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Oberlausitzer Fußball-Trainer in der Zwickmühle

Pause in der Oberliga Süd. Stefan Richter und Frank Rietschel freuen sich auf mehr Zeit mit der Familie. Interview mit den Trainern aus Bautzen und Bischofswerda.

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BFV-Trainer Frank Rietschel bei einem Spiel engagiert an der Seitenlinie. Rechts der Bautzener Coach Stefan Richter.
BFV-Trainer Frank Rietschel bei einem Spiel engagiert an der Seitenlinie. Rechts der Bautzener Coach Stefan Richter. © Rocci Klein

Bautzen/Bischofswerda. Der Nordostdeutsche Fußballverband hat die Saison in der NOFV-Oberliga unterbrochen. Gespielt werden sollte eigentlich bis zum 19. Dezember. Die ersten Nachholspiele hat der Verband bereits für den 23. Januar 2022 angesetzt, unter anderem die Partie zwischen Nordhausen und Bautzen. In der Spreestadt und in Bischofswerda ruht der Trainingsbetrieb schon seit einer Woche.

Budissa rangiert mit 24 Punkten auf Platz sieben der Süd-Staffel, der BFV mit zwei Zähler weniger auf dem Konto unmittelbar dahinter. Die beiden Trainer, Stefan Richter (Bautzen/38) und Frank Rietschel (50), ziehen eine Zwischenbilanz.

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Herr Richter, Herr Rietschel, Sie haben Ihre Mannschaften erst in dieser Saison übernommen. Ist die Eingewöhnungsphase abgeschlossen?

Richter: Zum größten Teil schon. Natürlich gibt es noch Reserven, muss man sich weiter aneinander gewöhnen, um die unterschiedlichen Reaktionen der einzelnen Spieler auf gewisse Situation zu erfahren und damit arbeiten zu können. Die gesamte Zeit haben die Jungs sehr gut mitgezogen und sind immer motiviert, auch neue Trainingsinhalte und Zielvorgaben umzusetzen. Schade, dass dieser Prozess jetzt unterbrochen wird.

Rietschel: Ich denke, beide Seiten mussten sich aneinander gewöhnen und erstmal zu einer Einheit zusammenwachsen. Ich denke, jetzt nach fünf Monaten ist die Eingewöhnungsphase abgeschlossen und wir in die angedachte Erfolgsspur kommen.

Bautzen ist in die Oberliga aufgestiegen, Bischofswerda aus der Regionalliga abgestiegen. Wie fällt Ihr Zwischenfazit aus?

Richter: Ich denke, wir haben bislang eine ordentliche Runde gespielt. Sicher hat keiner von uns erwartet beziehungsweise gedacht, dass wir aktuell schon so viele Punkte auf unserem Konto haben. Dabei konnten wir an vielen kleinen Stellschrauben drehen und den Umgang mit einigen Spielsituationen verbessern.

Rietschel: Das Gesicht der Mannschaft hat sich sehr verändert, auch aus wirtschaftlichen Gründen. Bei so einer jungen Truppe sind Leistungsschwankungen normal und daher waren nicht alle Ergebnisse zufriedenstellend. Präsidium, Sponsoren und Fans stehen hinter der Mannschaft, das haben wir in kritischen Situationen gemerkt.

Das Derby ging mit 3:1 an Bischofswerda. War es das bisher wichtigste Spiel?

Richter: Nein. Sicher hat ein Derby eine gewisse zusätzliche Brisanz, dennoch werden auch da nur drei Punkte vergeben. Sicher hätten wir dort gern ein positives Ergebnis erzielt, haben an dem Tag aber unser Spiel nicht auf den Platz gebracht, waren im letzten Drittel nicht griffig genug und haben dem BFV durch einfache individuelle Fehler den Sieg ermöglicht.

Rietschel: Jedes Spiel ist wichtig, das versuche ich der Mannschaft immer zu vermitteln, damit die Jungs an ihre Grenze gehen. Klar, Derbys sind immer eine gute Sache, vor allem für die Fans. Der Heimsieg gegen Bautzen war eine feine Sache, aber es gab trotzdem nur drei Zähler.

Bautzen steht im Viertelfinale um den Landespokal, der BFV kann 2022 mit einem Sieg nachziehen. Halten Sie ein Derby-Endspiel für möglich?

Richter: Warum nicht? Im Pokal gibt es immer die Möglichkeit aufeinanderzutreffen, warum nicht im Finale. Das wäre sicher auch für alle Zuschauer der Region und unsere Fans ein großartiges Event!

Rietschel: Fakt ist, dass mit Landesliga-Spitzenreiter SC Freital erst einmal eine sehr anspruchsvolle Aufgabe im Achtelfinale auf uns wartet. Man braucht immer etwas Losglück. Bischofswerda holte 1992 zum letzten Mal den Pokal. Ein Finaleinzug wäre eine Riesensache, ein Endspiel gegen Bautzen ein Traum für die Oberlausitz.

Der Spiel- und Trainingsbetrieb ruht, Sie werden öfter zu Hause sein. Zur Freude Ihrer Frauen und der Familie?

Richter: Sicher freut sich meine Familie, wenn ich etwas häufiger zu Hause bin. Es wäre doch schlimm, wenn es nicht so wäre. Aber Spaß beiseite, für uns Fußballer ist die erneute Pause keine einfache Sache. Wir müssen nun schauen, dass wir es schaffen, den Elan der Jungs für einen möglichen Restart aufrechtzuerhalten. Das ist in so einer von Ungewissheit geprägten Zeit nicht einfach.

Rietschel: Ich bin Fußballer, meine Frau hält mir immer den Rücken frei. Wir sind alle immer auf Achse, meine beiden Söhne spielen auch Fußball. Aber ich denke schon, dass unserer Familie etwas Ruhe zur Weihnachtszeit guttut. Mein kleine Tochter Sophia wird sich auch freuen.

Wie planen Sie jetzt? Ende Januar soll es mit der Meisterschaft weitergehen.

Richter: Wir werden jetzt bis zum 17. Dezember online und in kleinen Gruppen trainieren, um unseren Fitness-Level annähernd zu halten. Danach machen wir bis zum 2. Januar Pause und genießen Weihnachten trotz der schwierigen Voraussetzungen. Anschließend kommt es darauf an, wie und ob die Politik eine Wiederaufnahme der Saison ermöglicht.

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Rietschel: Die Spieler bekommen individuelle Trainingspläne, zudem werden wir Videokonferenzen abhalten. Meine Spieler haben einen guten Charakter, daher mache ich mir keine Sorgen, dass der eine oder andere es schleifen lässt. Ich hoffe, dass wir Anfang Januar wieder auf den Trainingsplatz zurückkehren können.

Das Gespräch führte Jürgen Schwarz.

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