwerk aus aktiven Frauen in der Region unterstützen“, sagt die Bautzenerin. Das Netzwerk helfe, indem es den Austausch ermöglicht zwischen Frauen, die aktiv werden wollen, und jenen, die bereits politisch tätig sind. „Sie finden so Ermutigung und Ansprechpartnerinnen im Wahlkampf.“

Vor Corona fuhren die Engagierten mit dem Frauen.Wahl.Mobil zu verschiedenen Veranstaltungen in der Oberlausitz, um mit den Frauen ins Gespräch zu kommen „und zu fragen: Was braucht ihr denn, um den nächsten Schritt zu gehen“. Durch gezielte Weiterbildung wollen Spee-Keller und ihre Mitstreiterinnen Frauen dabei unterstützen. „In der Politik gibt es viel Konkurrenz und es geht oft darum, wer sich gut darstellen kann.“ Durch Seminare, beispielsweise zum Umgang mit Macht, sollen Frauen dafür gestärkt werden. Ein spezielles Theater-Konzept soll Frauen außerdem einen anderen Zugang zu ihren Bedürfnissen ermöglichen. Unterstützt wird das Projekt von Partnern und Partnerinnen wie den regionalen Gleichstellungsbeauftragten, dem Landesfrauenrat Sachsen und dem Verein Coworkingspace KoLABORacja in Görlitz.

Spee-Keller: Gemischte Teams sind erfolgreicher

Andrea Spee-Keller findet es schade, dass Frauen sich oft zurücknehmen. Sie machten andere Erfahrungen als Männer, aber „das Patriachat ist in den Köpfen drin. Ich bin wirklich überrascht, dass es da teilweise sogar eine Rolle rückwärts gibt.“ Sie ist überzeugt: Gemischte Teams sind erfolgreicher. „Ich denke, wenn es eine paritätische Verteilung gibt, erleben wir mehr Gemeinschaft und Miteinander in der Region. Wir würden uns mehr den Fragen widmen, wie wir gute, gemeinsame Lösungen finden und was für die Gemeinschaft gut ist.“ Die Region brauche innovative Ideen von Frauen aus unterschiedlichen Generationen und Milieus.

Für die Initiative haben Andrea Spee-Keller und ihre Mitstreiterinnen nun eine Förderung der Robert Bosch-Stiftung und des Thünen-Instituts für Regionalentwicklung bekommen. Damit gehören sie für zwei Jahre zu den insgesamt 22 „Neulandgewinnern“. Das Programm unterstützt engagierte Menschen, die durch ihr Denken und Tun den gesellschaftlichen Zusammenhalt in ländlichen Räumen Ostdeutschlands stärken.

Für zwei Jahren stehen 25.000 Euro bereit

„Ich habe mich natürlich sehr gefreut. Bei der ersten Veranstaltung konnte ich die anderen Neulandgewinner schon kennenlernen und sehen, wie viele tolle Projekte es überhaupt gibt.“ Denn neben der finanziellen Unterstützung in Form von 25.000 Euro für zwei Jahre beinhaltet die Förderung auch eine Vernetzung der Akteure in der Region und ein Mentoren-Programm.

Wenn Corona nicht wäre, hätte Andrea Spee-Keller den symbolischen Staffelstab von ihren Vorgängern, den „Raumpionieren Oberlausitz“, die bisher gefördert wurden, übergeben bekommen. Doch so kam das Neulandgewinner-Paket vom Thünen-Institut Anfang des Jahres mit der Post, und man traf sich online zu einem Austausch.

Weitere Informationen zum Projekt: www.fwiekraft.de

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