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Schlungwitz: Mit dem Fahrrad hoch hinaus

Jugendliche haben mithilfe der Gemeinde hinter der Turnhalle eine Strecke angelegt, auf der sich Kunststücke mit dem Rad üben lassen. Daraus könnte noch mehr werden.

Hinter der Turnhalle in Schlungwitz  ist eine Dirt-Bike-Strecke entstanden. Fabian Müller hatte die Idee - und übt dort jetzt Sprünge mit seinem Mountainbike.
Hinter der Turnhalle in Schlungwitz ist eine Dirt-Bike-Strecke entstanden. Fabian Müller hatte die Idee - und übt dort jetzt Sprünge mit seinem Mountainbike. © Steffen Unger

Doberschau-Gaußig. Fabian Müller radelt mit wenigen Tritten den seichten Anstieg auf dem Gelände hinter der Schlungwitzer Turnhalle hinauf. Oben angekommen, dreht er um, holt Luft und tritt kräftig in die Pedale. Wenig später passieren er und sein Mountainbike eine Erdrampe, heben vom Boden ab, fliegen hoch und weit, landen schließlich mit beiden Rädern sicher auf der Erde.

Die Geschichte der neuen Dirtline-Strecke hinter der Schlungwitzer Turnhalle ist nicht nur eine von hohen Sprüngen und weiten Flügen. Sie erzählt auch, wie schnell sich Dinge entwickeln können, wenn Personen und Motivationen zueinander passen. Und sie geht so:

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Eine Alternative zur Strecke im Bautzener Humboldthain

Weil die Strecke im Bautzener Humboldthain von der Stadt gesperrt wurde, begann Fabian Müller, der dort ebenfalls trainiert hatte, den elterlichen Garten umzugestalten. Mit der Hilfe seines Vaters errichtete er dort Rampen. Das stellte den 14-Jährigen aber nicht zufrieden. Im Oktober wandte er sich deshalb an Alexander Fischer (CDU), den Bürgermeister von Doberschau-Gaußig. In seiner E-Mail erzählte er von seinem Plan, eine neue Fahrrad-Strecke mit Sprüngen und Landungen zu errichten. Und er fragte den Bürgermeister nach einem geeigneten Grundstück für das Vorhaben - bestenfalls irgendwo am Mönchswalder Berg.

Damit konnte Alexander Fischer nicht dienen. Aber er fand die Idee gut und machte deshalb ein Gegenangebot: "Seit die Schlungwitzer Tagesmutter die Räume der Turnhalle nicht mehr nutzt, liegt auch das Grünstück dahinter brach", erklärt Fischer. Diese Fläche bot er den Jugendlichen an. Unter einer Bedingung: "An ein paar Regeln muss sich hier jeder halten", so das Gemeindeoberhaupt. Motorisierte Zweiräder, Drogen- und Alkoholkonsum sind verboten, Helmpflicht hingegen angeordnet.

Im Gegenzug, so der Vorschlag von Alexander Fischer, betreibt die Gemeinde das Areal und unterstützt die Jugendlichen bei ihrem Vorhaben - etwa durch Anfuhr von Erde vom Bauhof. Fabian Müller erschien das offenbar fair. Er willigte ein und wurde gewissermaßen Streckenchef.

Die Dirt-Bike-Strecke soll weiter wachsen

Das war im Oktober, seitdem ist viel passiert. So lässt es sich schon Anfang März auf den ersten fertigen Rampen aus Holz und Erde offenbar vorzüglich springen. Gebaut hat die eine lose Gruppe aus knapp 20 Jungen zwischen neun und 14 Jahren. Sogar ein Mädchen habe sich schon auf die Baustelle gewagt. Gezielt hätten sie sich in kleinen, festen Grüppchen für die Arbeit an ihren Rampen getroffen - wegen der gültigen Corona-Schutzverordnung. "Organisiert haben sie sich über eine Whats-App-Gruppe, genau wie wir Erwachsenen", erzählt Alexander Fischer.

Über das Ergebnis staunt auch Julia Wnetrzak von der mobilen Jugendarbeit des Vereins Neukircher Valtenbergwichtel. Für die Begleitung des waghalsigen Treibens hinter der Schlungwitzer Turnhalle hatte sich die Gemeinde an die Jugendsozialarbeiter gewandt. "Die Jugend braucht Orte im öffentlichen Raum, die sie selbst bespielen können", lobt Julia Wnetrzak das Projekt. Und das läuft hier ganz im Sinne der Valtenbergwichtel: "Unser Ansatz ist es, Jugendliche dabei zu unterstützen, ihr eigenes Potenzial zu nutzen. Wir können ihnen nichts vorsetzen. Das funktioniert nicht."

Unterstützen können die Valtenbergwichtel schon jetzt, denn die Schlungwitzer Mountainbiker haben ein Auge auf die Skate-Rampen geworfen, die derzeit in Bautzen verschenkt werden. Erste Gespräche habe es bereits gegeben, sagt Jugendsozialarbeiter Heiner Schröder. Aber es gebe noch andere Interessenten. "Dabei könnte die Rampe", wirft Bürgermeister Fischer ein, "gut vor der Turnhalle stehen."

Vielleicht entsteht sogar ein Jugendclub

Fischer kann sich sogar noch mehr vorstellen: "Wir haben hier im Ort keine Schule mehr. Den Jugendlichen fehlt ein Treffpunkt, und hier stehen die Räume der ehemaligen Tagesmutter frei", erklärt er und erlaubt sich, an die Etablierung eines festen Jugendclubs zu denken. Im Idealfall schwebt ihm dafür die Gründung eines Vereins vor.

Für Fabian Müller und seine Freunde ist das bislang noch Zukunftsmusik. Sie wollen erstmal ihre Rampen fertigstellen. Und Türme an beiden Eingängen zur Dirtline wollen sie bauen. "Wenn man von weiter oben starten kann, trifft man mit mehr Kraft auf die Rampe", erklärt der Streckenchef. Dafür brauchen die Jugendlichen vor allem Holz. "Wenn jemand etwas übrig hat, kann er es hier einfach vor unseren Lagerschuppen werfen. Wir kümmern uns dann", ruft Fabian Müller zur Mithilfe auf.

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