merken
PLUS Bautzen

Feuer in Sohland: Polizei geht von Brandstiftung aus

Dreimal hat es vorige Woche bei einem Bauunternehmen gebrannt. Nun gab es erneut ein Feuer. Die Firmenchefs erhöhen die ausgelobte Belohnung für Hinweise.

Der hintere Teil der ehemaligen Fabrik in Sohland, neben der die Firma Noack ihren Sitz hat, stand beim Eintreffen der Wehren bereits in Vollbrand.
Der hintere Teil der ehemaligen Fabrik in Sohland, neben der die Firma Noack ihren Sitz hat, stand beim Eintreffen der Wehren bereits in Vollbrand. © lausitznews.de

Sohland. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch ist auf dem Betriebsgelände des Sohlander Tiefbau- und Entsorgungsunternehmens Noack ein Feuer ausgebrochen – schon wieder. Dreimal hatte es in der vergangenen Woche bereits Anschläge auf das Unternehmen gegeben. Während zwei Brände in einem ungenutzten Fabrikbereich in der Sohlander Spreetalstraße verhältnismäßig harmlos waren, weil die Feuer von selbst ausgingen beziehungsweise rechtzeitig gelöscht werden konnten, brannte ein Bagger auf einem Lagerplatz des Unternehmens im nahegelegenen Callenberg vollständig aus.

Anzeige
Die Sachsen-Edition von Mühle Glashütte
Die Sachsen-Edition von Mühle Glashütte

Ab sofort gibt es den sportlich-eleganten Teutonia II Chronographen exklusiv bei DDV Lokal zu erwerben. Die Edition ist auf nur 100 Stück limitiert.

Nun also der nächste Brand: Kurz nach vier Uhr, berichtet Einsatzleiter Mathias Grunert, seien die Feuerwehren an diesem Mittwochmorgen erneut alarmiert worden. Eine Familienangehörige der Unternehmensinhaber, die auf dem Firmenareal wohnt, und zwei weitere Nachbarn hatten das Feuer in der Sohlander Spreetalstraße bemerkt und um Hilfe gerufen. „Als wir um die Ecke bogen, sahen wir bereits zwei Rauchsäulen. Dazwischen loderten die Flammen in den Himmel“, berichtet Grunert von den ersten Eindrücken aus den frühen Morgenstunden.

Feuer brach in ungenutztem Gebäudeteil aus

Das Firmenareal ist groß und unübersichtlich, befindet sich direkt am Waldrand zwischen Sohland und Schirgiswalde. Darauf der Hauptsitz der Firma Noack: ein Gebäude, das parallel zum Spreeradweg verläuft. Unmittelbar daran schließt eine ungenutzte Fabrik an. Hier befand sich lediglich der Aufenthaltsraum des Unternehmens. Die restlichen Räume standen leer; die Zugänge von außen waren seit Jahren verrammelt. Im Obergeschoss dieses Gebäudeteils brach das Feuer aus und brannte mindestens den Dachstuhl vollständig nieder – so die ersten Erkenntnisse der Einsatzkräfte vor Ort.

Bis in die Mittagsstunden waren 109 Kameraden der Feuerwehren aus Sohland, Schirgiswalde-Kirschau, Cunewalde, Wilthen und Steinigtwolmsdorf im Einsatz, um das Feuer zu löschen und etwaige Glutnester zu beseitigen. „Ich gehe davon aus, dass die Löschung noch eine Weile dauern wird. Heute Abend werden wir auf jeden Fall noch einmal zurückkommen“, kündigte Mathias Grunert zu diesem Zeitpunkt an. Immerhin: Gefahr, dass die Flammen auf den angrenzenden Wald überschlagen, habe trotz Waldbrandstufe drei zu keiner Zeit bestanden, so Grunert weiter.

Gemeinsam mit Brandmittelspürhund Zora untersuchte Polizeihauptmeister Jens Mager am Mittag die Brandstelle auf mögliche Spuren.
Gemeinsam mit Brandmittelspürhund Zora untersuchte Polizeihauptmeister Jens Mager am Mittag die Brandstelle auf mögliche Spuren. © SZ/Franziska Springer

Auch erste Informationen, nach denen sich in dem Gebäude noch zwei Personen befunden hätten, bestätigten sich laut Grunert nicht. Während sich daher der alarmierte Rettungsdienst wieder zurückziehen konnte, kamen zahlreiche Kräfte der Polizei zum Einsatz. Kriminaldienst und Spurensicherung waren mehrere Stunden vor Ort. Darunter auch Spürhunde der Polizei, die den Brandort nach Fährten und Brandmitteln untersuchten. Um keine potenziellen Spuren zu verwischen, gingen die Löschkräfte behutsam vor.

Polizei ermittelt wegen Brandstiftung

Am Abend schließlich bestätigte die Polizeidirektion Görlitz das vermeintlich Offensichtliche: „Wir gehen von dringendem Verdacht auf Brandstiftung aus und ermitteln in diese Richtung“, so ein Polizeisprecher.

Die Firmeninhaber, Lutz und Stefan Noack, wundert das nicht: Seit der ersten Brandserie suchen sie öffentlichkeitswirksam nach den Tätern, lobten erst eine Belohnung von 2.000 Euro für Hinweise aus, erhöhten diese am Mittwoch auf 25.000 Euro. Auch Überwachungskameras hätten sie rund um das Firmenareal installiert, berichten sie. Das Kuriose: Die Aufnahmen zeigen alles und nichts.

Rund 180-mal am Tag lösten die Wildkameras aus, wenn Passanten den Weg passierten, berichtet Lutz Noack. Ausgerechnet das bereits ausgebrannte Fenster, durch das der oder die vermeintlichen Brandstifter in das Gebäude eindrangen, sei aber nicht im Aufnahmebereich der Geräte. Die Kameras seien mehrheitlich auf den Bürotrakt gerichtet, erklärt sein Sohn Stefan. Ihr Schluss: „Der Brandstifter muss sich hier ausgekannt haben.“

Einsturzgefahr an der Fabrik: Spreeradweg wird verlegt

Wie genau das Feuer letztlich ausgelöst wurde, konnte die Polizeidirektion Görlitz am Mittwochabend noch nicht sagen. Fakt ist aber, dass die Firmeninhaber ihr Areal künftig besser schützen wollen.

Bereits am Mittwochmittag kamen die Bürgermeister von Sohland und Schirgiswalde-Kirschau, Hagen Israel (parteilos) und Sven Gabriel (FDP), deshalb zum Brandort. Ersten Überlegungen zufolge könnte der Spreeradweg künftig in einem größeren Bogen um das Firmenareal herumgezogen werden. Den Eigentümern böte das die Möglichkeit, ihre Flächen großzügig zu umzäunen und vor ungebetenen Eindringlingen besser zu schützen.

Gemeinsam mit Unternehmer Lutz Noack (Mitte) besichtigen die Bürgermeister von Schirgiswalde-Kirschau, Sven Gabriel (l. ), und Sohland, Hagen Israel, am Mittwoch das Firmengelände.
Gemeinsam mit Unternehmer Lutz Noack (Mitte) besichtigen die Bürgermeister von Schirgiswalde-Kirschau, Sven Gabriel (l. ), und Sohland, Hagen Israel, am Mittwoch das Firmengelände. © SZ/Franziska Springer

Da der Fernradweg aber schon jetzt wegen möglicher Einsturzgefahr der alten Fabrik nicht mehr passierbar ist, wird er vorerst ab dem Schirgiswalder Gondelteich über die Bundesstraße und über die Spreetalstraße wieder zurück an den Sohlander Stausee geleitet.

Zeugenhinweise nimmt das Polizeirevier Bautzen, Telefon 03591 3560, entgegen.

Mehr zum Thema Bautzen