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Warum ein Wirt ein Feuerwehrhaus kauft

Das alte Depot in Schirgiswalde muss abgerissen werden. Weil der Stadt das Geld fehlt, verkauft sie das Grundstück. Darauf hat ein Hotel-Betreiber jahrelang gewartet.

Bürgermeister Sven Gabriel (l.) und Wirt Matthias Schulze sind sich handelseinig: Die Stadt veräußert das alte Feuerwehrhaus (links im Bild) samt Parkplatz an den Betreiber des Landhotels Thürmchen. Der schafft mehr Platz für die Autos seiner Gäste.
Bürgermeister Sven Gabriel (l.) und Wirt Matthias Schulze sind sich handelseinig: Die Stadt veräußert das alte Feuerwehrhaus (links im Bild) samt Parkplatz an den Betreiber des Landhotels Thürmchen. Der schafft mehr Platz für die Autos seiner Gäste. © SZ/Uwe Soeder

Schirgiswalde-Kirschau. Die Kameraden der Schirgiswalder Feuerwehr sind bereits im Sommer 2019 ausgezogen. Die Mieter der beiden Wohnungen im Obergeschoss folgten ihnen nach. Seither liegt das ehemalige Gerätehaus am Marienplatz in Schirgiswalde im Dornröschenschlaf. Dort blickt es seiner Zukunft entgegen: dem sicheren Abriss.

Der ist unausweichlich, erklärt Sven Gabriel (FDP), Bürgermeister von Schirgiswalde-Kirschau: Das neue Feuerwehrgerätehaus in Nachbarschaft des Schirgiswalder Bahnhofs wurde mit Landesmitteln aus dem Programm zur Hochwasserschadensbeseitigung errichtet. Mit der Förderung des Neubaus verbunden war die Verpflichtung, das alte Gebäude abzureißen, weil es bei den Fluten in den Jahren 2010 und 2013 in Mitleidenschaft gezogen worden war.

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Der Abriss ist nicht nur eine bürokratische Forderung, sondern auch praktische Notwendigkeit: Sven Gabriel zeigt auf einen langen Riss, der sich senkrecht an der Flanke des mehrstöckigen Baus entlangzieht. "Das Gebäude sackt ab. Es wurde schon versucht, mit Beton dagegen zu arbeiten. Aber das hat nichts genützt", erklärt er.

Als Ersatzneubau errichtete die Stadt eine neue Feuerwache in der Nähe der Schirgiswalder Bahnstation. Die wurde teurer als geplant. Ein Abriss des alten Depots war deshalb nicht finanzierbar, sagt Bürgermeister Sven Gabriel.
Als Ersatzneubau errichtete die Stadt eine neue Feuerwache in der Nähe der Schirgiswalder Bahnstation. Die wurde teurer als geplant. Ein Abriss des alten Depots war deshalb nicht finanzierbar, sagt Bürgermeister Sven Gabriel. © Archivfoto: SZ/Uwe Soeder

Nun war es nicht unbedingt der Abschied vom alten Feuerwehr-Domizil, der das Unterfangen schwierig gestaltete, sondern vielmehr dessen Finanzierung: "Die Fördermittel waren Spitz auf Knopf genäht", sagt Gabriel und meint: Der Abriss sei durch die Mittel aus dem Hochwasserprogramm nicht zu decken gewesen. 1,5 Millionen Euro hatte die Stadt für den Ersatzneubau am Bahnhof erhalten. Letztlich wurde die Wache durch gestiegene Baukosten teurer als geplant. Ein Abriss des Depots am Marienplatz hätte die Stadt inklusive Planungskosten weitere 40.000 Euro Eigenmittel gekostet, schätzt der Bürgermeister.

Parkplätze für Gäste sollen entstehen

Weil unter diesen finanziellen Gegebenheiten ein Abriss durch die Stadt nicht drin war, schrieb die Stadtverwaltung das knapp 1.400 Quadratmeter große Grundstück öffentlich zum Verkauf aus - samt Gebäude und Abrissverpflichtung. Mindestgebot: 16.368 Euro.

Interessant fand das Angebot letztlich nur der Nachbar: Thürmchen-Wirt Matthias Schulze schlug der Stadt als einziger Bieter für das Grundstück einen Kaufpreis von 8.500 Euro vor - und bekam den Zuschlag. Eine ganze Reihe von Gründen, so Gabriel, hätten dafür gesprochen, die Fläche unter Mindestgebot zu veräußern: "Das ist nicht das einfachste Grundstück. Neben der Abrissverpflichtung ist die Zuwegung zum Teich dahinter zu erhalten. Durch den Stadtbach ist die Fläche weiterhin Überschwemmungsgebiet." Allein daher sei die Stadt froh, fährt Gabriel fort, dass es überhaupt einen Bieter gab. "Wir haben hier nichts versilbert", stellt er klar.

Matthias Schulze hört den Worten des Bürgermeister nickend zu. Mit Kosten im fünfstelligen Bereich rechnet er, um das Areal nach seinen Vorstellungen zu ertüchtigen. Dennoch sei der Kauf für ihn die ideale Gelegenheit gewesen: Bereits seit mehreren Jahren, erzählt der Inhaber des Landhotels Thürmchen, wünsche er sich mehr Parkplätze in direkter Nähe seines Hotels.

Stellplätze waren bisher immer knapp

"Gerade um die Weihnachtszeit waren die Stellflächen ringsum immer völlig überfüllt", erzählt Schulze. Rund 15 Parkplätze befinden sich derzeit neben dem Hotel, weitere städtische Abstellflächen davor. Etwa 15 weitere Parkflächen sollen nun auf der Fläche des ehemaligen Gerätehauses entstehen. Einen genauen Zeitplan gibt es dafür bislang nicht. Nach der Zustimmung des Gemeinderates zum Grundstücksverkauf werde derzeit der Notarvertrag erarbeitet.

Bis der Verkauf endgültig abgeschlossen ist, könne es durchaus noch ein halbes Jahr dauern, schätzt Matthias Schulze. Aber das sei nicht schlimm. "Uns drängt ja jetzt nichts", sagt er. Zwei Jahre hat er Zeit für den Abriss. Geplant ist der momentan für Frühjahr 2022. Wann danach der neue Parkplatz gebaut wird, weiß er noch nicht.

Matthias Schulze rechnet nicht damit, sein Thürmchen vor Ostern wieder öffnen zu können. Auf die Zeit danach bereitet er sich aber jetzt schon mit einigen Neuerungen vor.
Matthias Schulze rechnet nicht damit, sein Thürmchen vor Ostern wieder öffnen zu können. Auf die Zeit danach bereitet er sich aber jetzt schon mit einigen Neuerungen vor. © Archivfoto: SZ/Uwe Soeder

Zu tun haben Matthias Schulze und sein zwölfköpfiges Team nämlich auch während des Lockdowns genug. Derzeit lässt der Thürmchen-Wirt die Toiletten an seinem Gastraum aufwendig modernisieren. "Das hätten wir uns während der ersten Welle gar nicht getraut", sagt er. Außerdem sei das Hotel derzeit mit Geschäftsreisenden belegt und die Küche endlich wieder warm.

Vor Ostern, da ist er sich sicher, wird er außer Geschäftsreisenden keine weiteren Gäste begrüßen können. Für die Zeit danach gibt es schon eine neue Speisekarte. Die soll zu einer kulinarischen Weltreise einladen. Ob das alles so aufgeht wie geplant - da ist Matthias Schulze sich alles andere als sicher.

Die plötzliche Möglichkeit zur Wiedereröffnung nach dem letzten Lockdown habe gezeigt, dass ein gewisser Vorlauf für Wirte und Kunden von Vorteil wäre. "Zum einen sind ja die Lager leer, und wir haben oft erlebt, dass Ware wegen Corona nicht so schnell verfügbar ist. Zum anderen ist es auch bei Weitem nicht so, dass die Gäste direkt wieder in die Gaststätten strömen", sagt er. 14 Tage Zeit zur Vorbereitung, das wäre sein Wunsch für die Wiedereröffnung.

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