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Filmdreh in Kleinwelka: So sah es am Set aus

"Fabian"- nach einem Roman von Erich Kästner - hat auf der Berlinale Premiere. Auch heute noch sind am Drehort einige Spuren des Filmteams zu sehen.

In Kleinwelka ist ein Teil eines Kinofilms gedreht worden. Dort spielten die Szenen im Elternhaus des Protagonisten. Hier ist die Küche zu sehen.
In Kleinwelka ist ein Teil eines Kinofilms gedreht worden. Dort spielten die Szenen im Elternhaus des Protagonisten. Hier ist die Küche zu sehen. © ALEXANDER ROSSBACH

Bautzen. Wer die Villa Anna, das jüngste Gebäude der Schwesternhäuser in Kleinwelka, betritt, der sieht ihr auf den ersten Blick nicht an, dass hier vor anderthalb Jahren ein Kinofilm gedreht worden ist. Dass hier ein paar Tage lang Schauspieler, Kamerateams und Techniker ein und aus gingen. Und doch gibt es ein Relikt der Dreharbeiten.

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Dorit Kumpe vom Schwesternhäuser-Verein steht im Eingangsbereich des alten Gebäudes und deutet nach links, sie betritt ein Zimmer mit dunkelroter Tapete. „Die ist vom Filmteam“, sagt sie. Für die Dreharbeiten sind ein paar Räume umgestaltet worden – und die Tapete ist geblieben. Auch im Zimmer nebenan ist noch die Tapete zu finden, die das Filmteam angebracht hat. Dunkelgrün ist sie dort.

Dorit Kumpe vom Verein Schwesternhäuser Kleinwelka zeigt die Räume, in denen der Film "Fabian" gedreht worden ist. Die rote Tapete des Wohnzimmers und die grüne der Küche sind noch Kulissen-Relikte.
Dorit Kumpe vom Verein Schwesternhäuser Kleinwelka zeigt die Räume, in denen der Film "Fabian" gedreht worden ist. Die rote Tapete des Wohnzimmers und die grüne der Küche sind noch Kulissen-Relikte. © SZ/Uwe Soeder
Besonders angetan hatte es Dorit Kumpe der Ohrensessel im Wohnzimmer.
Besonders angetan hatte es Dorit Kumpe der Ohrensessel im Wohnzimmer. © ALEXANDER ROSSBACH
Auch an die Vitrine erinnert sie sich noch gut.
Auch an die Vitrine erinnert sie sich noch gut. © ALEXANDER ROSSBACH
Gab es ein Waschbecken in der Küche? Dorit Kumpe erinnert sich nicht, eines gesehen zu haben.
Gab es ein Waschbecken in der Küche? Dorit Kumpe erinnert sich nicht, eines gesehen zu haben. © ALEXANDER ROSSBACH
Stattdessen erinnert sie sich an das alte Holzbrett, das auf dem Tisch lag.
Stattdessen erinnert sie sich an das alte Holzbrett, das auf dem Tisch lag. © ALEXANDER ROSSBACH
"Alles sah so echt aus", findet Dorit Kumpe. Im Raucherzimmer auf dem Boden lag ein abgewetzter Teppich.
"Alles sah so echt aus", findet Dorit Kumpe. Im Raucherzimmer auf dem Boden lag ein abgewetzter Teppich. © ALEXANDER ROSSBACH
Auch ein Bett stand in diesem Raum, erinnert sich Dorit Kumpe - es ist auf den Fotos nicht zu sehen.
Auch ein Bett stand in diesem Raum, erinnert sich Dorit Kumpe - es ist auf den Fotos nicht zu sehen. © ALEXANDER ROSSBACH
Von der Kinderzimmereinrichtung gibt es keine Fotos mehr - aber die Tapete hängt noch.
Von der Kinderzimmereinrichtung gibt es keine Fotos mehr - aber die Tapete hängt noch. © SZ/Uwe Soeder

Es geht um den Film „Fabian“ nach dem gleichnamigen Roman von Erich Kästner. In der Hauptrolle: Tom Schilling. Die Geschichte spielt im Jahr 1931. Der Werbetexter Fabian lebt in Berlin. Seine Freizeit verbringt er mit einem wohlhabenden Freund, der von Schauspieler Albrecht Schuch gespielt wird, in Kneipen. Fabian verliebt sich im Film in eine Frau, die von Schauspielerin Saskia Rosendahl gespielt wird. Als er wenig später seinen Job und seine Freundin verliert, kehrt Fabian in sein Elternhaus zurück.

Und die Szenen im Elternhaus, die spielen in jenen Räumen in Kleinwelka, durch die Dorit Kumpe gerade geht. Als die Dreharbeiten vorbei waren, durften sie und ein paar andere Anwohner sich das Set einmal angucken. „Unsere Enkel waren damals zu Besuch, das war alles sehr aufregend“, erzählt Kumpe. Der Freund ihrer Tochter hat Fotos vom Set gemacht.

Der Film "Fabian oder Der Gang vor die Hunde" ist unter anderem in den Schwesternhäusern in Kleinwelka gedreht worden.
Der Film "Fabian oder Der Gang vor die Hunde" ist unter anderem in den Schwesternhäusern in Kleinwelka gedreht worden. © SZ

„Hier“, sagt Dorit Kumpe und meint den Raum mit der dunkelroten Tapete, „war das Wohnzimmer.“ Sie erzählt: „In der Mitte stand ein Tisch. Und in der Ecke am Fenster ein schöner, alter Ohrensessel.“ Sie erinnert sich: „Ziemlich dunkel war es, aber das war früher wohl so. Es sah jedenfalls klasse aus.“ Wie ins Jugendzimmer der Großeltern versetzt habe sie sich gefühlt. „Es sah alles zeitgemäß aus und so echt“, erinnert sich Dorit Kumpe. Gar nicht nach Filmkulisse. Auf den Bildern sind mehrere alte Lampenschirme zu sehen. Auf dem Tisch liegt eine blaue Decke mit Blumenmuster. Und in der einen Ecke des Raumes steht ein alter Holzschrank mit Glastüren.

Und das grüne Zimmer? „Das war die Küche. Da gab es ganz viele Details“, erinnert sich Dorit Kumpe. Ein weißer Küchenschrank, zum Beispiel, stand dort. Alte Stühle und Tische. Auf den Fotos sind viele Dosen mit Schnörkeln zu sehen, Deckchen mit Stickereien liegen auf einem Regal. Eine Kaffeemühle aus Holz steht darauf, eine Teekanne auf dem Tisch. Eine alte Uhr hängt an der Wand. „Ich meine, es gab kein Waschbecken“, sagt Dorit Kumpe. Auf den Fotos ist jedenfalls keins zu sehen.

In etwa so sahen die Schwesternhäuser aus in der Zeit, in der der Film spielt.
In etwa so sahen die Schwesternhäuser aus in der Zeit, in der der Film spielt. © privat

In einem anderen Zimmer in dem Haus ist ebenfalls gedreht worden. Ein abgewetzter Teppich mit Mustern lag auf dem Boden dieses Raucherzimmers, berichtet Dorit Kumpe. Auch in diesem Raum gab es einen Sessel; einen aus Leder. Ein Bett stand da – und ein Schreibtisch. Darauf: Stempel, Notizbücher, ein Tintenfass, eine Soldatenfigur. Wie die anderen beiden Räume ist auch dieses Zimmer sehr klein – vielleicht zehn oder elf Quadratmeter groß.

Aber nicht nur in diesem Gebäude der Schwesternhäuser ist gedreht worden. Auch in einem der älteren Teile ist ein Raum genutzt worden. „Hier hat angeblich mal Napoleon genächtigt“, erzählt Dorit Kumpe. Jetzt ziert eine Tapete mit Blumenmuster die Wand. Ebenfalls ein Relikt der Dreharbeiten. „Das war das Jugendzimmer“, sagt Dorit Kumpe. An der Wand ist eine verfärbte Stelle; quadratisch. „Das ist mit Absicht so gemacht worden; als hätte da einmal ein Bild gehangen.“

An anderen Stellen ist die Tapete kaputt – auch das ist von den Kulissenbauern bewusst so gestaltet worden. Von diesem Raum hat Dorit Kumpe keine Aufnahmen – aber sie weiß ein Geheimnis zu lüften. Sie klopft gegen eine der Wände – es klingt hohl. „Hier war mal ein Ofen“, sagt sie, „aber der passte nicht in die Zeit des Films. Er ist für die Dreharbeiten zugebaut worden.“

Im Eckladen zog für ein paar Tage ein Seifenladen ein. Dorit Kumpe erinnert sich, dass es früher tatsächlich einmal eine Seifensiederei in Kleinwelka gab.
Im Eckladen zog für ein paar Tage ein Seifenladen ein. Dorit Kumpe erinnert sich, dass es früher tatsächlich einmal eine Seifensiederei in Kleinwelka gab. © SZ

„Dass hier gedreht worden ist, ist auch eine schöne Wertschätzung für die Schwesternhäuser“, sagt Dorit Kumpe. Aber nicht nur in den Gebäuden wurde gefilmt – auch Außenszenen gab es. Und einen Seifenladen in einem Eckhaus.

Dorit Kumpe erinnert sich gut daran, dass das ganze Dorf abgesperrt wurde für die Dreharbeiten. „Es fühlte sich an wie Kirmes“, erzählt sie. „Alles war perfekt durchorganisiert und durchgetaktet.“ Überall standen Mitarbeiter mit Walkietalkies. „Der Ortskern“, sagt die Kleinwelkaerin, „war wie verwandelt.“ Moderne Autos waren verboten, stattdessen standen Oldtimer, Handwagen aus Holz und alte Motorräder herum. Nur wenige Tage dauerte der Dreh - dann war das Team wieder verschwunden. Das Ergebnis kommt im Sommer in die Kinos.

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