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Bautzener Tuchhändlerin wird zum Serienstar

Als besondere Stadtführerin gibt Franziska Henke seit zehn Jahren ihre Liebe zur Heimat an Gäste der Stadt weiter. Nun will sie einen neuen Schritt wagen.

Franziska Henke, die in Bautzen als Stadtführerin Teda, die Tuchhändlerin, unterwegs ist, arbeitet derzeit an neuen digitalen Angeboten.
Franziska Henke, die in Bautzen als Stadtführerin Teda, die Tuchhändlerin, unterwegs ist, arbeitet derzeit an neuen digitalen Angeboten. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Das Kostüm der Tuchhändlerin Teda bleibt an diesen Nachmittag im Schrank. Stattdessen hat Franziska Henke ihr Stadtführerinnen-Gewand gegen einen schwarzen Blazer getauscht. Auf dem Tisch in ihrem Arbeitszimmer stehen Apfel-Muffins und dampfender Kaffee, der ein wenig nach Kakao schmeckt. „Mir fehlt Teda schon, auch der Kundenkontakt. Durch Corona haben wir wohl alle eine Vollbremsung gemacht“, sagt die Bautzenerin erst. Dabei gebe es für sie sogar etwas zu feiern. Vor zehn Jahren schickte sie ihre stadterklärende Teda erstmals mit Touristen durch ihre Heimatstadt.

Auf dem Computermonitor flackert als Pausenbild ein Foto aus diesen sonnigen Tagen. Teda, die Tuchhändlerin, umringt von einer Gruppe Neugieriger auf dem Wendischen Kirchhof, gespannt ihren Erzählungen lauschend. „Das ist einer meiner Lieblingsplätze. Dort ist Geschichte so schön greifbar. Man kann erklären, wie die Hussiten 1431 die Stadt belagerten oder, dass Bautzen mit dem Bau der Wasserkunst die zweite Stadt im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation mit einer ständigen Wasserversorgung war“, sagt die 47-Jährige. Nur die Nürnberger seien ein bisschen schneller gewesen, schiebt sie schnell noch einen Fakt hinterher.

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Dem Vorbild des Vaters gefolgt

Die Stadtführerei wird Franziska Henke quasi in die Wiege gelegt. Ihre Mutter Maria Henke erzählte den Bautzener Gäste als Türmerin nicht nur Geschichten über die ältesten Bastionen der Stadt, sondern auch manch anderes Geheimnis der Tausendjährigen. Ihr Vater Heinz gilt als einer der dienstältesten Stadtführer in Bautzen und vor allem profaner Kenner des Bautzener Simultaneum - des Dom St. Petri. „Wir kommen inzwischen auf 95 Stadtführer-Dienstjahre“, schmunzelt die zweifache Mutter. Allerdings hat sie sich erst ein bisschen gesträubt, in die großen Fußstapfen zu treten.

Inzwischen geht Franziska Henke seit 2010 ihre eigenen Stadtführer-Wege. Die Tuchhändlerin Teda stolperte in ihr Leben, weil eine Figur aus dem Mittelalter zu ihrem zweiten Ich werden sollte. „Ich stelle mir vor, dass Bautzen vor 550 Jahren sehr belebt, aber auch schmutzig war. Höchstwahrscheinlich duftete es an der einen Ecken nach frischen Pasteten und an anderen Ecken nicht ganz so lecker. Leben würde ich nicht in dieser Zeit, aber wenn man mal gucken könnte...“, sagt die Bautzenerin. Im vergangenen Jahr hat sie rund 140 Stadtführungen gemacht.

Geschichte wird mit Geschichten verwoben

Am liebsten dreht Teda, die Tuchhändlerin, ihr Touren durch Bautzen auf ganz unterschiedlichen und für ihre Zuhörer oft neuen Wegen. „Ich möchte alle erreichen und mit ihnen meine Liebe zur Stadt teilen – und zwar, indem ich Geschichte mit Geschichten verwebe“, sagt die gelernte Hotelfachfrau. Sie hat nicht nur das historische Bautzen-Einmaleins gelernt, sondern auch bei einem Schauspieler Stunden genommen hat, um ihre Präsenz, die Schlagfertigkeit, den Ausdruck zu bessern, eben, um einen authentische Geschichtenerzählerin zu werden.

Ihr Wissen will Franziska Henke jetzt weitergeben, als Lernmentorin will sie unter anderem Stadtführern und Reiseleitern das Rüstzeug für spannende und lebendige Touren an die Hand geben. Die Kurse will sie online anbieten. Bis jetzt ist es nur eine Idee. Aber auch Tuchhändlerin Teda begann ja zuerst mit ein paar Skizzen auf dem Papier. Ihrer dauerhaften Begleiterin aus dem Mittelalter will Franziska Henke ein Geschenk zum zehnten Geburtstag machen. „Als Teda besuche ich mit der Kamera meine Lieblingsplätze in Bautzen. Zwei Freundinnen helfen mir beim Projekt. Es soll eine kleine Serie entstehen, die dann auf YouTube zu sehen ist“, sagt die Bautzenerin. Und ganz bestimmt macht sie dann auch wieder einen Abstecher auf den Wendischen Kirchhof, wo Geschichte zum Greifen nah ist.

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