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Sohland: Ärger über Vandalismus am Rastplatz

An der Himmelsbrücke gibt es seit Kurzem eine besondere Rasthütte. Dort wurden jetzt Schäden angerichtet. Die Initiatoren des Projektes wollen das nicht hinnehmen.

Mit viel Liebe kümmern sich Christin Schumann, Steffen Schirner, Henrik Müller und Tobias Leimer (v.l.) um die neue Rasthütte am Stausee in Sohland - und ärgern sich über Vandalismus.
Mit viel Liebe kümmern sich Christin Schumann, Steffen Schirner, Henrik Müller und Tobias Leimer (v.l.) um die neue Rasthütte am Stausee in Sohland - und ärgern sich über Vandalismus. © SZ/Uwe Soeder

Sohland. Liebe, Mühe und Zeit - das sind die Zutaten, aus denen in gemeinschaftlicher Anstrengung vieler Sohlander im zurückliegenden Sommer an der Himmelsbrücke, dem Wahrzeichen der Gemeinde, eine besondere Rasthütte entstand. Das Holzhäuschen im Stil eines typischen Oberlausitzer Umgebindehauses sollte vieles sein: ein Ort zum Verweilen, ein Foto-Motiv, eine Gelegenheit, um direkt am Spreeradweg die Gemeinde und ihre Besonderheiten zu repräsentieren. Diese Aufgaben erfüllt die Wanderhütte auch, bietet darüber hinaus noch Service wie Umgebungskarte und Hundetoilette.

Aber sie sorgt auch für Frust: bei Nachbarn, Initiatoren und Sponsoren, die geholfen haben, den 15.000 Euro teuren Bau zu realisieren. Der Grund: "Halbstarke", wie Gemeinderat Steffen Schirner sie nennt, fühlen sich von dem Gelände angezogen. Was das im Ergebnis bedeutet, erzählt Sohlands Bauhofmitarbeiter Tobias Leimer: "Weil wir hier alte Bäume entfernt haben, haben wir Ersatzpflanzungen vorgenommen: Blühsträucher, eine Linde, eine Eiche." Die frisch gepflanzte Zaubernuss sei schon nach einer Woche entwendet worden. Die Linde, die am 9. April in die Erde kam, lässt seit dem 17. Oktober ihre abgeknickte Krone hängen.

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Eine Linde ist abgeknickt, eine Vase verschwunden

Elf männliche Jugendliche mit Auto und Moped, erzählt Steffen Schirner, hätten die Nachbarn an jenem Sonnabendabend beobachtet. Am darauffolgenden Montag erhielt Tobias Leimer einen Anruf: Die Linde sei abgeknickt. Für Leimer, der kürzlich zum dritten Mal Vater geworden ist, eine bittere Nachricht. Die Lilly-Linde, wie er sie nennt, war seiner frisch geborenen Tochter gewidmet. "Wir kommen hier oft auf unseren Spaziergängen vorbei, hatten eine Gießkanne am Kinderwagen befestigt und den Baum bei diesen Gelegenheiten gegossen", erzählt er. Das Abknicken war kein Unfall - dessen ist er sich sicher. Der Baum war stämmig. "Da müssen mehrere Personen lange gezogen haben, bis das passiert ist."

Zum Gespräch dazu stößt Christin Schumann. Ihr Lebensgefährte hat die Hütte gebaut, sie macht sie hübsch. In der Hand hält sie eine Vase. Ein ganz ähnliches Exemplar, erzählt sie, hätte bis vor Kurzem ein kleines Regal in der Hütte geziert, in dem sie für die Radwanderer touristische Broschüren der Gemeinde anbietet. An der Stelle, an der sie das Keramikgefäß im Regal angeklebt hat, hätte eines Tages eine Batterie leerer Mixgetränkebehälter gestanden. Die Vase war weg, die Prospekte auch. Fotos belegen das. Sie reagiert mit Unverständnis: "Das tut einem in der Seele weh! Wenn es so schön war, muss es doch auch schön bleiben", sagt sie und äußert Zweifel: "Wir wollten an den Fenstern noch Blumenkästen anbringen. Aber wofür?"

Jugendliche, die Unordnung und Zerstörungen anrichten - das äußert die Truppe, die sich an diesem Tag an der Wanderhütte trifft, einstimmig - seien schon länger ein Problem in der Gemeinde. Zuletzt waren sie aufgefallen, weil sie am Außengelände der Oberland-Sporthalle Kippenstummel, Feuerrückstände und Scherben hinterlassen hätten. Das sei kein Phänomen von Corona, bestätigt Sohlands Bürgermeister Hagen Israel (parteilos). Er kann verstehen, dass die Rasthütte an der Himmelsbrücke Jugendliche anzieht: "Sie ist ein idealer Treffpunkt. Sie können sich ja dort auch treffen. Aber sie sollen das Gelände doch bitte ordentlich verlassen", findet er. 

Nachbarn und Gemeinde schauen künftig genauer hin

Fehlende Treffpunkte für Jugendliche in der Gemeinde - für Steffen Schirner ist das keine Erklärung. "Wir mussten uns vor 40 Jahren unseren Jugendclub auch selbst bauen. In Taubenheim gibt es einen solchen Ort, in Sohland müsste er nur wiederbelebt werden", findet er.

Auf eine Anzeige wegen des abgeknickten Baumes, der verschwundenen Vase, Edding-Schmierereien auf den Sitzbänken haben die Gemeinderäte Henrik Müller und Steffen Schirner, Christin Schumann und Tobias Leimer verzichtet. "Zu viel Mühe bei zu wenig Aussicht auf Erfolg", finden sie. Dem jugendlichen Leichtsinn einen Riegel vorschieben, wollen sie dennoch: "Wir haben mit den Nachbarn gesprochen. Wenn hier das nächste Mal Remmidemmi ist, werden wir informiert und reden mit den Jugendlichen", sagt Steffen Schirner.

"Wir haben im Gemeinderat den Bürgermeister gebeten, dass hier öfter Streife gefahren wird", sagt Henrik Müller. Und Christin Schumann verspricht: "Wir lassen uns das hier nicht kaputt machen!" Wie zum Beweis wird die neue Vase angeklebt. Auch die Pflanzung der neuen Lilly-Linde ist geplant. Im kommenden Frühjahr wird sie ihren Platz an der Himmelbrücke beziehen - und hoffentlich länger wachsen dürfen, als ihre Vorgängerin.

Im April wurde diese Linde gepflanzt. Jetzt gibt sie ein trauriges Bild ab.
Im April wurde diese Linde gepflanzt. Jetzt gibt sie ein trauriges Bild ab. © SZ/Uwe Soeder
Die Umgebungskarte an der Rasthütte ist liebevoll gestaltet. Ein kleiner Holz-Vogel wacht darüber.
Die Umgebungskarte an der Rasthütte ist liebevoll gestaltet. Ein kleiner Holz-Vogel wacht darüber. © SZ/Uwe Soeder
Schon von Weitem lädt die Wanderhütte im Umgebindehaus-Stil Wanderer und Radfahrer zum Verweilen ein.
Schon von Weitem lädt die Wanderhütte im Umgebindehaus-Stil Wanderer und Radfahrer zum Verweilen ein. © SZ/Uwe Soeder
In direkter Nachbarschaft zur Himmelsbrücke, dem Wahrzeichen der Gemeinde, soll die neue Rasthütte Sohland nach außen repräsentieren.
In direkter Nachbarschaft zur Himmelsbrücke, dem Wahrzeichen der Gemeinde, soll die neue Rasthütte Sohland nach außen repräsentieren. © SZ/Uwe Soeder

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