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Der Bautzener, der eine Weltauswahl trainiert

In der Fußball-Oberliga traf Budissa am Wochenende auf International Leipzig mit Trainer Carsten Hänsel. Wie es den Lausitzer in die Messestadt verschlug.

International-Trainer Karsten Hänsel (rechts) – geboren in Bautzen – mit seinem Defensivspieler Kevin Williams aus Irland.
International-Trainer Karsten Hänsel (rechts) – geboren in Bautzen – mit seinem Defensivspieler Kevin Williams aus Irland. © Verein

Bautzen. Sehr ordentlich läuft es bisher für Aufsteiger Budissa Bautzen in der Fußball-Oberliga. Sechs Siege und zwei Niederlagen stehen zu Buche – macht Platz vier in der fünfthöchsten deutschen Spielklasse. Am Samstag gab es gegen den FC International Leipzig im Stadion Müllerwiese einen 5:3-Erfolg.

Sportlicher Leiter und Cheftrainer des mit vielen ausländischen Spielern besetzten Leipziger Teams ist Carsten Hänsel. Der 38-Jährige, in Bautzen geboren, war unter anderem mal Nachwuchsleiter bei Budissa und zuletzt Trainer und Sportdirektor bei Wismut Gera, bevor er zu Inter Leipzig wechselte.

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Herr Hänsel, kommen Sie noch regelmäßig in die Region?

Ja, meine Eltern wohnen in Göda. Bis zum Stadion in Bautzen sind es von dort nur knapp zehn Kilometer. Zwei-, dreimal im Monat bin ich zu Hause. Ich selbst lebe seit 2016 mit meiner Frau und meiner acht Jahre alten Tochter in Gera.

Sie waren selbst als Fußballer aktiv, haben aber recht früh die Trainerlaufbahn eingeschlagen. Warum?

Ich habe bis zur A-Jugend bei Budissa gespielt, bekam dann die Chance, in der Regionalliga für die U 19 von Sachsen Leipzig zu spielen. Das passte perfekt, da ich das Abi in der Tasche hatte und in Leipzig mein Studium zum Diplom-Sportlehrer beginnen wollte. Ab 2003 war ich in Eilenburg, bin mit dem FC noch in die vierte Liga aufgestiegen. Dann kam Achim Steffens als Trainer, der mir in seiner ureigenen Art unmissverständlich klar machte, dass meine Fähigkeiten nicht für diese Liga ausreichen würden. Aber er wollte mich als Co-Trainer, da ich schon die A-Lizenz in der Tasche hatte. Und so saß ich mit 25 auf der Bank.

Vor elf Jahren wurden Sie als Nachwuchschef in Bautzen vorgestellt. Warum war nach zwölf Monaten wieder Schluss?

Nach den sieben Jahren in Eilenburg wollte ich den nächsten Schritt gehen. Die Aufgabe bei Budissa schien sehr reizvoll. Thomas Hoßmang war Cheftrainer der „Ersten“ und ich sollte den Nachwuchsbereich koordinieren. Ohne ins Detail gehen zu wollen, ich habe mich mit der Aufgabe nicht so richtig wohlgefühlt. Es hat nicht gepasst.

Sie sind noch keine 40, aber die Liste Ihrer Stationen ist recht lang. Wie fällt Ihr Rückblick aus?

Eine Trainer-Laufbahn beginnt meist erst mit Mitte oder Ende 30, meine startete viel früher. Bis auf das Engagement beim 1. FC Lok Leipzig – bisher meine einzige negative Erfahrung mit der Beurlaubung im September 2013 – habe ich meine Verträge immer erfüllt. Es waren meist zwei, drei Jahre und das ist für die Positionen, die ich begleitet habe, schon eine gute Zeit.

Seit wann sind Sie beim FC International Leipzig?

Seit Januar 2019. Der Kennenlernprozess lief zuvor schon drei, vier Monate. Bis dahin war ich Trainer und Sportchef bei der BSG Wismut Gera. Wir wurden Vierter der Oberliga und erreichten ein Jahr später das Landespokalfinale. Eine großartige Zeit, zumal wir unser Familiendomizil nach Gera verlegt haben. Aber bei Wismut war das Ende der Fahnenstange sportlich erreicht, da waren sich beide Seiten einig.

Der FC International hält seit Jahren die Klasse, obwohl die Fluktuation Jahr für Jahr groß ist. Gibt es ein hochwertiges Sichtungsmodell?

Ich bin weltweit vernetzt und arbeite seit Jahren mit Beratern zusammen, zu denen ich ein großes Vertrauen habe. Die Jungs, die hierherkommen, träumen von einer Profilaufbahn. Die Sichtung nehmen die Berater vor, bei uns absolvieren sie dann lediglich ein Probetraining. Diesmal waren es aber schon rund 60 Probespieler, die wir in acht Wochen hier hatten.

Wie viele Abgänge gab es im Sommer?

Es ist einfacher zu sagen, wie viele Spieler in Leipzig geblieben sind: vier. Im Juni sah das nicht so gut aus. Sie müssen bedenken, dass wir eine Pandemie und viele Hürden bei der Einreise zu überwinden hatten.

Profitiert der Verein von den Abgängen?

Ja, es macht uns aber auch stolz, dass nach einer Saison, die von der Corona-Pandemie stark beeinträchtigt wurde, immerhin fünf unserer Spieler zu Regionalliga-Vereinen gewechselt sind.

Wo leben und arbeiten Ihre Spieler?

Der Verein hat Wohnungen in Leipzig, dort leben die Spieler in WG’s zusammen. Sie zahlen wenig Miete und erhalten als Fußballer Aufwandsentschädigungen. Die meisten gehen zudem Minijobs auf 450-Euro-Basis nach, arbeiten nachmittags oder abends. Daher können wir vormittags trainieren, das ist sicher ein Alleinstellungsmerkmal in der Oberliga.

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Aus wie vielen Ländern kommen Ihre Spieler und wie funktioniert das sprachlich?

Momentan haben wir 23 Spieler aus 17 Nationen im Kader. Auf dem Trainingsplatz und im Spiel wird fast ausschließlich englisch gesprochen.

Das Gespräch führte Jürgen Schwarz.

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