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Schwierige Mission für Bautzens neue Brückenplaner

Das Vorhaben ist umstritten, mehrere Entwürfe scheiterten bereits. Jetzt liegt das Spreebrücken-Projekt in den Händen eines international erfahrenen Planungsbüros.

Ob es irgendwann eine Fußgängerbrücke vom Protschenberg (rechts) über die Spree hinüber zur Ortenburg geben wird, steht noch fest. Jetzt erarbeitet ein Planungsbüro aber weitere Entwürfe.
Ob es irgendwann eine Fußgängerbrücke vom Protschenberg (rechts) über die Spree hinüber zur Ortenburg geben wird, steht noch fest. Jetzt erarbeitet ein Planungsbüro aber weitere Entwürfe. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Der Flughafen in Seattle, der Timmendorfer Strand an der Ostsee, der Hafen in Toronto und die Spree in Bautzen haben seit Kurzem eins gemeinsam: Die jeweiligen Brücken vor Ort wurden oder werden vom Büro „Schlaich Bergermann Partner“ mit Sitz in Stuttgart und insgesamt sieben Standorten in Europa, Amerika und Asien geplant. Zwar ist noch nicht klar, ob eine Spreebrücke für Fußgänger in Bautzen überhaupt gebaut wird, aber die Stadt hat das Büro mit den weiteren Planungen beauftragt.

Projektleiter Boris Reyher erklärt eine neue Brücke über die Spree gegenüber Sächsische.de zu einer außergewöhnlich spannenden Aufgabe. „Die spektakuläre Lage über dem tiefen Spreetal, der kulturelle Kontext der historischen Bausubstanz auf der Altstadtseite mit den Belangen des Denkmalschutzes sowie die naturnahe Hangsituation am Protschenberg und die damit verbundene Spannweite stellen eine besondere Situation und Rahmenbedingungen dar.“

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Die Stadt Bautzen hatte das Fachwerkmodell favorisiert. Wie alle anderen bisherigen Entwürfe hat der Denkmalschutz das abgelehnt.
Die Stadt Bautzen hatte das Fachwerkmodell favorisiert. Wie alle anderen bisherigen Entwürfe hat der Denkmalschutz das abgelehnt. © Stadtverwaltung Bautzen

Anfang Mai hatte der städtische Bauausschuss die weiteren Planungen für eine mögliche Spreebrücke in Bautzen vergeben. Denn der Denkmalschutz hat die drei bisherigen Brückenmodelle abgelehnt, darunter das von der Stadt favorisierte Fachwerkmodell. So müssen jetzt die neuen Planer andere Lösungen finden. Oberbürgermeister Alexander Ahrens sprach von einem international renommierten und erfahrenen Planungsbüro. Ein Blick auf bisherige und aktuelle Projekte von „Schlaich Bergermann Partner“ zeigt, warum.

Zu den Arbeiten gehören Sportstätten wie das Tottenham Hotspur Stadion in London, Verkehrsbauten wie die S-Bahnhaltestellen Elbbrücken in Hamburg oder eben Brücken wie etwa die vierte Donaubrücke in Linz. Rad- und Fußgängerbrücken sind Schwerpunkte des Stuttgarter Büros. Diese können als Schrägseil-, Spannband- und Hänge-, Bogen-, Fachwerk- (Semi-)Integral- oder Balkenbrücken gebaut werden. Fünfmal haben „Schlaich Bergermann Partner“ bislang den Deutschen Brückenbaupreis gewonnen, zuletzt 2020.

Boris Reyher ist der Projektleiter für die weiteren Planungen der Bautzener Spreebrücke. Er ist für das Ingenieursbüro „Schlaich Bergermann Partner“ tätig.
Boris Reyher ist der Projektleiter für die weiteren Planungen der Bautzener Spreebrücke. Er ist für das Ingenieursbüro „Schlaich Bergermann Partner“ tätig. © privat

Bei der Spreebrücke geht nun nicht allein um innovative oder kreative Ingenieursarbeit, wie die Haltung des Denkmalschutzes zeigt. Laut dem Bautzener OB gehe es „um Naturschutz, das Stadtbild, um Denkmalschutz“. Der Planer Boris Reyher ist sich dessen offenbar bewusst. „Wir durften bereits bei einigen vergleichbar spannenden Bauvorhaben mitwirken. Dabei ist es unabhängig von Länge, Höhe und Lage stets wichtig, den örtlichen Kontext zu verstehen und in den Entwurfsprozess einfließen zu lassen.“

Form und technische Funktion müssten eine untrennbare Einheit bilden. Durch die Analyse der Randbedingungen und deren gemeinsamer Abwägung mit den Projektbeteiligten schäle sich im Prozess die geeignete Lösung heraus, fügt Boris Reyher hinzu. „Wir sind nicht nur diejenigen, die rechnen und dafür sorgen, dass die Normen eingehalten werden, sondern wir sind auch die, die von Anfang an zuhören und ein Gefühl für die Belange aller Beteiligten entwickeln können.“

Man habe sich auf die Planung von Fußgängerbrücken spezialisiert und unter anderem auch deshalb für die Spreebrücke beworben, führt der Projektleiter aus. Solche Brücken „sind Ingenieurbauwerke, die durch ihren Maßstab besondere Anforderungen an den Entwurf und die Qualität der Gestaltung stellen.“ Deshalb seien sie neben Straßen- und Bahnbrücken eine besonders spannende Herausforderung bei der Konzeption, der statischen Bemessung und Konstruktion bis hin zur Begleitung der Bautätigkeiten.

Planung der Spreebrücke soll 2021 abgeschlossen werden

Für die Planung hat Boris Reyher jetzt erstmal Zeit. „Wir sind beauftragt, in den kommenden Monaten die wesentlichen planerischen Grundlagen für einen Entwurf zu erarbeiten.“ Das erfolge in enger Abstimmung und Zusammenarbeit mit der Stadt Bautzen, soll aber noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. „Die zu untersuchenden Varianten sind Gegenstand der sich jetzt anschließenden Planungsphasen. Generell werden aber mehrere technische und gestalterische Lösungen diskutiert werden.“

Über das Geld für die weiteren Planungsleistungen wurde noch Ende April im Stadtrat diskutiert, da für weitere Planungsleistungen 180.000 Euro im Haushaltsentwurf vorgesehen waren. Die AfD wollte das Geld komplett aus dem Haushalt streichen, die CDU den Betrag auf 100.000 Euro kürzen. Letztlich fanden beide Anträge keine Mehrheit, sodass es erstmal keine Abstriche am Geld für die Spreebrücke gibt.

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Sollte sie gebaut werden, könnte das Büro „Schlaich Bergermann Partner“ die Planungen bis zum Ende führen, sodass dann ein Grundsatzbeschluss möglich ist. Also die Entscheidung, ob die Brücke nun gebaut wird oder nicht – durch den Stadtrat oder in Form eines Bürgerentscheids.

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