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Lockdown: Sportler im Kreis Bautzen sind sauer

Geschlossene Turnhallen, verwaiste Fußballplätze - im Amateursport geht derzeit gar nichts. Das sagen die Betroffenen dazu.

Der Judoka Julian Mann vom TSV Lichtenberg sitzt vor der Sporthalle des Ortes. Eigentlich würde er lieber drin auf der Matte mit einem Partner trainieren. Doch das ist derzeit nicht möglich.
Der Judoka Julian Mann vom TSV Lichtenberg sitzt vor der Sporthalle des Ortes. Eigentlich würde er lieber drin auf der Matte mit einem Partner trainieren. Doch das ist derzeit nicht möglich. © René Plaul

Bautzen. Eigentlich steht Julian Mann drei- bis viermal die Woche auf der Matte, übt Würfe, Festhalten oder Griffe. Doch das kann der Judoka vom TSV Lichtenberg derzeit nicht. Laut der aktuellen Corona-Verordnung müssen alle Sportstätten geschlossen bleiben. Das betrifft Turnhallen genauso wie Sportplätze. Sport findet im Amateurbereich nicht statt.  Das trifft viele Sportler und die Vereine hart, haben sie doch nach dem ersten Lockdown umfangreiche Hygienekonzepte umgesetzt.

Julian Mann trainiert trotzdem, er geht joggen, macht Krafttraining zu Hause. "Ich würde gern mehr trainieren, doch das geht nicht. Das jetzige Pensum reicht vorn und hinten nicht", schätzt er ein. Vor allem fehlt ihm als Landesleistungskader das Üben mit einem Partner - beim Judo eigentlich unerlässlich. Das weiß auch sein Vater Udo Mann, der Trainer beim Lichtenberger TSV ist.   Doch er kann die Maßnahmen verstehen. "Wir müssen unsere Sportler schützen und haben eine Verantwortung den Eltern gegenüber", sagt er.

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So sieht es aus, wenn Julian Mann (r.) trainiert oder Wettkämpfe bestreitet. Körperkontakt ist das A und O beim Judo.
So sieht es aus, wenn Julian Mann (r.) trainiert oder Wettkämpfe bestreitet. Körperkontakt ist das A und O beim Judo. © privat

Auf wenig Begeisterung stoßen die aktuellen Maßnahmen beim Bischofswerdaer Boxverein. "Im Oktober wurden noch die Sachsenmeisterschaften nachgeholt, jetzt gibt es absolut kein Training", benennt Steffen Herzog das Problem. Die Boxer haben zwar den Auftrag erhalten, Athletik zu trainieren, und mancher Sportler hat im Keller einen Boxsack. Aber das ersetze keinesfalls die regulären Übungsstunden. Steffen Herzog weiß auch, dass seit dem Lockdown im Frühjahr einige Sportler gar nicht mehr zum Training kommen. "Die haben wir verloren", so Herzog. 

Als dramatische Einschränkung der "persönlichen Freiheit für viele von uns" bezeichnet  Steffen Waldmann, Geschäftsführer des MSV Bautzen, den Teil-Lockdown. Er nennt die aktuelle Situation einen wahren Lockdown. "Alle Sporteinrichtungen sind geschlossen. Auch Individualsport ist nicht möglich", sagt er. Das Ganze müsse man aber auch relativieren, denn die Sportler seien nun mal nicht der Nabel der Welt.

Trotzdem kennt er die Enttäuschung, vor allem auch deshalb, weil man im Sommer alles getan habe, um die Hygieneregeln einzuhalten. "Uns als Verein erreichen immer wieder Anrufe von Mitgliedern, die mit den Maßnahmen nicht zufrieden sind. Schließlich bezahlen sie ja ihren Beitrag weiter", berichtet Steffen Waldmann. 

In der jetzigen Situation versucht der Verein, verschiedene Angebote zu unterbreiten, um die sozialen Kontakte zu erhalten. So gibt es zum Bespiel von der Tanz-Abteilung Online-Angebote. Anstelle des Bautzener Stadtlaufs, der ausfallen musste, fand man die Möglichkeit, eine Schul-Challenge anzubieten. "Die Sponsoren wollen das Geld trotzdem zur Verfügung stellen", so Waldmann. 

Der Präsident des Bischofswerdaer FV 08 Jürgen Neumann sieht durch den Lockdown auch gesundheitliche Probleme für die Sportler.
Der Präsident des Bischofswerdaer FV 08 Jürgen Neumann sieht durch den Lockdown auch gesundheitliche Probleme für die Sportler. © Archivfoto: SZ/Uwe Soeder

Vom erneuten Sportverbot sind auch die Fußballer des Bischofswerdaer FV 08 nicht begeistert. Präsident Jürgen Neumann sieht darin auch gesundheitliche Risiken für die Sportler. "Wenn man das Training von Hundert auf Null herunterfährt, kann das der Körper nur schwer verkraften", so Neumann. Jetzt gebe es zwar individuelle Trainingsprogramme, doch bei der zeitig einsetzenden Dunkelheit könne man im Freien auch nicht mehr so viel machen. Bei den Kindern und Jugendlichen sieht der Präsident vor allem das Problem der fehlenden sozialen Kontakte. Jürgen Neumann verweist auf Thüringen. Dort wurde in der vergangenen Woche der Breitensport für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre wieder gestattet.  

Der Geschäftsführer des Westlausitzer Fußballverbandes, Gojko Sinde, hatte in den letzten Tagen zahlreiche Kontakte zu den Vereinen. "Viele sind an mich herangetreten und haben gefragt, warum gerade der Amateursport vom Lockdown betroffen ist", so Sinde.  Er weiß aber auch, dass die Trainer Verantwortung für die Gesundheit der Kinder haben und rät, individuelle Trainingsformen zu nutzen. So könnten sich zwei Haushalte zum Kicken oder Jonglieren verabreden. Außerdem gebe es Angebote im Internet vom DFB und den Landesverbänden.  

Lars Bauer, Geschäftsführer des Kreissportbundes, weiß, dass die Vereine enttäuscht sind, weil ihre Arbeit der vergangenen Wochen nicht die erhoffte Wertschätzung erfährt.
Lars Bauer, Geschäftsführer des Kreissportbundes, weiß, dass die Vereine enttäuscht sind, weil ihre Arbeit der vergangenen Wochen nicht die erhoffte Wertschätzung erfährt. © PR

Lars Bauer, Geschäftsführer des Kreissportbundes Bautzen, hält die aktuellen Maßnahmen für gerechtfertigt, "insofern sie dann aber auch das Infektionsgeschehen positiv beeinflussen". Das müsse man die nächsten Tage genau beobachten. Für gerecht hält er die Lösung allerdings nicht, dass Profis weiter trainieren und spielen dürfen, Amateure hingegen nicht. Die Vereine, mit denen er bisher Kontakt hatte, würden  größtenteils Verständnis für die Maßnahmen zeigen, so lange sie zeitlich befristet für ein paar Wochen gelten. "Jedoch geht ihnen die Wertschätzung ihrer Arbeit in den letzten Monaten verloren, da die Vereinsverantwortlichen mit viel Aufwand, enormer Flexibilität und hauptsächlich ehrenamtlich Hygienekonzepte erstellt haben", sagt Lars Bauer. 

Für die Vereine, die in finanzielle Notlagen geraten, hat der Freistaat Sachsen ein Soforthilfe-Programm aufgelegt. Bisher haben etwa 20 Vereine im Landkreis Bautzen diese Förderung genutzt. "Sollten existenzielle Schwierigkeiten auftreten, sind Vereine aufgefordert, sich mit uns in Verbindung zu setzen", rät der Geschäftsführer des Kreissportbundes. 

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