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Das ist der neue Wirt in der Blauen Kugel

In dem Cunewalder Restaurant gab es einen Pächterwechsel. Damit ändert sich die Speisekarte deutlich - und noch einiges mehr.

Vito Mamuti (r.) führt künftig das Restaurant in der Blauen Kugel in Cunewalde, das sein Onkel Vahid Mamuti (M.) übernommen hat. Dabei kann er auch auf die Erfahrungen von Giovanni Ibrahimi (l.) bauen, der ein Restaurant in Rammenau leitet.
Vito Mamuti (r.) führt künftig das Restaurant in der Blauen Kugel in Cunewalde, das sein Onkel Vahid Mamuti (M.) übernommen hat. Dabei kann er auch auf die Erfahrungen von Giovanni Ibrahimi (l.) bauen, der ein Restaurant in Rammenau leitet. © SZ/Uwe Soeder

Cunewalde. Ein Banner an der Außenfassade der Blauen Kugel verrät es schon: Statt traditioneller Gerichte im modernen Gewand wie bisher gibt es im Cunewalder Veranstaltungs- und Tagungshaus künftig italienische Köstlichkeiten.

Aber warum dieser Wechsel? Romano Porsche, der seit über drei Jahren das Restaurant an der Hauptstraße in Cunewalde betrieben hat, gab Ende September dessen Ende bekannt. Gemeinsam mit der Gemeindeverwaltung, die die Räume verpachtet, formulierte er eine Erklärung: "Die Vielzahl der - Corona-bedingt - leider ausgefallenen Veranstaltungen und Familienfeiern im Zeitraum von März bis Juli 2020 hat Romano Porsche und seinem Team leider große Vertragsausfälle bereitet, deren wirtschaftliche Auswirkungen nicht so leicht kompensierbar sind", heißt es darin.

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Weil all diese Veranstaltungen auch nicht ohne Weiteres nachzuholen seien - das finanzielle Loch also nicht einfach gestopft werden kann - sah Romano Porsche sich gezwungen, sein Restaurant zu schließen. Die Gemeinde stimmte der vorzeitigen Aufhebung des Pachtvertrages, der im Januar kommenden Jahres ohnehin geendet hätte, zu.

Bürgermeister macht heimlich einen Test

Der Buschfunk in Form des gemeinsamen Getränkelieferanten trug diese Nachricht zu Vahid Mamuti und dessen Familie nach Rammenau. Sie betreibt in der Fichtestube das Ristorante da Giovanni. Das bekommt nun einen kleinen Bruder in Cunewalde - das Ristorante da Giovanni Due. Drei Tage nur, sagt Vahid Mamuti, habe er überlegt, ob er die Gaststätte übernehmen will. Letztlich entschloss er sich dafür. Das war im Herbst, mitten im Beginn der zweiten Corona-Welle. Mamuti macht das keine Angst: "Wenn Corona vorbei ist", sagt er, "wollen die Leute auch wieder essen." Bewusst geworden sei ihm das nach der ersten Welle im Frühjahr: "Im März habe ich gedacht, wir müssen aufgeben. Aber sobald wir wieder offen hatten, haben uns die Leute den Laden eingerannt."

Das sei der Vorteil eines familienbetriebenen Unternehmens findet er: "Die Familie verzichtet auch mal auf ein Gehalt, ein Angestellter macht das nicht." Mit 16 Jahren kam der gebürtige Mazedonier nach Deutschland, arbeitete in Westberlin in der Gastronomie, machte sich anschließend selbstständig. Seinen Sohn und seinen Neffen holte er vor acht Jahren nach Deutschland. Auf die Oberlausitz stieß er durch eine Verwandte: "Ich war zu Ostern oder Weihnachten zu Besuch, es gefällt mir hier", sagte er sich und übernahm die Fichtestube, die derzeit Giovanni Ibrahimi leitet. Das Geschäft in Berlin verkaufte er.

Das Ristorante da Giovanni Due in Cunewalde wird künftig sein Neffe Vito Mamuti führen. Vorerst vier Angestellte - zwei in der Küche, zwei im Service - werden den Laden schmeißen, mehr Personal soll am Wochenende im Einsatz sein. Von der Qualität des Unternehmens hat sich Cunewaldes Bürgermeister Thomas Martolock (CDU) zuvor selbst in aller Heimlichkeit in Rammenau überzeugt: "Ich habe am 26. August einen Tisch für 30 Leute reserviert und meine Familie zum Essen eingeladen", sagt der. Im Urlaub an der Ostsee, so sein Fazit, habe er so guten Fisch nicht zu essen bekommen, wie an diesem Tag in Rammenau. Zudem seien die Online-Kritiken bestens. "Es ist eine Lösung", schließt der Bürgermeister seinen Erfahrungsbericht.

Die Zutaten werden direkt aus Italien geliefert

Vahid Mamuti, dessen Familie den Umweg über Italien nach Deutschland nahm, überrascht dieses Urteil kaum: "Italienisch zu kochen, haben wir gelernt. Das Geschäft in Rammenau läuft", sagt er und zeigt sich zuversichtlich, in Cunewalde Fuß fassen zu können. Neben den 130 Plätzen, die die Küche in Rammenau bedient, sollen in der Blauen Kugel künftig bis zu 80 weitere Gäste verköstigt werden.

Ein wenig Vorarbeit ist dazu noch nötig. Die alte Bestuhlung der Blauen Kugel, sagt Vahid Mamuti, sei zu edel gewesen und führt in den Nebenraum. Grün gebeizte Stühle an hölzernen Tischen sollen den Stil im italienischen Restaurant künftig bestimmen. Eine Erweiterung der Sitzplatzkapazitäten und der Möglichkeiten in der Küche, sagt Thomas Martolock, werde die Zeit bringen.

Die Ausstattung, so Mamuti, wird aber den Speisen auf dem Teller ohnehin untergeordnet: Pizza, Pasta und Fisch bestimmen künftig das Angebot. Geliefert werden die Zutaten direkt aus Italien. Ab Dezember, so war der Plan, wollten die Mamutis ihre ersten Gäste begrüßen. Ob das gelingt, ist derzeit wegen Corona noch ungewiss. Sobald aber der Umzug erledigt ist, da sind sich die Mamutis einig, wollen sie ihre Speisen wenigstens zum Mitnehmen anbieten.

Ein preiswerter Test vielleicht für all jene, die künftig eine Veranstaltung im privaten Rahmen planen: Bis zu 300 Gäste können die neuen Pächter der Blauen Kugel neben dem Restaurant-Betrieb außer Haus bedienen. Auch für private Feiern ist das Haus nach dem Lockdown weiterhin offen. Die Veranstaltungen im großen Saal, so Thomas Martolock, bedient in altbewährter Manier, das Bautzener Hotel Best Western.

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