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Die Angst vor der Schweinepest wächst

Es wird immer wahrscheinlicher, dass die Viruskrankheit auf den Kreis Bautzen übergreift. Neben Jägern und Bauern sind jetzt auch Spaziergänger gefordert.

Wildschweine aus Polen, Tschechien und Rumänien haben die Afrikanische Schweinepest nach Deutschland gebracht. Hausschweine im Kreis Bautzen müssen nun vor der Krankheit verstärkt geschützt werden.
Wildschweine aus Polen, Tschechien und Rumänien haben die Afrikanische Schweinepest nach Deutschland gebracht. Hausschweine im Kreis Bautzen müssen nun vor der Krankheit verstärkt geschützt werden. © Symbolfoto: dpa

Bautzen. Das klingt alarmierend: "Die Afrikanische Schweinepest kann für unsere Schweinebestände genauso schlimm werden, wie Corona für Menschen", sagt André Pietsch. Er ist bei der Budissa Agrar Genossenschaft im Landkreis Bautzen zuständig für die Schweineproduktion. An vier Standorten gibt es in dem Unternehmen Platz für insgesamt reichlich 7.000 Schweine und Ferkel. Für sie alle, genau wie für ihre Halter, ist die Afrikanische Schweinepest (ASP) eine Gefahr, die beharrlich näher kommt. Und zwar seit Jahren.

Der Hintergrund: Anfang März wurde ein Wildschweinkadaver positiv auf ASP getestet. Aufgefunden worden war er an der B 115 in der Nähe des Truppenübungsplatzes Oberlausitz - und damit außerhalb des vom Sächsischen Sozialministeriums als gefährdetes Gebiet eingestuften Areals. Der tote Körper zwang die Landesregierung zur Reaktion - am vergangenen Freitag wurde die Sperrzone zur Eindämmung der Schweinepest erweitert. Inzwischen ist sie doppelt so groß, wie vor dem Kadaverfund. Die sogenannte Pufferzone, die mit einem Radius von rund 15 Kilometern um dieses Gebiet herumreicht, ragt seither bis in den Landkreis Bautzen hinein.

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Mit Beschluss der Landesregierung wurde die Sperrzone vom vergangenen Jahr am 12. März erweitert. Die sogenannte Pufferzone reicht seither bis in den Landkreis Bautzen hinein.
Mit Beschluss der Landesregierung wurde die Sperrzone vom vergangenen Jahr am 12. März erweitert. Die sogenannte Pufferzone reicht seither bis in den Landkreis Bautzen hinein. © SZ
Im November 2020 war in Sachsen erstmals eine Sperrzone zum Schutz vor der Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest eingerichtet worden.
Im November 2020 war in Sachsen erstmals eine Sperrzone zum Schutz vor der Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest eingerichtet worden. © Sozialministerium

Noch sind die Standorte der Budissa nicht direkt von daraus folgenden Anordnungen für schweinehaltende Unternehmen betroffen, weil sie knapp außerhalb der Pufferzone liegen. Zu diesen zählen etwa die Pflicht, Schweine nur noch im Stall zu halten, und die Einhaltung penibelster Hygienevorgaben. Für René Pietsch ist das die Ruhe vor dem Sturm. Seine Annahme: "Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch bei uns tote Wildschweine positiv auf ASP getestet werden."

Erreger hält sich an der Luft mindestens 100 Tage

Diese Einschätzung teilt Lothar Jentsch, der Vorsitzende des Bautzener Kreisjagdverbandes. Die vornehmlichste Aufgabe sei es jetzt, betont er, das Virus um jeden Preis von Hausschweinbeständen fernzuhalten. "Sobald es in einem Bestand einen Befund gibt, müssen alle Tiere getötet werden", warnt er.

Dazu beitragen können neben Jägern und Landwirten, die jetzt besonders gefordert sind, auch Tierhalter und Spaziergänger. Das Problem: Der Erreger ist robust. "An der Luft hält sich das Virus mindestens 100 Tage. Im Gefrierfach sogar bis zu sieben Jahre", sagt Jentsch und appelliert dazu, Hunde im Wald anzuleinen und tote oder auffällige Wildschweine sofort dem Veterinäramt des Landkreises zu melden, damit die Erreger nicht weitergetragen werden. Bei einer Begegnung erkenne man kranke Schweine ganz einfach, erklärt er: "Sie sind bewegungsarm, apathisch, reagieren kaum noch." Auch sie sollten sofort gemeldet werden.

Ebenfalls hilfreich sei es, ergänzt Stefan Triebs, Vorsitzender des Bauernverbandes Bautzen-Kamenz, wenn Spaziergänger keine Essensreste im Wald zurückließen und diese auch nicht auf dem Komposthaufen im Garten entsorgten. "Für Menschen ist das Virus völlig ungefährlich. Aber nicht gekochte Wurst- und Fleischwaren könnten, insbesondere wenn sie aus Polen, Tschechien oder Rumänien stammen, kontaminiert sein und das Virus weiterverbreiten."

Schweinehaltern droht wirtschaftliche Katastrophe

Den Grund für die Misere sieht Triebs aber woanders. Sein Vorwurf: Die Politik habe geschlafen. "Wir wissen seit 2014, das ASP auf Deutschland zuwandert. Die Oder-Neiße-Linie, über die erkrankte Tiere nach Deutschland kamen, wäre einfach zu verteidigen gewesen. Jetzt müssen wir hier mit hoher Präzision etwas verhindern, was auf polnischer Seite einfach laufengelassen wurde. Das macht unsere Landwirte bitter", sagt er. Einen Ausweg aus dem Schlamassel? Gibt es für ihn kaum mehr: "Das Kind ist in den Brunnen gefallen."

Jetzt gehe es darum, die nächste Eskalationsstufe zu vermeiden. Die heißt: Übergriff des Virus auf Hausschweinbestände. "Das wäre eine wirtschaftliche Katastrophe", sagt Stefan Triebs. Und auch die deutet sich jetzt, wo der Erreger vor der Landkreisgrenze steht, bereits an: "Für die Abnehmer der Tiere hat es natürlich ein Geschmäckle, wenn die aus einer Region kommen, in der ASP auf dem Vormarsch ist. Sie könnten sich andere Lieferanten suchen - aus Spanien oder Frankreich, wo die Krankheit noch nicht angekommen ist", befürchtet er.

Diese Orte im Landkreis liegen in der Pufferzone:

  • Gemeinde Großdubrau: Ortsteile Commerau, Göbeln, Jetscheba, Kauppa, Särchen, Spreewiese
  • Gemeinde Hochkirch: Ortsteile Kohlwesa, Niethen, Rodewitz, Wawitz, Zschorna;
  • Gemeinde Königswartha: Ortsteil Oppitz
  • Gemeinde Lohsa: Ortsteile Dreiweibern, Driewitz, Friedersdorf, Hermsdorf/Spree, Lippen, Litschen, Lohsa, Riegel, Tiegling, Weißkollm
  • Gemeinde Malschwitz: Ortsteile Baruth, Brießnitz, Brösa, Buchwalde, Cannewitz, Dubrauke, Gleina, Guttau, Halbendorf/Spree, Kleinsaubernitz, Lieske, Lömischau, Neudorf/Spree, Preititz, Rackel, Ruhethal, Wartha
  • Gemeinde Radibor: Ortsteile Droben, Lippitsch, Milkel, Teicha, Wessel
  • Gemeinde Spreetal
  • Stadt Weißenberg

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