merken
PLUS Bautzen

Neukirch: 80 Töpfer trafen Tausende Besucher

Sonniges Herbstwetter lockte am Wochenende Freunde von Kunsthandwerk nach Neukirch. Dort ging allerhand über die Theke - und manches zu Bruch.

Ralf Blechschmidt aus Groitzsch kommt seit über zehn Jahren zum Töpferfest nach Neukirch. Mit im Gepäck hatte er diesmal Keramik, die im Holzfeuer gebrannt und mit einer Salzglasur verziert wird.
Ralf Blechschmidt aus Groitzsch kommt seit über zehn Jahren zum Töpferfest nach Neukirch. Mit im Gepäck hatte er diesmal Keramik, die im Holzfeuer gebrannt und mit einer Salzglasur verziert wird. © Steffen Unger

Neukirch. Scharf fegt der Wind durch den Neukircher Dammweg. Mit einem lauten Krachen folgt ein Holzregal seiner Richtung. Kurz darauf scheppert und klirrt es: Wo eben noch rote Töpfchen und Tassen mit weißen Tupfen um Aufmerksamkeit rangen, liegen jetzt Scherben zwischen Beinpaaren.

Scherben waren keine Seltenheit auf dem 23. Neukircher Töpfermarkt, der an diesem Wochenende in der Gasse um und auf dem Firmengelände der Neukircher Töpferei von Karl Louis Lehmann stattfand. Auch Ralf Blechschmidt, der eine Töpferei in Groitzsch bei Leipzig betreibt, hatte Schwund zu beklagen. In der Nacht sei es schlimm gewesen, sagt er. Seinen Stand hatte er zwar mit Planen gesichert, die hätten aber gegen die Tonstücke geschlagen. Einige, seiner im Holzfeuer gebrannten Schätze seien dabei zu Bruch gegangen.

Anzeige
20 schnelle Ideen für Naschkatzen
20 schnelle Ideen für Naschkatzen

Wenn der Herbstwind über die Straßen fegt, ist es Zeit zum Schlemmen. Eine Portion Pudding wärmt Herz und Seele.

Ware im schönsten Sonnenlicht

Blechschmidt kommentiert das mit einem Schulterzucken. Er sei froh, dass der Töpfermarkt trotz Corona stattfinden könne, sagt er. Auch seine Händlerkollegen - insgesamt waren es etwa 80 an der Zahl - zeigten sich dem Wind gegenüber am Sonntag stoisch, bauten Pavillons und Zeltwände kurzerhand ab und präsentierten ihre Waren im schönsten Sonnenlicht den Besuchern. Die kamen zahlreich und kauften eifrig, weiß Blechschmidt zu berichten.

Gemeinsam mit seinen Kindern Josefine und Jakob verwirklichte sich der Hoyerswerdaer Zahntechnikermeister Thomas Metasch am Basteltisch kreativ.
Gemeinsam mit seinen Kindern Josefine und Jakob verwirklichte sich der Hoyerswerdaer Zahntechnikermeister Thomas Metasch am Basteltisch kreativ. © Steffen Unger

Das bestätigt Thomas Metasch, der mit seinen Kindern Josefine und Jakob ein paar Meter weiter mitten im Trubel an einer Bierbank sitzt und dem Nachwuchs beim Bemalen von Tassen und Teelichthalter zur Hand geht. Ja, es sei voll beim Töpferfest, findet er, aber das sei ja auch verständlich - schließlich sei das Wetter toll und die Menschen seien froh, dass nach langer Corona-Abstinenz endlich wieder große Veranstaltungen stattfinden könnten.

Aber das, fügt er hinzu, seien nicht die einzigen beiden Gründe, die die vierköpfige Familie aus Wittichenau nach Neukirch verschlagen hat: "Meine Frau Anja stammt aus dem Oberland", sagt der Zahntechnikermeister aus Hoyerswerda. Die kommt wenige Augenblicke später mit einem Strahlen vom Bummeln an den Ständen zurück: "Wenn man aus dem Oberland kommt, sagt sie, gehört ein Besuch beim Töpfermarkt einfach dazu", und ergänzt: "Für mich ist das in jedem Jahr der Anfang des Herbstes."

Maranke Thunig kam vor fünf Jahren aus Holland in die Oberlausitz und betreibt in Bischofswerda eine Keramikwerkstatt. Was sie dort fertigt, bietet sie unter anderem in Neukirch zum Kauf an.
Maranke Thunig kam vor fünf Jahren aus Holland in die Oberlausitz und betreibt in Bischofswerda eine Keramikwerkstatt. Was sie dort fertigt, bietet sie unter anderem in Neukirch zum Kauf an. © Steffen Unger

Eine weitere Anreise als Familie Metasch hatte Maranke Thunik. Die liegt aber schon einen Augenblick zurück: Vor fünf Jahren wagte die gebürtige Holländerin den Sprung in die Oberlausitz, der Liebe wegen, wie sie mit einem verträumten Lächeln erklärt. In Bischofswerda machte sie sich mit einer eigenen Werkstatt selbstständig, bietet ihre Waren seither regelmäßig auf Märkten wie jenem in Neukirch an. Ihr Stil sticht heraus: Klare Formen und verspielte Dekors in knalligen Farben zieren Vasen und Blumentöpfe, die sie mit Lilien, Lavendel und Leberbalsam in Szene gesetzt hat.

Keramik von modern bis klassisch

Dichtes Gedränge herrschte am Wochenende beim traditionellen Töpferfest in Neukirch. Seit 23 Jahren findet der Markt rund um die Töpferei Lehmann statt - auch in den Pandemiejahren musste das Treiben nicht ausfallen.
Dichtes Gedränge herrschte am Wochenende beim traditionellen Töpferfest in Neukirch. Seit 23 Jahren findet der Markt rund um die Töpferei Lehmann statt - auch in den Pandemiejahren musste das Treiben nicht ausfallen. © Steffen Unger

Klassischer geht es da in der Keramikscheune, dem festen Verkaufsgeschäft der Töpferei von Karl Louis Lehmann, zu. Natürlich hat der Laden zu Anlass des Töpfermarktes auch am Sonntag geöffnet. Sein Inneres gleicht einem blau-bunten Wimmelbild: Dicht an dicht schieben sich die Besucher durch die Gänge.

Auf den Regalen türmen sich Töpfe, Tassen, Teller in blau-weiß: Die weltbekannte Bunzlauer Keramik, bei der das Dekor mit einem Schwämmchen auf das fertig geformte Tonstück aufgetragen wird, ist in der Oberlausitz besonders in den Gestaltungsvarianten großes und kleines Pfauenauge beliebt und verbreitet. Inmitten all dieser Millionen Augen trifft man die beiden Brüder René und Robert aus Bautzen. Sie seien vor allem zum Stöbern hergekommen, erklären die beiden jungen Männer.

2.500 Fischbrötchen aber kein Töppellauf

Und vielleicht war es auch die Mischung aus familiärer Gastlichkeit und liebevoller Verpflegung, die sie an diesem Sonntagmittag nach Neukirch gelockt hat. Dass beides nicht von ungefähr kommt, zeigt ein Blick hinter die Kulissen: Hoch oben über den Köpfen der Besucher, in der Werkstatt der Lehmannschen Töpferei, riecht es in diesen Tagen nach Fisch. Seit acht Uhr morgens werden hier im Accord Zwiebeln in Ringe und Gürkchen in Scheiben geschnitten. 2.500 Fischbrötchen werden hier an einem Wochenende für den Weiterverkauf an hungrige Kunden vorbereitet.

Obschon nicht alles ablaufen kann wie immer - der beliebte Töppellauf etwa musste Corona-bedingt ausfallen - sind die Veranstalter sichtlich stolz, dass das beliebte Markttreiben seit 23 Jahren kein einziges Mal ausfallen musste. Und dass das nicht langweilig wird - nicht für Töpfer und nicht für Besucher - zeigt ein letzter Blick ins Rund zum Abschied: Vom modernen Dekor bis zur traditionellen Bemalung; vom Becher für Wachteleier bis zum überdimensionierten Vogelhäuschen - beim Töpferfest wird jeder fündig.

Mehr zum Thema Bautzen