merken
PLUS Bautzen

Das sind die Neuen am Bautzener Theater

Larissa Ruppert und Julian Laybourne gehören jetzt zum Ensemble. In ihrer ersten gemeinsamen Premiere liefern sie sich wahre Wortschlachten.

Julian Laybourne und Larissa Ruppert gehören jetzt zum Ensemble des Deutsch-Sorbischen Volkstheaters Bautzen.
Julian Laybourne und Larissa Ruppert gehören jetzt zum Ensemble des Deutsch-Sorbischen Volkstheaters Bautzen. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Das Telefon klingelt unablässig. Immer wieder rennt Bastian zum Apparat. „Jetzt nicht“, brüllt er in den Hörer und eilt weiter zwischen Küche und Esstisch hin und her. Er bereitet den Abend für seine Liebste vor. Bei Fünf-Gang-Menü und Kerzenlicht will er seine Helen fragen, ob sie seine Frau wird. Doch es kommt ganz anders. Mit dem Anruf kündigt seine Zukünftige ihm ihre Verspätung an. Als sie dann endlich eintrifft, sind seine an einer viel zu heißen Suppenschüssel verbrannten Hände für den Augenblick das kleinste Problem. Es folgt eine Schlacht der Wörter.

Angriffslustig sind auf der Bühne Larissa Ruppert und Julian Laybourne. Mit der Komödie „Der dressierte Mann“ über eine ziemlich verspannte Beziehung geben die Schauspieler ihr offizielles Debüt in Bautzen. Seit drei Wochen proben sie wieder für das Stück nach Corona-Auszeit und Spielzeitpause. Eigentlich sollten die beiden neuen Gesichter bereits im Bautzener Theatersommer ihre ersten Rollen an der Spree spielen.

Anzeige
Große Jubiläumsaktion bei XXL KÜCHEN ASS
Große Jubiläumsaktion bei XXL KÜCHEN ASS

Zum 25-jährigen Geburtstag gibt es bei den sieben XXL KÜCHEN ASS-Fachmärkten in Sachsen den gewohnten Service und tolle Jubiläumsangebote.

Stattdessen wurde für Larissa Ruppert das Wohnzimmer zur Bühne. Die 26-Jährige gehörte zum Online-Ensemble, das in der Pandemie-Zwangsspielpause täglich das Publikum zu einem virtuellen Theaterbesuch einlud. Gemeinsam mit dem neuen Kollegen war die gebürtige Hessin außerdem mit „Concert in Sunset“ im Theatergarten zu erleben.

Beziehungskrise statt Romantik

Doch zurück auf die Probebühne: Dort klingt noch Marianne Rosenbergs fröhlicher Hit „Er gehört zu mir“ nach, als die Stimmung zwischen der emanzipierten Karrierefrau und dem bemühten Hausmann immer eisiger wird. Helen bekommt einen hochdotierten Chefposten in ihrer Bank, auf den ihr Zukünftiger spekuliert hatte.

Statt Romantik pur gibt es eine handfeste Beziehungskrise. „Wie stehe ich jetzt da? Wie der Horst, der Himbeertoni“, fragt der Enttäuschte. Ein Wort gibt schnell das andere. „Bei Komödien wird am Anfang der Proben ein sehr enges Korsett geschnürt, in dem wir uns immer freier bewegen. Im besten Fall soll das Publikum ja lachen“, sagt Julian Laybourne.

Vor seinem Bautzener Engagement sammelt der 27-Jährige mit einem kurzen Band-Intermezzo erste Ensemble-Erfahrungen am Neuen Schauspielstudio des Theaters Chemnitz. Für den Schauspiel-Absolvent der Zürcher Hochschule der Kunst ist ein Praxisstudienjahr Pflicht. Beim Vorsprechen entscheidet sich der Intendant der sächsischen Stadt für den gebürtigen Hamburger.

„Diese Zeit hat mir viel gegeben. Ich konnte Erfahrungen auf der Bühne sammeln, professionellen Schauspielern über die Schulter schauen. Auch eine eigene Studioproduktion haben wir gemacht“, sagt er.

In der Komödie "Der dressierte Mann" spielen Julian Laybourne und Larissa Ruppert ein Paar in einer Beziehungskrise. Premiere ist am 9. Oktober.
In der Komödie "Der dressierte Mann" spielen Julian Laybourne und Larissa Ruppert ein Paar in einer Beziehungskrise. Premiere ist am 9. Oktober. © SZ/Uwe Soeder

Seiner jetzigen Kollegin Larissa Ruppert begegnet Julian Laybourne bereits bei einer Aufnahmeprüfung an der Schauspielschule in Frankfurt/Main. Beide beginnen irgendwann den Traum von der großen Bühne. „Ich hatte keine Wahl, in meiner Familie gibt es fast nur Schauspieler“, sagt der junge Mann.

Larissa Ruppert erwidert: „Ich hatte keine großen Fußabdrücke“. Stattdessen kommt sie über das Theaterspiel in der Schule auf den Geschmack. Nach einer ersten Runde vergeblicher Vorsprechen an staatlichen Schauspielschulen widmet sich die 26-Jährige erst ihrer zweiten Leidenschaft, der Musik. Ein aus Liebeskummer geschriebener Song, auf Youtube hochgeladen, begeistert einen Produzenten.

Eine CD wird geplant, Songs werden geschrieben. Und dann kommt ein großer Krach mit dem Label. „Im großen Haifischbecken der Musikbranche habe ich nicht so tolle Erfahrungen gemacht“, sagt die Schauspielerin. Doch zwei gute Wendungen hat die Geschichte. Den Liebeskummersong hat seinerzeit das richtige Herz erhört – und Larissa Ruppert hat einen erneuten Anlauf zum Schauspielstudium genommen.

Festes Engagement als Privileg

Ihre Abschlussinszenierung an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft führt sie schließlich als Gastspiel erstmals nach Bautzen. Der langjährige Oberspielleiter des hiesigen Theaters, Michael Funke, inszeniert diese Antigone-Version.

Nach dem Applaus ahnt die junge Schauspielerin noch nicht, dass sie bald ein festes Engagement am Bautzener Theater bekommt. Zum Vorsprechen fährt sie dann schon fast in bekanntes Terrain – und trifft dort auf einen Bekannten von einem anderen Vorsprechen - Julian Laybourne. „Gerade in Corona-Zeiten ist ein festes Engagement Glück und Privileg“, sind sich die beiden neuen Ensemblemitglieder einig – anders als auf der Bühne.

Dort macht die Einmischung der Mutter und Schwiegermutter die Situation der Streithähne nicht besser. Gabriele Rothmann spielt eine 68er-Feministin, die sich ihren Sohn weniger spießig wünscht. Katja Reimann ist als Helens Mutter scheidungserprobt und versteht die Karriereambitionen ihrer Tochter nicht.

Geschlechterkampf mit Augenzwinkern

Die Vorlage der Komödie von John von Düffel stammt von Esther Vilar, die in den 1970er-Jahren mit ihrer Abrechnung mit der Frauenbewegung gleich mehrere Skandale auslöste. In Bautzen führt Stefan Wolfram Regie.

Dem Geschlechterkampf mit Augenzwinkern fiebern Larissa Ruppert und Julian Laybourne nach langer Bühnenabstinenz nun entgegen. Doch nach der Premiere ruft sie gleich die nächste Probebühne. Es beginnen die Arbeiten am Weihnachtsstück. Bei „Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete“ müssen sie als Witwe Schlotterbeck und Seppel den berüchtigten Dieb mal wieder einfangen. Bei der Geschichte aus dem Märchenwald wollen die Zwei nicht nur die kleinsten Theaterzuschauer zum Lachen bringen. Gespannt sind sie auf die Musik, denn dann können sie auf der Bühne ihre beiden Leidenschaften – das Schauspiel und den Gesang - mal so richtig auskosten.

Das Stück „Der dressierte Mann“ hat am 9. Oktober um 19.30 Uhr im Großen Haus Premiere.

www.theater-bautzen.de

Mit dem kostenlosen Newsletter „Bautzen kompakt“ starten Sie immer gut informiert in den Tag. Hier können Sie sich anmelden.

Mehr Nachrichten aus Bautzen lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Bischofswerda lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Kamenz lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Bautzen