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Der Traum von der eigenen Modemarke

Schon zu Schulzeiten hat ein Wehrsdorfer Designs für Klamotten in Hefte gekritzelt. Nun ist sein Label auf dem Markt - und bald im eigenen Laden zu haben.

Die Liebe zur Heimat, Sinn für die Umwelt und für faire Arbeitsbedingungen will Maik Kutschmann aus Wehrsdorf in seiner Modemarke El Dorado Street Fair vereinen.
Die Liebe zur Heimat, Sinn für die Umwelt und für faire Arbeitsbedingungen will Maik Kutschmann aus Wehrsdorf in seiner Modemarke El Dorado Street Fair vereinen. © SZ/Uwe Soeder

Sohland/Spree. Maik Kutschmanns Traum von der eigenen Modemarke ist gut abgehangen: Bereits zu Schulzeiten, etwa 2006, erinnert sich der heute 37-Jährige, habe er den Wunsch gehabt, eigene Kleidung zu gestalten. Damals habe er Designs in Schulhefte gekritzelt und davon geträumt, sie zu vermarkten. Dieser Plan musste lange auf seine Umsetzung warten - so lange, bis ein eigentlich unschöner Zwischenfall ein Möglichkeitsfenster öffnete, das Maik Kutschmann nutzte. Ein Snowboardunfall gab den Ausschlag. "Ich hatte einen siebenfachen Armbruch, musste zusammengeflickt werden und hatte viel Zeit", erinnert sich der Wehrsdorfer. Das war 2019.

Maik Kutschmann, der sein Geld bis dato im Außendienst verdient hatte, entschloss sich zu einer Umschulung zum Industriekaufmann, ging für die zweijährige Ausbildung nach Dresden ins Internat und tüftelte dort an seiner Zukunft. "Die Zeit war gekommen, um meine Idee zu verwirklichen."

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Erste Produktionsstrecke im Internatszimmer

Mit der Verwirklichung seines Traumes traf Maik Kutschmann den Nerv der Zeit. Denn was sein Label "El Dorado Street Fair" auszeichnet, ist der ökosoziale Fokus: Ein Blick in seinen Webshop zeigt die mehrfache Zertifizierung seiner Textilien. Nachhaltig und fair lässt er demnach produzieren, verarbeitet die Kleidungsstücke anschließend, so weit es geht, in der Heimat weiter.

Die Patches etwa - jene kleinen Aufnäher, die das Signet seines Unternehmens tragen - fertigt Kutschmann mittels eines Brennstempels selbst aus Korkleder. Begonnen hat er damit bereits in seinem Internatszimmer in Dresden: "Dort saß ich dann abends immer, habe das Korkleder zugeschnitten und das Logo eingebrannt - im Winter in dicker Jacke, weil ich die Tür offenlassen musste, damit der Rauchmelder nicht anschlägt", sagt er lachend.

Die Improvisation gehört mittlerweile der Vergangenheit an. Seit einiger Zeit hat Maik Kutschmann sein Lager in der ehemaligen Sohlander Gastwirtschaft "Zur Rösselburg" eingerichtet. Dort fand kürzlich auch seine erste Verkaufsveranstaltung statt. "Die Nachfrage war verhalten, aber wer gekommen ist, hat auch etwas gekauft", sagt er.

Ein Oberlausitz-Pullover ist in Arbeit

Das erste Geschäftsjahr, gibt er zu, sei zäh gewesen. Auch, weil er coronabedingt nur über seinen Onlineshop verkaufen konnte. Für ein junges Modelabel, das am Markt noch kaum bekannt ist, nicht die besten Voraussetzungen.

In diesem Jahr laufen die Geschäfte bereits viel besser, versichert Kutschmann. Seit er zu Jahresbeginn seine Weiterbildung abgeschlossen, außerdem den Ausbilderschein gemacht hat, kann er sich gänzlich auf sein Unternehmen konzentrieren und plant eifrig weiter: In dieser Woche holt er einen besonderen Drucker, den er aus zweiter Hand erworben hat. Der kann in hoher Auflösung Textilien mit Farben auf Wasserbasis bedrucken.

Das entspricht einerseits dem Konzept von El Dorado Street Fair, zum anderen eröffnet es dem Neu-Unternehmer eine neue Vermarktungsstrategie: "Ich kann dank des Druckers auch in Kleinserie produzieren - und beispielsweise Arbeitskleidung oder Merchandise-Produkte für Unternehmen anbieten." Auch Kleidungsstücke mit besonderem Bezug zur Oberlausitz plant er - und tüftelt derzeit etwa an einem Oberlausitz-Pullover, der anlässlich der bevorstehenden 800-Jahr-Feiern in fünf Gemeinden im Landkreis Bautzen verkauft werden könnte.

Eigener Laden in der Dresdner Neustadt geplant

Parallel dazu plant Maik Kutschmann an seinem eigenen Laden. Der soll, soviel steht schon fest, in der Dresdner Neustadt stationiert werden, weil dort genau die Zielgruppe steckt, die er ansprechen will, findet er. Was eigentlich als Pop-Up-Store gedacht war, soll nun doch ein dauerhafter Standort werden. Die Einrichtung dafür baut Maik Kutschmann selbst und zeigt stolz die hölzernen Kleiderständer, die im Lager stehen. "Gestern erst war ich am Bautzener Stausee und habe dort Treibholz als Deko für den Laden gesucht", sagt er und sucht noch weiter: Alte Ski aus Holz nämlich, aus denen er eine Bank bauen will.

"Warum soll man immer alles neu kaufen, wenn man doch Vorhandenes wiederverwenden kann?", fragt er. Man glaubt ihm diese Sichtweise. Die Individualität seiner Marke zeigt sich im Detail - in den Visitenkarten aus Ästen von Käferholz, in dem kleinen Holzknopf und den beiden Baumsamen, die jeder Kunde beim Kauf geschenkt bekommt.

Bald Kleidungsstücke aus Ananasblättern?

Und neben allem Individualismus - glaubt man Maik Kutschmann, dann sind seine Kleidungsstücke sogar äußerst robust: "Ich haben einen Kapuzenpullover, den ich wirklich zu zerstören versuche", sagt er. "Ich gehe damit im Wald Bäume fällen, wasche ihn bei 60 Grad und misshandle ihn wirklich." Kaputt gehe er aber nicht. Nur Trockner könne das Material aus Bio-Baumwolle und recyceltem Polyester nicht leiden, gibt er zu.

Derzeit tüftelt Maik Kutschmann, der neben Oberteilen auch nachhaltig produzierten Sonnenbrillen seine Marke aufdrückt, an Produkten aus Materialien, die aus Ananasblättern produziert werden. Auch die Winterkollektion mit neuen Motiven ist in Arbeit.

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Zunächst aber erhält er, so hofft er, die Zusage für sein Ladengeschäft. Ein WG-Zimmer hat er schon, denn vorerst wird der 37-Jährige unter der Woche selbst in Dresden im Laden stehen. Sein Lager an der Rösselburg in Sohland aber will er vorerst behalten. Und wer ihn am Wochenende anruft, sagt er, kann auch fernab von der hippen Dresdner Neustadt seine Waren vor Ort kaufen.

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