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Bautzen: Sturz vom Parkhaus - Wie konnte das passieren?

Am Wochenende verletzte sich ein 14-Jähriger schwer, als er fünf Meter in die Tiefe fiel. Nun wird spekuliert, was er auf dem Dach wollte.

Am vergangenen Sonnabend war ein 14-Jähriger vom Parkhausdach auf der Äußeren Lauenstraße in Bautzen gestürzt und hatte sich dabei schwer verletzt.
Am vergangenen Sonnabend war ein 14-Jähriger vom Parkhausdach auf der Äußeren Lauenstraße in Bautzen gestürzt und hatte sich dabei schwer verletzt. © Lausitznews/Toni Lehder

Bautzen. Am vergangenen Sonnabend ist ein 14-Jähriger vom Dach des Parkhauses in der Äußeren Lauenstraße in Bautzen gestürzt - und noch immer sind viele Fragen ungeklärt. Laut Kai Siebenäuger, Sprecher der Polizeidirektion Görlitz, ist der Jugendliche durch seine Verletzungen derzeit nicht in der Lage, vernommen zu werden. „Warum der Geschädigte auf dem Dach zugange war, müssen weitere Ermittlungen erst noch klären.“

Nach bisherigen Erkenntnissen war der 14-Jährige am Sonnabendnachmittag durch einen Lichtschacht gebrochen und etwa fünf Meter hinab in ein Treppenhaus gestürzt. Dabei habe er sich schwer verletzt. Der Beteiligungs- und Betriebsgesellschaft Bautzen (BBB), die das Parkhaus betreibt, sind solche oder ähnliche Fälle bislang nicht bekannt, teilt Sprecherin Katharina Görnitz auf Anfrage mit.

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Parkhäuser sind beliebte Treffpunkte für Jugendliche

Das Objekt nach dem Vorfall nun zusätzlich zu sichern oder etwa Hinweisschilder zu möglichen Gefahren anzubringen, sei nicht vorgesehen. „Wir haben die Schadensstellen gesichert und werden schnellstmöglich mit der Sanierung beginnen. Zusätzliche Maßnahmen sind derzeit nicht geplant“, erklärt Katharina Görnitz.

Dass Jugendliche das Parkhaus als Treffpunkt nutzen, ist allerdings nicht neu. Marcel Flakowski, Vorsitzender des Vereins „Bautzen rollt“, berichtet, dass er selbst früher vor allem im Winter ab und zu mit seinem Skateboard dort unterwegs war, weil es nicht genug Alternativen zum Skaten gab. Es sei nach wie vor ein kleiner versteckter Ort, wo Jugendliche relativ ungestört sein können, nicht nur, um zu skaten. Mitarbeiter des Bautzener Theaters, das an das Parkhaus grenzt, bestätigen, dass sich hin und wieder Jugendliche auf dem Parkdeck aufhalten.

Kornmarkt-Center: Parkdeck wird kontrolliert

Ähnlich sei das im Kornmarkt-Center, wo „aktuell nur vereinzelt kleinere Ansammlungen von Jugendgruppen“ anzutreffen sind, erklärt Centermanager Christian Polkow. Dies sei derzeit aufgrund der Corona-Bestimmungen ohnehin nicht gestattet. „Kontrollen des Parkhauses werden auch regelmäßig durchgeführt. Ein Zugang zum Parkhaus außerhalb der Öffnungszeiten des Centers ist nicht möglich“, fügt Christian Polkow hinzu.

Dass Jugendliche sich im Parkhaus an der Äußeren Lauenstraße aufhalten, ist auch Jacqueline Dutschke aufgefallen. Sie arbeitet in dem Matratzengeschäft rechts neben der Zufahrt zum Parkhaus. In dem Laden höre man, wie oben geskatet wird. Weil das Geschäft aber derzeit geschlossen ist, bekomme sie auch nicht so viel mit. Ob das Gebäude zum Klettern oder für die städtische Sportart Parkour genutzt werde, könne sie nicht sagen. Zumindest hätte sie noch niemanden dabei beobachtet.

Diese Vermutung hatte zumindest Rainer J. Capitain auf der Facebookseite der SZ Bautzen geäußert. Er hat im Pavillon unterhalb des Parkdecks früher sein Geschäft für Brautmoden betrieben. Es gebe zahlreiche Filme im Netz, „in denen von dem Pavillondach gesprungen wurde. Ich hatte dort mehrere Jahre meinen Laden und musste aufpassen, dass niemand meinen Kundinnen auf den Kopf springt“, schreibt er.

2009 hatte Sächsische.de mal einen Bautzener Parkour-Sportler begleitet. Bei dieser Sportart geht es darum, nur mit den Fähigkeiten des eigenen Körpers möglichst effizient von A nach B zu gelangen, also etwa über Mauern zu springen und Dächer zu erklimmen. Das einzige Video, das bei einer schnellen Suche auf der Plattform Youtube auftaucht, wurde vor zwölf Jahren hochgeladen und heißt „Parkour Bautzen 2006“. Von einer derzeit aktiven Szene kann daher wohl keine Rede sein.

Auch Steffen Waldmann, Geschäftsführer vom Sportverein MSV Bautzen, hat dazu keine Kenntnis. Für das Krafttraining mit dem eigenen Körpergewicht könne aber die Calisthenics-Anlage im MSV-Sportpark an der Neusalzaer Straße genutzt werden. Sie sei frei zugänglich und biete etwa Klimmzugstangen, eine Hangelstrecke und eine Sprossenwand.

Für Skater und Rollerfahrer entsteht ein Anlaufpunkt

Dass öffentliche Gebäude wie Parkhäuser wieder vermehrt von Jugendlichen aufgesucht werden, beobachtet auch Benno Auras, Sozialarbeiter bei „Pro Chance – Mobile Jugendarbeit in der Stadt Bautzen“ in Trägerschaft des Steinhauses. „Im Zuge des Lockdowns werden neue Nischen gesucht und genutzt“, sagt er. Im Rahmen des Streetworks seien der Theaterplatz oder das Parkhaus zwar im Blick, aber vor allem Letzteres in der Vergangenheit nicht als Treffpunkt wahrgenommen worden.

Zudem vermutet Auras, dass es weniger Skater, sondern eher jüngere Jugendliche mit ihren Scooterrollern seien, die das Parkhaus nutzen, denn für Skater gebe es dort keine geeigneten Objekte, um Tricks zu üben. Der Unfall vom vergangenen Sonnabend, egal wie er sich zugetragen habe, sei sehr bedauerlich.

Mit Blick auf das Üben von Tricks auf Scooterrollern oder Skateboards hofft Benno Auras auf den neuen Skaterpark, der im Bautzener Stadtteil Gesundbrunnen entstehen wird. „Dort wird es dann sicher genug Angebote für BMX-er, Scooterfahrer und Skateboarder geben“, fügt der Sozialarbeiter hinzu.

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