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Neuer Bier-Trend schwappt in die Oberlausitz

Mit der ProBier-Werkstatt aus Cunewalde gibt es bereits die vierte Braumanufaktur in der Region. Verträgt das der Markt?

Von Hobbybrauern zu Unternehmern: Nicole Kocksch, Frank Walther und Maik Richter (.v.l.) haben in Cunewalde den Schritt gewagt - Corona zum Trotz.
Von Hobbybrauern zu Unternehmern: Nicole Kocksch, Frank Walther und Maik Richter (.v.l.) haben in Cunewalde den Schritt gewagt - Corona zum Trotz. © Steffen Unger

Cunewalde. Gebacken wird in der Cunewalder Bäckerei Preusche zwar nicht mehr - aber trotzdem weiter mit Hefe hantiert. Denn seit März wird hier flüssiges Gold in fünf Sorten gebraut: vom Pils über das Oberlausitzer Pale Ale bis zum rotblonden "Rutkatl". Die neue Bier-Familie aus dem Oberland kommt aus der ProBier-Werkstatt.

Hinter dem experimentell-verheißungsvollen Namen verbergen sich die eingefleischten Oberlausitzer Nicole Kocksch, Maik Richter und Frank Walther. Sie geben dem ersten Eindruck recht und sagen: "Unser Name ist Programm."

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Während sie in den Räumen der ehemaligen Bäckerei Preusche, in denen sie sich provisorisch eingerichtet haben, mit Maische, Läuterbottich und Würzekocher hantieren, erzählen sie: Vom Engagement im Verein der Cunewalder Haus- und Hobbybrauer, das zu klein wurde; vom Wunsch, das Hobby zum Beruf zu machen, und von jenem Zeitpunkt, an dem es geboten war, den Ideen zur Wirklichkeit zu verhelfen.

Fünf verschiedene Sorten Bier werden in Cunewalde hergestellt. Darunter auch das Rotblonde, das in Oberlausitzer Mundart nach dem Vogel des Jahres - dem Rotkehlchen - benannt ist.
Fünf verschiedene Sorten Bier werden in Cunewalde hergestellt. Darunter auch das Rotblonde, das in Oberlausitzer Mundart nach dem Vogel des Jahres - dem Rotkehlchen - benannt ist. © Steffen Unger

"Die Entscheidung ist vor der ersten Corona-Welle gefallen", sagt Mit-Inhaber Maik Richter und ergänzt: "Es war gut, dass wir nicht eher gestartet sind, so bekommen wir erst die dritte Welle mit."

Wegen Corona: Flasche statt Fass

Der Neustart verläuft anders, als die Inhaber des jungen Unternehmens es sich vorgestellt haben. Flaschenabfüllung sollte wegen höherer Kosten eigentlich nur ein Marketing-Instrument sein. Serviert werden sollte das Bier hauptsächlich vom Fass. Eine Eventgastronomie schwebt den Brauern vor - mit Künstlern und Braukursen.

Mit den Ideen der drei eng verwoben sind die Spuren der Ahnen: "Früher gab es im Ort mehrere Brauereien", sagt Frank Walther. Eine von ihnen, die Brauerei Kriegel ein Stück die Straße hinauf, wollen sie wiederbeleben. "In diesem langen Dorf gibt es entlang des Radwegs keinen Biergarten", sagt Frank Walther und denkt weiter: Die Leute hätten Hunger und Durst, wenn sie vorbeikämen. Ein Biergarten am Radweg wäre ein Selbstläufer -wenn da nicht Corona wär.

Bis zum Ende der Pandemie - bis die Gastronomie öffnet, die Großhändler sich für Bier interessieren und Kneipen auf der Suche nach neuen Geschmäckern sind - vertreiben die drei ihr Bier im kleinen Maß: über lokale Händler, Bioläden und aus der Brauerei heraus. Und viel größer soll es eigentlich auch gar nicht werden. Höchstens bis Dresden, sagt Frank Walther, solle das Cunewalder Bier vertrieben werden. Alles andere wäre nicht mehr händelbar.

"Ich hatte noch kein ordentliches Geschäftsjahr", sagt Zippl-Brauer Vincent Ebert aus Sohland und ist dennoch erstaunt: Das Bier kommt an, die Leute kaufen auch in Flaschen. Konkurrenz zwischen den kleinen Brauereien sieht er nicht.
"Ich hatte noch kein ordentliches Geschäftsjahr", sagt Zippl-Brauer Vincent Ebert aus Sohland und ist dennoch erstaunt: Das Bier kommt an, die Leute kaufen auch in Flaschen. Konkurrenz zwischen den kleinen Brauereien sieht er nicht. © SZ/Uwe Soeder

Aber wie zukunftsfähig ist das Konzept des Craft Beers - der handgebrauten und teureren Alternative zum industriell hergestellten Bier - überhaupt? Immerhin gibt es neben der ProBier-Werkstatt mit der der Sohlander Hausbrauerei Rosner, dem Bautzener Frenzel-Bräu und dem Sohlander Zippl-Pils inzwischen drei direkte Konkurrenten in der Region.

"Die Leute wollen wissen, wo ihr Bier herkommt"

Die Chancen, dass alle vier sich etablieren, stehen gar nicht schlecht, finden Tobias Frenzel aus Bautzen und Zippl-Brauer Vincent Ebert. Auch, weil das Miteinander der kleinen Brauereien kollegial sei: "Die jüngeren Brauer sind deutschlandweit untereinander offen, tauschen sich über Rezepturen aus, finden sich über das gemeinsame Interesse", sagt Vincent Ebert. Und überhaupt: Um den bestehenden Markt abzudecken, seien alle miteinander noch zu klein.

Eberts Glück: Das Brauhaus am See in Sohland entstand zeitgleich mit seiner Brauerei. Sein Unglück: Seit der Eröffnung im November 2019 und der ersten Schließung im März 2020 blieb vieles vage: "Ich kann kaum sagen, wie gut das Geschäft läuft. Ich hatte noch nicht ein brauchbares Geschäftsjahr", sagt Ebert, der genau wie die ProBier-Werkstatt zur Flasche griff, um Corona zu kompensieren. Klar ist für ihn: "Craft Beer lebt von der Nähe zum Ursprung. Die Leute wollen wissen, wo ihr Bier herkommt und bezahlen dann auch mehr."

"Wir bringen die Region anders in die Flasche", sagt Tobias Frenzel aus Bautzen und verweis auf Honig-Senf und Pfefferkuchen-Bier. Auch deshalb macht er sich keine Sorgen um zu große Kunkurrenz.in der Region.
"Wir bringen die Region anders in die Flasche", sagt Tobias Frenzel aus Bautzen und verweis auf Honig-Senf und Pfefferkuchen-Bier. Auch deshalb macht er sich keine Sorgen um zu große Kunkurrenz.in der Region. © Uwe Soeder

Über zu starke Konkurrenz auf dem regionalen Markt macht sich auch Tobias Frenzel keine Sorgen, obschon er einen Craft-Beer-Trend, wie er beispielsweise in den USA existiert, in der Oberlausitz noch nicht sieht. Sein Pfund: "Wir haben eine andere Art, die Region in die Flasche zu bringen", sagt er, der sich mit Honig-Senf- und Pfefferkuchen-Bier einen Namen gemacht und ein Netzwerk gesponnen hat. Normales Pils gehe bei ihm auch am besten, sagt er und wird dennoch nicht müde, an neuen Spezialitäten zu tüfteln. Eine Schorle aus Rhabarber und Bier hat er grad in der Mache und zweierlei Sorten von Kakao-Bier.

Hausbrauerei Rosner: 800 Liter Bier weggeschüttet

Ein Luxus, von dem die Hausbrauerei Rosner aus Sohland nur träumen kann. Anders als bei den anderen Brauereien wird das Bier aus Flaschen hier derzeit nur an Freunde und Stammkunden verkauft. Das hat einen Grund: "Wir haben im November und Dezember 800 Liter Bier weggeschüttet", sagt Kerstin Rosner.

Ein Brau-Unternehmen, das um seine Existenz bangt, ist die Hausbrauerei von Ronald und Kerstin Rosner aus Sohland. Wenn bis Juni keine Gastronomie erlaubt wird, ist das Unternehmen am Ende, sagen sie.
Ein Brau-Unternehmen, das um seine Existenz bangt, ist die Hausbrauerei von Ronald und Kerstin Rosner aus Sohland. Wenn bis Juni keine Gastronomie erlaubt wird, ist das Unternehmen am Ende, sagen sie. © Uwe Soeder

Ob es nach der Pandemie weitergeht - sie weiß es nicht. "Wir können noch bis Anfang Juni durchhalten", sagt sie und beschreibt Szenarien, in denen die beiden Unternehmer wieder regulärer Arbeit nachgehen. Seit acht Jahren betreibt das Paar die Brauerei samt Gastronomie. Während die Jugend durchstartet, fragt sich Kerstin Rosner: "Ist es das Ende, oder ist es das nicht?"

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